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Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen Das Zeitalter der elektronischen Kriegsführung

Tanja Tricarico

Kommentar von

Tanja Tricarico

Und jetzt? Bitte kein Kompetenzgerangel zwischen Zuständigkeiten, kein hektisches Freigeben von Kompetenzen. Aber vor allem bitte: keine Panik!

E inen besseren Zeitpunkt hätte es vermutlich kaum geben können. Die Republik kämpft müde gegen die Hitze, endlich sind im ganzen Land Sommerferien. Und ausgerechnet jetzt wird eine Drohne mit Sprengsatz auf dem Leipziger Flughafen gefunden. Da muss sogar der Innenminister seinen Italien-Urlaub unterbrechen.

Alexander Dobrindt greift gleich tief in den politischen Phrasenkasten und spricht von einem „hybriden Anschlagsszenario“. Ja, der Fall ist ernst zu nehmen, und ja, es ist ein Glück, dass der Sprengsatz nicht hochging. Dobrindts Gerede von den „fremden Mächten“, die vermutlich dahinterstecken könnten, sorgt aber nicht wirklich für einen rationalen Umgang mit dem Flugobjekt, auf dem Territorium einer kritischen Infrastruktur.

Lange rangen Bundesregierung und Parlament um ein Gesetz, das den Schutz von Flughäfen, von Energieversorgern, von Bahnstrecken – eben allem, was zur kritischen Infrastruktur der Republik gehört, stärken sollte. Nach etlichen Verzögerungstaktiken – übrigens seitens der Union – kam es schließlich zum Kritis-Dachgesetz.

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Demnach sollen vor allem die Betreiber für mehr Schutzmaßnahmen sorgen – wie das genau funktionieren kann, bleibt in vielen Fällen offen oder unklar. Zugleich gründete Dobrindt weitere Abwehrzentren und Krisenzentralen, um sich der Abwehr von Drohnen anzunehmen.

Doch ausgerechnet am Flughafen Leipzig wurde diese Art der Drohnen gar nicht bemerkt. Immerhin soll jetzt ganz schnell nachgerüstet werden mit Geräten zur Drohnenabwehr. Also bis spätestens Ende des Jahres, wenn man den Aussagen des Bundesluftfahrtverbands glauben darf.

Ein Blick gen Osten hätte genügt

Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass der Leipziger Drohnenfund offenbar immer noch für Überraschungen sorgte. Dabei hätte ein Blick in den Osten oder Nordosten Europas genügt. Dort kommt es seit Monaten zu Drohnensichtungen, sogar Nato-Kampfjets mussten in Estland und Lettland zwei Flugobjekte abschießen.

Vermutet wird, dass die russische Armee ukrainische Drohnen auf dem Weg zu militärischen Zielen in Russland digital vom Weg abkommen lässt und auf Nato-Territorium lenkt. Wir sind im Zeitalter der elektronischen Kriegsführung angekommen. Und die macht nun mal auch nicht vor Deutschland halt.

Und jetzt? Bitte kein Kompetenzgerangel zwischen Zuständigkeiten, bitte kein hektisches Freigeben von Kompetenzen an etwa die Bundespolizei, die dann Drohnen im Notfall gleich abschießen darf. Aber vor allem bitte keine Panik! Mehr Realitätssinn und Bewusstsein für die Zeichen der Zeit.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Tanja Tricarico

Tanja Tricarico ausland

Schreibt über Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, früher auch Digitalisierung. Host der Fernverbindung, dem Auslands-Podcast der taz. Privat im Einsatz für www.geschichte-hat-zukunft.org
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23 Kommentare

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  • Okti

    Mehr Realitätssinn würde auch bedeuten, daß mensch anerkennt, dass wir uns schon länger im Krieg mit Russland befinden. Ein Verschieben der Verantwortung des Schutzes kritischer Infrastruktur auf die einzelnen Betreiber ist nicht nur so dumm, wie man es von der inkompetenten Union kennt, sondern auch fahrlässig, wie Leipzig nun wiederholt zeigt. Landesverteidigung ist nicht die Aufgabe von Wirtschaftsunternehmen.

  • Ahnungsloser

    Die Russen sind federführend bei den Themen Jamming und Spoofing. Diese nutzen sie nicht nur im Angriffskrieg gegen die Ukraine, sondern auch gegen westliche zivile Flugzeuge.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    "Dobrindts Gerede von den „fremden Mächten“, die vermutlich dahinterstecken könnten, sorgt aber nicht wirklich für einen rationalen Umgang mit dem Flugobjekt, auf dem Territorium einer kritischen Infrastruktur."

