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Feuergewitter in SüdwestfrankreichDer Feind der Feuerwehr

In der Gironde kämpfen Einsatzkräfte unentwegt gegen die großen Waldbrände. Dabei haben sie einen gefährlichen und noch unbekannten Gegner.

Rudolf Balmer

Aus Paris

Rudolf Balmer

Im Südwesten Frankreichs haben Einsatzkräfte den Kampf gegen den riesigen Waldbrand nahe Bordeaux fortgesetzt – allerdings bereitet ihnen das Wetter zusätzliche Schwierigkeiten. Für Mittwoch wurden im Département Gironde Temperaturen von bis zu 42 Grad erwartet, was die Trockenheit in der Region verschärfen und neuen Flammen den Boden bereiten könnte. Vorhergesagte Winde drohen Fortschritte der Löschkräfte zunichtezumachen. Und: Zuletzt sorgte das Feuer mit sogenannten Feuergewittern selbst für zerstörerisches Wetter.

In Kalifornien und Australien wurde das meteorologische Phänomen Pyrocumulonimbus in den letzten Jahren bei den Megawaldbränden beobachtet. In der Gironde hingegen sind die kilometerhohen Feuerwolken, die bei den Flächenbränden entstehen und dann selbst für deren rasche und unvorhersehbare Ausbreitung sorgen, völlig neu.

Feuergewitter stellen die Feuerwehrleute, die unentwegt gegen die Brände kämpfen, vor enorme Probleme. Sie werden als Grund dafür angegeben, dass nach rund 10 Tagen Brandherde im Westen von Bordeaux noch immer nicht unter Kontrolle sind. Immer wieder brechen sporadisch, manchmal gewaltig Feuer aus.

Was dabei passiert, erklärt der Forscher Jean-Baptiste Filippi, Leiter des Studienprogramms Fire Caster, in der französischen Zeitung Le Monde: „Das Feuer bildet sich seinen eigenen Wind, und dies mit vervierfachter Kraft und Geschwindigkeit.“

„Mit Kraft auf die Glut blasen“

Es entstünden Windsäulen, die brennende Zweige in die Höhe saugen und sogar Bäume ausreißen. „Die lassen die Windsäulen dann 100 oder 200 Meter entfernt fallen, wo sie neue Feuer entfachen.“ Auch bilden sich Wirbel, die eine mit der eines offenen Kamins vergleichbare Wirkung haben: „Das ist, als wenn man mit wahnsinniger Kraft in die Glut blasen würde.“

Das Feuer schafft sich seine eigenen günstigen Wetterbedingungen

Christophe Chantepy, Nationales Forstamt (ONF)

Einige der Feuerwolken können selbst eigene Blitze auslösen: Durch die Hitze des Brandes schrauben sich Rauchsäulen so weit nach oben, dass sich in der Höhe Eis bildet. Hohe elektrische Spannung entlädt sich, ähnlich einem normalen Gewitter, als Blitz – der kann wiederum neue Brände auslösen.

Weltweit erhöht die Klimakrise die Waldbrandgefahr. Bei schwereren Waldbränden können auch Feuergewitter häufiger auftreten. Relativ feuchte Winter lassen viel wachsen. Das trocknet in immer längeren Trockenperioden im Sommer gefolgt von extremer Hitze aus. Die Folge: viel leicht brennbares Material.

Und: Feuergewitterwolken können die Klimakrise ihrerseits weiter anfachen. Rußpartikel werden in die oberen Schichten der Atmosphäre geschleudert, dort tragen sie dann zur Erwärmung der Luftschichten bei.

Feuergewitter sind unberechenbar

Im Kampf gegen die Feuersbrunst nahe Bordeaux sind Feuergewitter ein unberechenbarer Gegner. „Das ist gefährlich, weil sich so das Feuer seine eigenen günstigen Wetterbedingungen schafft“, sagt Christophe Chantepy vom Nationalen Forstamt (ONF). Konkret hatte das zur Folge, dass die Einsatzkräfte den Brand an einer Front praktisch unter Kontrolle hatten. Aber dann entstanden plötzlich an unerwarteten Orten neue oder wegen der im Boden weiterschwelenden Glut wiederentfachte Brände.

Gleich mehrfach sei dieses „unglaubliche, unerwartete und bislang unbekannte Phänomen“ der Pyrocumulonimbus in der Gironde aufgetreten, betonte die Präfektin Sophie Brocas als Repräsentantin der Zentralregierung vor Journalist*innen.

Da die Behörden in dieser Region mehr als 200.000 Menschen evakuieren mussten und nicht verhindern konnten, dass allein in der Gironde mehr als 40.000 Hektar mit 260 Häusern zur Beute der Flammen wurden, geraten sie unter Druck. Solidarität und Bewunderung genießen dagegen die Feuerwehrleute und ihre freiwilligen Hel­fe­r*in­nen. In den letzten Tagen sind im Kampf gegen die Waldbrände in mehreren Gegenden Frankreichs bereits vier Feuerwehrmänner gestorben.

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