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Community nach dem Anschlag auf den CSD Hört den Betroffenen zu!

Kommentar von

Zoe Luginsland

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin steht der Täter im Fokus. Dabei sollte stärker auf die Masse an queerfeindlicher Gewalt hingewiesen werden.

E s ist nicht leicht nach einem Anschlag wie dem vom 25.07. die richtigen Worte zu finden. Normalerweise würde ich für eine Woche keine News mehr schauen, um nicht sehen zu müssen, wie die breite Front der queerfeindlichen Rechten und Konservativen die Amokfahrt eines IS-Anhängers und den Tod einer CSD-Teilnehmerin für ihre rassistische und spalterische Agitation missbrauchen, während sie über die Masse der Angriffe und Anschläge auf CSDs und auf Queers allgemein sowie die strukturellen Ursachen dieser Taten schweigt und die Betroffenen queerfeindlicher Gewalt nicht zu Wort kommen.

Die Meldestelle Antifeminismus schätzt die Situation auf Anfrage so ein:

„Die Sichtbarkeit, politische Teilhabe und körperliche Selbstbestimmung von Frauen und/oder queeren Personen wird seit Jahren zunehmend angegriffen. Der Angriff auf den Berliner CSD ist kein isolierter Einzelfall: In den letzten beiden Jahren hat die Meldestelle Antifeminismus über 150 Angriffe auf CSDs, ihre Teilnehmenden und Or­ga­ni­sa­to­r*in­nen dokumentiert. Dies macht das organisierte, gewaltvolle Vorgehen gegen queeres Leben deutlich.

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Gewalt trifft queere Menschen und Organisationen aber über das ganze Jahr hinweg – in Form von Brandstiftungen in queeren Begegnungsorten, Gewaltandrohungen gegenüber queeren Po­li­ti­ke­r*in­nen und auch physischer Gewalt im öffentlichen Raum. Die Angreifenden kommen aus dem islamistisch-fundamentalistischen, extrem rechten und christlich-fundamentalistischen Spektrum.

Queerfeindlichkeit, Misogynie und Antifeminismus sind die gemeinsamen Nenner der unterschiedlichen Ak­teu­r*in­nen und erweisen sich als zentrale Mobilisierungselemente – mit großer Anschlussfähigkeit und Verbreitung in allen Teilen der Gesellschaft. Der Anschlag auf den Berliner CSD hat schmerzlich gezeigt, wie real, gewaltvoll und sogar tödlich queerfeindlich motivierter Antifeminismus heute in Deutschland ist“, sagt Palo Quirion, Re­fe­ren­t*in der Meldestelle Antifeminismus bei Lola für Demokratie e. V.

Getrieben wird die Gewalt von einem globalen queerfeindlichen Diskurs, der sich quer durch die Gesellschaft zieht. Sie wird auch von denjenigen Po­li­ti­ke­r*in­nen vorangetrieben, die jetzt demonstrativ um die offene und freie Gesellschaft trauern und die Deutschlandfahne vor dem Bundestag auf Halbmast setzen, nachdem sie das Aufhängen der Regenbogenfahne zum CSD unterbunden haben.

Problematische Rhetorik

Was wir jetzt brauchen, sind keine Tiraden, in denen die Betroffenen queerfeindlicher Gewalt für bereits geplante Angriffe auf die Rechte muslimischer oder arabischer Minderheiten eingespannt werden.

Diese Rhetorik nimmt den Betroffenen den Raum zu sprechen und eignet sich ihre Trauer an. Der Täter hat sein ganzes Leben in Deutschland verbracht, konvertierte hier zum sunnitischen Fundamentalismus und radikalisierte sich hier. Als er in den Libanon ging, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen, wurde er dort für die „Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten“ verurteilt.

In seiner Heimat Berlin konnte er in die Tat umsetzen, womit er im Libanon scheiterte. Zu einem Gerichtsprozess wird es nicht mehr kommen, weil die Polizei den Täter unter noch zwingend aufzuklärenden Umständen erschossen hat. Es ist Zeit, dass wir beginnen, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen.

Das hieße in diesem Fall, zuallererst eine Diskussion über queerfeindliche Gewalt und die Bedürfnisse der Betroffenen dieser Gewalt zu führen, statt schadenfroh darüber zu höhnen, dass den „Queers for Palestine“ am Samstag eine Lektion erteilt wurde. Gerade haben viele Betroffenen queerfeindlicher Gewalt die größte Angst. Nicht bloß vor weiteren Angriffen, sondern auch vor den autoritären politischen Reaktionen, die ihren Aufenthaltsstatus gefährden oder sie zum Ziel von Polizeigewalt machen.

Das Mindeste wäre, dass Projekte wie die Meldestelle Antifeminismus, die durch das Ende von Demokratie Leben akut in ihrer Existenz bedroht sind, weiterfinanziert werden.

