piwik no script img

Kandidaten für Infantinos NachfolgerFünf Gauner für Zürich

Gianni Infantinos Zeit als Fifa-Präsident geht zu Ende. Die taz stellt Kandidaten vor, die die Korruptionstradition des Verbands weiterführen könnten.

Joseph „Sepp“ Blatter

Der Schweizer kennt den Laden. Von 1998 bis 2016 war er Fifa-Präsident. Als Godfather der modernen Sportkorruption ist er prädestiniert für das Amt. Er war es, der aus der Fifa einen Selbstbedienungsladen für Großfunktionäre gemacht hat, die sich an den reichlich sprudelnden Einnahmen aus TV-Rechten für die Weltmeisterschaften nach Belieben bedienen konnten. Als 2015 nach Ermittlungen von US-Behörden etliche Fußball-Granden festgenommen wurden, blieb er in Freiheit. Das muss man als Chef dieser Bande erst mal hinkriegen. Heute gibt Blatter allen Ernstes Interviews, in denen er sagt: „Der Fußball darf nicht verkauft werden.“ Aber ist nicht sein hohes Alter ein Hindernis? 90 Jahre alt ist Blatter nun und damit gerade einmal zehn Jahre älter als US-Präsident Donald Trump. Ein Teil seiner Sammlung wertvoller Uhren soll sich immer noch in der Fifa-Zentrale in Zürich befinden. Höchste Zeit für eine Wiedervereinigung?

Alejandro Domínguez

Der Funktionär aus Paraguay ist Präsident von Conmebol, des Kontinentalverbands für Südamerika, und aktuell einer der acht Vizepräsidenten der Fifa. Putzmunter marschierte er während der Männer-WM durch die VIP-Bereiche der Stadien, und niemand störte sich daran, dass er gerade unter massiven Korruptionsverdacht steht. Er soll sich an Geld bereichert haben, das nach den Verfahren gegen die 2015 von den US-Behörden beschuldigten Fußballfunktionäre als Schadensersatz in einen World Football Remission Fund geflossen ist. Domínguez tritt dabei in die Fußstapfen von Nicolás Leoz. Der kam ebenfalls aus Paraguay und war in den Blatter-Jahren Conmebol-Präsident. Das Geld, das er sich in dieser Zeit unter den Nagel gerissen hatte, sollte eigentlich in den Fußball zurückfließen. Nun kommt ein Teil davon wohl Domínguez zugute. Der stünde als Fifa-Präsident für die gute alte Fifa wie sonst vielleicht nur Sepp Blatter selbst.

Uli Hoeneß

Wäre es nicht einmal Zeit für einen Deutschen an der Fifa-Spitze? Deutschlands vielleicht beliebtester Steuersünder müsste mit seiner Knastvergangenheit jedenfalls für einen Verband wie die Fifa genug Glaubwürdigkeit mitbringen. Seine Tricksereien um Handgelder bei Spielerverpflichtungen oder der Geheimvertrag, der dem FC Bayern mal ohne das Wissen der Bundesligakonkurrenz etliche Millionen Extraeinnahmen zusätzlich zu den vereinbarten TV-Rechte-Erlösen beschert hatte, können sich im nationalen Maßstab durchaus sehen lassen. Im Fifa-Vergleich ist Hoeneß dagegen nur ein Bagatellmafioso. Wie Hoeneß allerdings Franz Beckenbauer, der mit klandestinen Deals die WM 2006 nach Deutschland geholt hat, bei dessen Beerdigung in den Stand eines Heiligen erhoben hat, genügt ganz bestimmt höchsten Fifa-Maßstäben.

Thomas Bach

Noch ein Kandidat aus Deutschland. Und was für einer! Der Wirtschaftsanwalt, der 1976 Olympiasieger im Fechten wurde, hat bewiesen, dass er internationale Sportorganisationen führen kann. Von 2013 bis 2025 war er Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Nicht nur rund um die Olympischen Winterspiele von Sotschi 2016 verband ihn eine enge Freundschaft mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Dass dessen Sportlerinnen und Sportler massiv beschissen haben bei den Spielen, konnte der Freundschaft der beiden Sportsfreunde nichts anhaben. Auch zum chinesischen Staatschef Xi Jinping hatte Bach immer ein gutes Verhältnis. In Peking steht sogar eine Büste Thomas Bachs. Was aber hat der Mann mit Fußball zu tun? Er sei Anhänger der 1. FC Nürnberg, so kann man es in der Wikipedia nachlesen. Ob das für die Fifa-Spitze reicht?