    Statt großer politische Erklärungen sollte man sich mal darauf konzentrieren, die Täter zu fassen. Ist ja nicht der erste Vorfall mit Drohnen. Mir ist nicht in Erinnerung, dass da mal jemand gefasst wurde. Die Kurzstreckendrohnen kommen ja nicht direkt aus Russland.

    Zusätzlich sollten die Verantwortlichen mal in sich gehen und überlegen, ob es wirklich verantwortungsvoll ist, Flugzeuge mit Munition über ein ziviles Drehkreuz zu leiten. Das muss doch auch über Militärflugplätze gehen. Schließlich gibt es nicht nur Drohnen. Auch Unfälle können passieren.

    "Wir sind im Zeitalter der elektronischen Kriegsführung angekommen."

    Na ja. Das ist jetzt etwas spät. Elektronische Kriegsführung gab es schon im 2. Weltkrieg.

    • zartbitter

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Erst verifizieren und dann schreiben



      ==



      Mitglieder des Bundestages / Abgeordnete aus den Ausschüssen ""Inneres und Verteidigung"" haben neben dem Innenminister unmissverständlich klargestellt, dass sich keine Munition in der Maschine befunden habe. Darüber hinaus hat Merz klar gemacht das Russland kein Motiv gehabt hätte die ukrainischen Maschinen anzugreifen.



      =



      Hintergrund und Übersetzung der Ansage von Merz:



      Russische Vertreter des Regimes in Moskau haben in den vergangenen Tagen erneut erklärt, dass sie auch Ziele außerhalb der Ukraine als legitime militärische Ziele betrachten könnten, wenn diese nach russischer Auffassung direkt an Angriffen auf Russland beteiligt seien. Dazu gehören in russischen Verlautbarungen unter anderem Produktions-, Logistik- oder Umschlagseinrichtungen in Staaten, die Waffen für die Ukraine herstellen oder liefern.



      =



      In WW2 gab es Funkwellen, Radarsignale und Navigationsstrahlen die gegen einen offen agierenden Feind eingesetzt wurden - clandestine hybride Angriffe in der Bedeutung zwischen kriegerischen Attacken und reinen Terroaktionen unterstützt durch Cyberangriffe gab es natürlich nicht.

  • TOM1976

    „ Lange rangen Bundesregierung und Parlament um ein Gesetz, … von Bahnstrecken – eben allem, was zur kritischen Infrastruktur der Republik gehört, stärken sollte.“

    Ich lach mich schlapp. Vor den Saboteuren in den Reihen der CSU konnte man die Infrastruktur in den letzten Jahrzehnten auch nicht schützen.

  • StefanMaria

    Es geht hier um Verteidigung und da ist die zeit auch für Pazifisten eine andere Welt geworden. Natürlich ist das schwierig, die kleinen Dinger zu entdecken, aber es geht.



    Und da kann doch Deutschland mit der Ukraine zusammen gute DInger entwickeln..



    ich denke, dass Dobrindt einfach der falsche Mann ist und die falschen Lösungsmöglichkeiten präferiert und bestimmte Zuständigkeits- oder Berufsgruppen schützen will.



    Habeck hats doch auch gekonnt, ökologisch katastrophal ganz schnell diese Dinger da im Norden ins Meer zu setzen.



    Wir gedenken der Schweinswale



    Wer die eigene Ideologie überwindet kanns, die Grünen konntens, die Linken hoffentlich auch, Dobrindt kanns nicht,.

  • Kohlrabi

    Die technische Seite ist das eine. Die andere Frage aber ist: Trifft es zu, dass ukrainische Frachtflugzeuge Rüstungsgüter bis hin zu Munition über zivile deutsche Flughäfen ins Kriegsgebiet transportieren? So wie hier bei der Tagesschau anklingt:

    www.tagesschau.de/...d-leipzig-100.html

    Haben deutsche Behörden das ausdrücklich genehmigt, oder schaut man da nicht so genau hin? Wer ist dafür verantwortlich, und soll an dieser Praxis festgehalten werden? Der eigentliche Skandal scheint mir weniger darin zu liegen, dass man zivile Flughäfen momentan nicht ausreichend vor Drohnen, Quadrokoptern etc. schützen kann. Sondern darin, dass man sie in Kenntnis dessen zu logistischen Knotenpunkten eines Krieges macht (oder dies zulässt).

