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Angriff auf russischen OnlinehändlerMilliardenverluste für Putin

Ukrainische Drohnen haben mehrere Lagerhäuser des russischen Versandhändlers Wildberries zerstört, der Schaden liegt im Milliardenbereich. Und der Kreml? Schweigt.

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Verstka öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den ganzen Text lesen Sie hier auf Russisch.

In der Nacht zum 3. August haben ukrainische Drohnen erneut Lagerhäuser des russischen Onlinehändlers Wildberries angegriffen. Dabei brach auf dem Gelände ein Feuer aus. Der Betrieb des Logistikzentrums, das sich östlich von Moskau in der russischen Region Wladimir befindet, wurde vorübergehend eingestellt.

Doch schon vor den Angriffen hatten Steuererhöhungen, die Treibstoffkrise und neue regulatorische Auflagen die Geschäfte vieler Anbieter auf der Plattform belastet. Bis zum 2. August sollen Händler, die ihre Produkte auf Wildberries anbieten, zwischen 215 und 280 Milliarden Rubel (circa 2,3 Milliarden bis circa 3 Milliarden Euro) Verlust gemacht haben. Dabei sind die Verluste durch die Angriffe und das zerstörte Lager in den Zahlen noch gar nicht enthalten. Das schätzt Sergej Semko, leitender Analyst des russischen Marktforschungsunternehmens Data Insight, auf dessen Zahlen sich auch Forbes beruft.

Laut Berechnungen des unabhängigen russischen Mediums Verstka wurde Wildberries an 17 Tagen von ukrainischen Drohnen angegriffen. Das Unternehmen verlor dadurch an mehr als einem Dutzend Standorten 14 Lagerhäuser mit einer Gesamtfläche von mehr als 1,5 Millionen Quadratmetern (circa 210 Fußballfelder). Das entspricht etwa einem Viertel der gesamten Lagerkapazität des Unternehmens.

Wildberries funktioniert nicht wie Amazon mit eigenem Warenbestand, sondern als reiner Marktplatz. Circa 800.000 Händler lagern und verkaufen über die Plattform. Jede Störung trifft nicht nur den Konzern selbst, sondern direkt die Existenz einzelner kleiner Unternehmer.

„Terroristische Methoden der Ukraine“

Den größten Verlust erlitt Wildberries in Elektrostal, einer Großstadt bei Moskau. Bereits Mitte Juli wurde das dortige Lager von ukrainischen Drohnen getroffen. Das 250.000 Quadratmeter große Logistikzentrum brannte vollständig aus, ein Mensch starb bei dem Angriff: der 25-jährige tadschikische Staatsbürger Navruzjon Sodikov. Mehr als 60 weitere Personen wurden laut russischen Angaben verletzt.

Der Kreml schweigt sich über die Angriffe bislang aus. Laut Verstka haben die im russischen Parlament vertretenen Parteien die ukrainischen Angriffe auf die Logistikzentren von Wildberries fast vollständig aus ihrer öffentlichen Kommunikation gestrichen.

Die Angriffe würden vor allem dazu genutzt, um zu zeigen, welche „terroristischen Methoden Kyjiw“ in seiner Kriegsführung nutze, sagt ein Experte aus dem Umfeld eines kremlnahen Informationsnetzwerks. Von der eigenen ständigen Bombardierung der ukrainischen Zivilbevölkerung wollen die russischen Behörden hingegen nichts wissen, ebenso wenig von Wildberries’ Verlusten und jenen der dort vertretenen Händler.

Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass die getroffenen Logistikzentren zur Lagerung von Komponenten für Drohnen, Navigationsausrüstung und anderen Gütern mit doppeltem Verwendungszweck genutzt worden seien. Kyjiw bezeichnet die Angriffe zudem als Reaktion auf russische Attacken gegen Umschlagzentren des ukrainischen Logistikunternehmens Nowa Poschta. Es ist das größte private Post- und Logistikunternehmen des Landes.

Der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, Robert Browdi, erklärte außerdem, die Kampagne verfolge auch ein psychologisches Ziel: Sie solle zeigen, dass die Folgen des Krieges nicht nur in der Ukraine, sondern auch im russischen Hinterland spürbar sind. Benzinmangel, Stromausfälle und leere Regale auf der Krim, unterbrochene Wasserversorgung: Der Krieg hat die russische Zivilbevölkerung schon längst erreicht.

