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Die Fifa und der „reine“ Fußball Geld schießt ein Eigentor und siegt am Ende trotzdem immer

René Hamann

Kommentar von

René Hamann

Gianni Infantino musste auf Druck seitens der Uefa zurückrudern. Mit der Idee eines reinen Fußballs hat das allerdings nichts zu tun.

N atürlich ist das erst einmal eine gute Nachricht, dass die Fifa und insbesondere ihr Boss, Alleinunterhalter, Chefstratege und Sogutwiediktator Gianni Infantino die Pläne des Ausverkaufs der Weltmeisterschaften (Frauen, Männer, Männerclubs) an „Investoren“ stoppen und öffentlich zurückrudern musste, vornehmlich auf Druck der Öffentlichkeit, aber vor allem auf Druck der Uefa und des asiatischen Fußballverbands AFC.

Es scheint also, als ob Infantinos Expansionsgelüste und seine Geldgier an ein Ende gekommen wären. Und wer weiß, vielleicht ist es sogar ähnlich wie bei Bundeskanzler Merz oder dem russischen Präsidenten Wladimir Putin: Es wird darüber hinaus über das Ende seiner Herrschaft getuschelt, und nicht nur hinter vorgehaltener Hand (was laut Fifa-Statuten ja auch eine rote Karte nach sich ziehen könnte). Infantino, Meister der Korruption, unangenehmster Einschleimer vor den Herren der Weltpolitik, hat sichtlich überdreht. Sein Ende scheint nah.

Kommt jetzt ein Aber? Nein, zur Zurücknahme der Pläne kann es kein Aber geben. Eine grundrichtige Entscheidung. Aber drumherum gibt es so einige Abers. So feiern sich beispielsweise die Uefa oder auch der DFB jetzt dafür, Infantino die Grenzen aufgezeigt zu haben: Und doch fragt man sich zunächst, warum erst jetzt, warum zum Beispiel die norwegische Fußballchefin Lise Klaveness lange Zeit die weithin einzige war, die nicht mit öffentlicher Kritik an dem Gebaren der Fifa sparte.

Und dann stellt sich als Zweites die Frage, ob die Uefa wirklich aus Prinzipientreue gehandelt hat, weil der „Fußball“, um mit dem dänischen Fußballchef Jesper Møller zu sprechen, „an einem Scheideweg“ stand, „an dem einige der Werte, die den Kern und die Seele des Fußballs ausmachen, unter Druck geraten waren“.

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Kern und Seele

Das ist dann doch etwas viel. Das größte Aber dazu sind nicht einmal die notorische Ignoranz von Menschenrechten, die Verlogenheit oder die Korruption; Themen, die man bei der Uefa genauso vorfindet, nur etwas verdeckter, nicht so offen. Das größte Aber betrifft den zweiten Teil des Zitats: „den Kern und die Seele des Fußballs“. Und, so leid es mir tut, das richtet sich an die gesamte Welt des Fußballs da draußen:

Es gibt diese Romantik einer reinen, unverkäuflichen Seele des Fußballs nicht. Der Fußball ist käuflich, und wird es in diesem System auch immer sein. Selbst die Ultras sind, wenn man es so betrachtet, Teil des Problems: Sie bringen Stimmung, Transparente, Atmo ins Stadion; was de facto sehr gute Verkaufsargumente sind. Dazu tragen sie textile Werbung wie alle Fans, für die sie sogar selbst noch Geld ausgegeben haben (wie natürlich auch für die Eintrittskarten). Und so weiter, und so weit der Ball auch rollt.

Fußball ist vornehmlich ein Geschäft, und zwar ein riesiges; die WM in Nordamerika hat lediglich gezeigt, wie viel Luft nach oben da immer noch war; Infantinos Vorstoß entbehrte somit nicht einer gewissen neoliberalen Logik. Expansion, darum geht es im Kapitalismus, rasches Wirtschaftswachstum; und Fußball ist eine Unterhaltungsindustrie, die den Mächtigen dieser Welt nutzt, und nicht nur, weil sie eine durchkapitalisierte ist.

Oder mal einfach gefragt: Warum ist der FC Bayern München nur einmal in den letzten 13 Jahren nicht Deutscher Meister geworden? Weil sie so ehrlichen und beseelten Fußball spielen oder weil sie sich durchweg und mit wachsendem Abstand die teuerste und somit beste Mannschaft leisten können?

Stichwort Überreichtum: Der Fußball ist längst in einer Dimension zu Hause, die mit der monetären Situation der meisten Konsumierenden gar nichts mehr zu tun hat. Daran ändert auch die Uefa nichts.

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René Hamann

René Hamann Redakteur Die Wahrheit

schreibt für die taz gern über Sport, Theater, Musik, Alltag, manchmal auch Politik, oft auch Literatur, und schreibt letzteres auch gern einmal selbst.
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