    • Sam Spade

      @Kohlrabi:

      Viele große zivile Flughäfen sind meist auch Umschlagplätze für Militärgüter und sonstige Gefahrengüter. Und selbstverständlich werden die Behörden darüber in Kenntnis gesetzt, geht aus dem verlinkten Tagesschauartikel auch deutlich hervor.

      Es ist auch das gute Recht Deutschlands der angegriffen Kriegspartei beizustehen und ihr zu gestatten Militärgüter von deutschen Boden aus ins Kriegsgebiet zu überführen. Das ist vom Völkerrecht gedeckt und macht Deutschland noch lange nicht zur Kriegspartei.

  • Axel Schäfer

    Fatal ist auch, dass damit auch "Spezialisten" aus der Union und hier besonders fatal der CSU betraut wurden, die ja erstmal lustige Pöstchen schaffen und Gelder nach Bayern verschieben um schöne Bilder zu erzeugen und zu allerletzt auch etwas zur Problemlösung beitragen.



    Bezeichnend und peinlich wie sich der sächische Innenminister da gestern präsentiert hat, labert von der tollen Drohnenabwehr, obwohl ja wohl ein Busfahrer die Drohne mit einem Besen oder so erlegt hat und tut so als würde er sofort ins Gefängnis kommen wenn er den nicht unbegründeten Verdacht äußert der Vorfall ginge auf das Konto Russlands.



    Das war wirklich zum Schämen. Bürokratie und Instagram Videos hüftsteifer Unionspolitiker sind sicher nicht die Lösung.

  • test_name

    >Dobrindts Gerede von den „fremden Mächten“, <



    .



    Liegt doch nahe, dass Putin den militärischen Nachschub für die Ukraine unterbinden will. Vielleicht ist es ja auch nur eine Drohung um in d Panik zu erzeugen.



    .



    Solange Putin lebt ist die Bedrohung für uns real.

  • Machiavelli

    Keine Panik, nein nüchtern schnell entscheiden. Gedetze ändern Bundeswehr auch im Friedenszeiten im Inland einsetzen. Bundespolizei Militarisieren und mit 500 Boxern Skyranger ausrüsten. Gesetze verschärfen.

  • Il_Leopardo

    Wie man Bahnstrecken - es geht um Tausende von Kilometern - besser schützen will, ist mir ein echtes Rätsel. Eine kleine Bombe auf einer ICE-Trasse zur rechten Zeit zur Explosion gebracht - im regulären Betrieb zwischen 200 km/h und 330 km/h schnell - und schon wäre die Katastrophe da. Immerhin bietet so ein ICE-Zug je nach Baureihe zwischen 562 und 918 Sitzplätze.

  • Ignaz Wrobel

    Die Kommentatorin vergleicht den Stellenwert russischer Drohnen, die im Grenzgebiet zur Ukraine vermutlich als von den Russen tolerieren Kollateralschaden niedergehen mit dem einer sichtlich gezielt am Leipziger Flughafen platzierten Drohne mit Sprengstoff. Letzteres hat aber eine ganz andere Bedeutung. Und, sollte sich Russland oder dessen Kollarobateure als Drahttzieher herausstellen, schafft das natürlich eine neue Bedrohungsqualität, die durch Ignorieren nicht besser werden wird.



    Es wäre aufschlussreich von der Kommentatorin zu erfahren, welche " Zeichen der Zeit" es sind, von denen sie spricht und welche Handlungen ihrem "Realitätssinn" angemessen wären.

  • Flocke

    Nicht einfach, wenn man als taz immer das Haar in der Suppe sucht, eigentlich nicht findet und trotzdem die Zeilen im linken Sinn füllen muss:

    Die zu Beginn geäußerte Kritik an Dobrindt ( Urlaub abgebrochen, Gerede von fremden Mächten) relativiert sich dann am Schluss in einem einzigen Satz „Wir sind im Zeitalter der elektronischen Kriegsführung angekommen. Und die macht nun mal auch nicht vor Deutschland halt.“ relativiert.

    Ist es wirklich so schwer anzuerkennen, dass hier vieles richtig gelaufen ist und der zuständige Minister einfach seinen Job verantwortungsvoll ausübt?