Witali Mutko

Ein Russe an der Spitze des Weltfußballs? Warum nicht? Seit dem Überfall Russlands auf die Ukrainer im Februar 2022 waren russische Teams von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Mit dem Chaos, in das die Fifa nun geraten ist, haben die Russen ausnahmsweise mal wenig zu tun. Und Witali Mutko bringt alles mit, was man von einem korrupten Sportfunktionär erwartet. So war er russischer Sportminister und Fußballverbandspräsident in Personalunion, obwohl das eigentlich gar nicht erlaubt war. Seine Korruptionskarriere begann bei den Olympischen Winterspielen 2010. In den 20 Tagen seines Aufenthalts bei den Spielen will er 97 Mal gefrühstückt haben und wollte dafür 4.500 US-Dollar abrechnen. Das Hotel, in dem er logiert hat, kostete knapp 1.500 US-Dollar pro Nacht. Das kann sich ebenso sehen lassen wie seine Rolle beim staatlich orchestrierten Doping in Russland. Dafür wollte ihn das IOC lebenslang sperren. Das internationale Sportschiedsgericht Cas hob den Bann nach Mutkos Einspruch wieder auf. Es gibt wirklich wenig, was gegen Mutko spricht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

11 Kommentare

 / 
  • Wie wäre es stattdessen mit Lise Klaveness? Ro!

    www.nrk.no/sport/s...esident-1.17978556

  • Leider muss man es genauso sagen. Es gibt weit und breit niemanden, der die Korruption im Fussball bekämpfen würde. Schon als man Infantino auserkoren hatte, war klar, dass sich nichts ändern wird. Und jetzt so Typen wie den Uli, quasi aus dem deutschen Knast an die Weltspitze des Fussballs?



    Ach, hört mir auf!

  • Sie haben Donald Trump vergessen.

  • Ich hätte noch einen weiteren Vorschlag: Donald Trump.



    Er ist zwar US-Amerikaner, hat aber europäische, sprich deutsche Wurzeln. Darüberhinaus kennt er sich in Sachen Fussball gar nicht aus, was ihn geradezu für diesen Job prädestiniert. Mit seiner Erfahrung als Inhaber des FIFA- Friedenspreises, kennt er den Unterschied zwischen Krieg und Frieden. Und zu guter Letzt: mit seinen dann 82 Jahren, dürfte es ihm schwer fallen, nach dem Ausscheiden als US-Präsident, einen adäquaten Job auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

  • Das sind die richtigen Kriterien! Ehrlichkeit ist ungesund und Sport soll der Gesundheit dienen!

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Betrügen gehört zum menschlichen Naturell.



      Diesen Widerspruch haben Sie überall und natürlich erst recht in jedem Profisport.



      Keine Sportart ohne Dopingskandale (exemplarisch der Rennradsport) und keine Sportart ohne Betrugsversuche (exemplarisch die Materialmanipulationen des norwegischen Skisprungteams).



      Vorstand sein ist zwar kein direkter Sport, aber genauso Wettbewerb. Auch hier bekommen die Gewinner (=höchste Ämter) die meiste Aufmerksamkeit, das meiste Prestige.



      95% der Menschen wollen erster sein - im Leben, im Job, im Sport. Warum sollte das bei der FIFA anders laufen🤷

      • @Astrid Sehnefeld:

        „95% der Menschen wollen erster sein"



        Aber 96% ist das zu anstrengend. Mir wäre Betrügen zu anstrengend.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Die ersten Fußballer hatten keine Schiedsrichter. Brauchten sie auch nicht. Fair war Teil des Spiels.

        Wenn es aber bezahlte Spieler sind, wie Sie schon sagen, und der Trainer motzen soll, warum man sofort wieder aufstand etc., dann wird's anders. Der Mensch kann sich so oder so verhalten. Was häufig hilft, sind Anreizstrukturen.



        NB: Individueller Wettbewerb ist für so manche ein Anreiz, aber Ihre Zahl könnte da eher hoch angesetzt sein.

  • „Bagatellmafioso." 😊⚽🏀

  • Gerhard "Acker" Schröder nicht zu vergessen.



    Oder doch besser Merz wegloben?

    • @Janix:

      Schröder, Merz, für mich auch Scholz - wenn ich an seine partielle Amnesie bezüglich CumEx denke, puh...



      Obama wollte Guantanamo schließen und Rechtsstaatlichkeit für alle Gefangenen in sogenannten Black Sites schaffen - am Ende ließ er Osama Bin Laden in einer Nacht und Nebelaktion illegal ermorden und wie Müll im Meer verklappen...



      (der hatte es verdient, fraglos, aber es stand dennoch diametral zu Obamas erklärter Ethik)



      Trump, Putin, Xi - ohne Worte.



      Baerbocks Brutusmoment an Helga Schmid um Präsidentin der UN-Generalversammlung zu werden.



      Die Liste ließe sich endlos fortführen.



      Wenns um Ehrlichkeit im 'großen Sport der Politik' geht, will mir niemand von internationaler Relevanz einfallen, der bestehen könnte.



      Nach ganz oben schaffens nur die Moralbefreiten - gilt für Sport, Wirtschaft, Politik.