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8 Kommentare

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  • Die UA weicht auf Weichziele aus, wohl weil die Raffinierien jetzt besser verteidigt werden. Ok, kann man machen, aber deswegen unterbinden die Russen jetzt die Getreideexporte aus Odessa. In der UA gab es dieses Jahr trotz Trockenheit (?) wohl eine Rekordernte. Mal sehen wie die UA damit klarkommt.



    Im Übrigen glaube ich nicht dass die Russen gezielt die Zivilbevölkerung mit (teuren) Raketen beschiessen, da handelt es sich wohl eher um Trümmer der von der Luftverteidigung der UA abgeschossenen Raketen. Oder natürlich um Irrläufer. Das sollte man doch auch zumindest mal in betracht ziehen und nicht einfach ehaupten die Russen schiessen ballistische Raketen auf Wohnhäuser, was eine natürlich echte Verschwendung von Material wäre, militärisch gesehen.

    • @Gerald Müller:

      Himmel, sind wir hier jetzt im Kommentarbereich der "Berliner Zeitung"?

      Die Russen schießen seit 2014 gezielt auf zivile Ziele. Der Terror hat Methode.

    • @Gerald Müller:

      Naja, zum Glück ist es ja keine Frage Ihres Glaubens. Es gibt mehr als genug dokumentierte Beweise der Kriegsverbrechen an der ukrainischen Zivilbevölkerung durch die russischen Faschisten.



      Die Faschisten im Kreml sehen den Einsatz ballistischer Raketen auf Wohnhäuser auch nicht als Verschwendung, sondern als Teil einer psychologischen Zermürbung, welche sie so auch schon in Syrien u.a. angewandt haben.

    • @Gerald Müller:

      Die Ukraine hat keine Raketen abgefangen und russische Kriegsverbrechen gab es genügend, daher ist es schon glaubhaft, dass Russland zivile Ziele mit Raketen angreift. Angriffe auf Raffinerien gehen übrigens weiter, auch wenn es in deutschen Medien nicht vorkommt. Da wird jeden Tag eine getroffen.

  • Warum sollte sich Putin um militärisch bedeutungslose Angriffe auf einen Online Händler kümmern? Vermutlich ist er nicht böse, dass die Ukrai­ne ihre Drohnen für solche Aktionen verschwendet.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Weil Putin Familier mir dem Unternehmen verbunden ist, es also um sein höchst eigenes Vermögen geht.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Weil die Drohnen nicht verschwendet sind.



      Kriege sind ökonomische Rechnungen; wenn ich mit 10*10,000$ Drohnen ein Logistikzentrum für 250.000$ zerstöre, habe ich aus meiner Wirtschaft 100.000$ gezogen und aus der gegnerischen 250.000$. Es geht in der aktuellen Phase darum den Gegner wirtschaftlich so weit unter Druck zu setzen, dass er sich den Krieg schlicht nicht mehr leisten kann.

      Am Beispiel Wildberries kann man das ganz gut sehen.



      Wildberries versichert die Produkte ihrer Verkäufer nicht mehr. Jeder Schaden geht also 1:1 zulasten der Unternehmer. Deren Gewinne brechen ein und damit auch die Steuereinnahmen, welche in den Krieg fließen.

      Zusätzlich wird den russischen Soldaten an der Front eine Möglichkeit genommen sich privat mit Dingen auszurüsten die ihnen der Staat nicht mehr stellen kann, bspw. Plattenträger, taktische Handschuhe, Taschenlampen, anständige Schlafsäcke, etc. diese Dinge werden nämlich auch auf Wildberries gehandelt und wurden, meines Wissens nach, auch teilweise bis in die besetzten Gebiete geliefert.

      Sie sehen also, so unbedeutend sind diese Schläge gar nicht, wenn man mal kurz drüber nachdenkt

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Weil Krieg Geld kostet und Milliarden weniger an Steuereinnahmen tun weh. Außerdem kaufen russische Soldaten dort viel Ausrüstung, damit sie einigermaßen effektiv kämpfen können. Gleichzeitig werden weiterhin Schiffe im Schwarzen Meer, Treibstofflager und Raffinerien angegriffen. Russland kann sich diesen Krieg auch nicht unbegrenzt leisten. Und kollabiert die wirtschaft, gehen die russischen Soldaten nach Hause.