  • Thomas Müller

    Wenn das Ablenken ukrainischer Drohnen möglich ist, warum machen das die Russen nicht mit denen, die ihre Raffinerien zerstören?

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Thomas Müller:

      Macht man auch. Aber es gibt einen ständigen Wettlauf zwischen der Technik beider Seiten. Zur Zeit scheinen die russischen Störsender gerade nicht viel zu bringen. Das kann sich aber jede Woche ändern.



      Allerdings wird keine Kriegspartei Details in die Öffentlichkeit posaunen...

    • festus

      @Thomas Müller:

      Prioritäten: Russland hat noch weniger passende Störsender als Flugabwehr und schon die sichert eher Putins Paläste,

    • Thomas Böttcher

      @Thomas Müller:

      Weil das bei einzelnen Drohnen funktioniert, aber nicht bei 200 - 400 , die die Ukraine regelmäßig zu Raffinerien und jetzt zu Wildberris schickt. Es kommen immer wenigstens 10 - 20 durch.

    • Machiavelli

      @Thomas Müller:

      Das geht schon aber die einzige wirkliche Sicherheit bietet die gute alte flak. Ist halt teuer weil personalintensiv und es gibt kollateralschäden aber darauf läuft es hinaus. Alle wichtigen Ziele in Deutschland werden mit 20-30mm flak Geschützen beschützt. Automatische geschütztürme, nahe Kraftwerken, regierungsgebäuden und Flughäfen die Drohnen abschießen.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Machiavelli:

        Automatische Geschütztürme am Flughafen. Möglichst noch mit Software von Rheinmetall.



        Gut, dass ich möglichst nicht fliege...

    • Axel Schäfer

      @Thomas Müller:

      Scheinbar ja wohl eine Frage der Menge, je mehr man schickt um so mehr kommen durch. Die Abwehr funktioniert ja selbst bei ambitionierten mehrstufigen Systemen wie dem israelischen Iron Dome, der ja jetzt auch nur eine in Relation zu Russland/Ukraine kleine Fläche abdecken muss nur zu einem gewissen Prozentsatz.

    • Gerald Müller

      @Thomas Müller:

      weil Russland ziemlich groß ist, ums mal mit Zahlen zu belegen: die russische Föderation hat eine Landfläche von 17.1 Mio Quadrtakilometer, die geamte europäische Union hat 4.2 Mio km2. Also weniger als ein Viertel. Man muss also alles von Hammerfest bis Catania, von Warschau bis Lissabon schützen, und das alles mal vier. allerdings scheinen die Russen beim Schutz der Raffinerien Fortschritte zu machen so dass die UA auf andere Weichziele wie online-Versandhändler ausweichen muss.

      • Machiavelli

        @Gerald Müller:

        Sie haben das mit den weichen Zielen jetzt schon zweimal gepostet aber sie posten hier entweder wissentlich oder unwissentlich falschinformationen:

        **Liste der getroffenen russischen Ölraffinerien und Rüstungsfabriken (ca. 24. Juli – 7. August 2026):**

        **Ölraffinerien:**



        - 25. Juli – Tyumen-Raffinerie – Ölraffinerie



        - 27. Juli – Slavneft-YANOS (Jaroslawl) – Ölraffinerie



        - 29. Juli – Rjasan-Raffinerie (Rosneft) – Ölraffinerie



        - 29. Juli – Lukoil-Permnefteorgsintez (Perm) – Ölraffinerie



        - 31. Juli – Lukoil-Wolgogradneftepererabotka (Wolgograd) – Ölraffinerie



        - 6. August – Slavneft-YANOS (Jaroslawl) – Ölraffinerie (erneuter Angriff)



        - 6. August – Bashneft-Novoil (Baschkortostan) – Ölraffinerie

        **Rüstungsfabriken / Verteidigungsindustrie:**



        - 24./25. Juli – Avitek-Werk (Kirow) – Rüstungsfabrik



        - 27./28. Juli – Priority-Kombinat (Borok, Udmurtien) – Rüstungsfabrik



        - 31. Juli – Flugzeugwerk Jewpatorija (besetzte Krim) – Rüstungsfabrik / Flugzeugwerk

        Wie sehen werden nicht nur weichen ziele getroffen. Daneben wurde wieder ein Haufen fflugabwehrsysteme und die russischen Logistik getroffen.