Das wäre das bare Minimum. Eigentlich bräuchte es aber viel mehr. Dass eine andere Welt möglich ist, zeigte am Wochenende die Internationalist Queer Pride. Hier demonstrierten Tausende migrantisierte wie deutsche Queers aller Religionen und Atheismen friedlich für die Sicherheit der vulnerabelsten Teile unserer Community.

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6 Kommentare

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  • Es geht nicht nur um die queere Community! Es treffen vielmehr zwei unvereinbare Auffassungen von Gesellschaft und zum Verhältnis von Religion - oder was dafür gehalten wird - und Staat aufeinander, die nicht kompatibel und im Rahmen der Möglichkeiten unserer Gesellschaftsordnung und mit den Mitteln unseres Rechtsstaates nicht zu integrieren sind. Integration ist dabei zuvorderst eine Bringe-Schuld, die das Verhalten und die menschliche Umgangskultur, vielleicht sogar in gewissem Umfang das Äußere einschließt. Wer einer Frau den Handschlag verweigert, weil sie eine Frau ist, Homosexualität, wie immer er persönlich dazu stehen mag nicht tolerieren kann, passt in vielerlei Hinsicht nicht zu unserer Kultur. Auch das an sich harmlose Kopftuch ist in seinen verschiedenen islamischen Varianten doch mehr als ihm immer gerne zugesagt wird und eine Burka ist ein klares Bekenntnis - gegen Integration. Keiner muss unsere westliche Gesellschaft gut finden. Keiner ist gezwungen worden in unsere Kultur einzuwandern und dauerhaft in ihr zu leben. Unsere Grenzen sind offen - auch um zu gehen.

  • Die Denunziationsplattform „Meldestelle für Antifeminismus“ nutzt den Anschlag um Werbung für sich selbst zu machen und deutet den Anschlag mal eben als „Antifeministisch“ um. Angereichert wird das ganze noch mit Whataboutismus um auch weiter die Augen vor islamistischer Gewalt verschließen zu können. Großartig.

  • Ob CSD, Weihnachtsmarkt, Schule, …..

    Es ist ein Angriff auf alle, die ein offenes und selbstbestimmtes Leben führen. Egal welche Sexualität, welches Geschlecht oder Religion.

    Es geht nun darum unsere freiheitliche Gesellschaft, die auch nicht perfekt ist, zu schützen, damit auch gegenseitig uns alle!

    Und bitte verwechselt nicht den Islam mit dem Islamismus.

  • Der Anschlag war ein Anschlag auf unsere Lebensweise insgesamt. Damit sind alle demokratischen Menschen in diesem Land betroffen.

    Die Forderungen, die im Nachgang zum Anschlag laut geworden sind haben daher alle mehr oder weniger ihre Berechtigung. Es gibt daher auch keinen Grund, irgendeine Gruppe in besonderer Weise hervorzuheben oder diese anderweitig zu bevorzugen.

    Jede Forderung, die geeignet ist, einen solchen Anschlag in der Zukunft zu vereiteln, ist gleichberechtigt diskussionswürdig.

    "Es ist Zeit, dass wir beginnen, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen." Der erste richtige und wichtige Schritt wäre da dann doch die Erhöhung der Sicherheit.

  • Ihr Beitrag ist wichtig, wenn er als spezifisches Problem betrachtet wird (siehe Punkt 2)

    1. Mein erster Kommentar überhaupt seit dem Anschlag. Meine Regel: Eine Woche abwarten. Warum? Nach einer Woche beruhigt sich dieses allgemeine ritualisierte Diskurs-Chaos (ich meine den gesamten Journalismus) und die Sachlichkeit kehrt zurück bzw. der Qualitätsjournalismus. Ich fasse diese Woche so zusammen: Die Analyse ordnet sich dem Fazit unter und nicht umgekehrt. Ich misstraue in dieser Woche jedem Journalisten!



    2. Islamisten greifen die liberale Demokratie an. Im Prinzip ist die islamistische Perspektive eine gleichberechtigte. Für Islamisten gehört diese Identitäsgruppe zur liberalen "Ideologie" dazu, deshalb greifen sie an. Warum sehen diese sch..ß Islamisten CSD als gleichberechtigt an, wir Vertreter der liberalen Demokratie aber nicht? Warum sagen wir nicht, es ist ein Angriff auf die liberale Demokratie? Würden wir es so betrachten, dann würden wir auch diese Gruppe als gleichberechtigt ansehen, indem wir aber diesen Anschlag spezifisch betrachten, schließen wir eine Gleichberechtigt aus. Die Perversion: Die Islamisten sind weiter als wir liberalen.

    • @c. F:

      Ihr Schluss, die Islamisten würden CSD als irgendwie gleichberechtigt ansehen und sie seien deshalb weiter als wir, ist offensichtlich abwegig.