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US-Streit mit der EUTrumps Freunde kaufen den Balkan auf

Der US-Präsident macht Geschäfte mit seiner Familie und mit Bekannten. Damit kommt er Plänen der EU und europäischen Energiegesetzen in die Quere.

LNG in Krk, powered by the Trump clan Foto: Wolfgang Simlinger/imago

„Präsident Trump eröffnet eine neue Ära der Kooperation mit Südost- und Osteuropa“, lobte US-Energieminister Chris Wright am Rande eines Treffens der Drei-Meere-Initiative in Dubrovnik Ende April seinen Chef. Die Anti-Korruptions-NGO Transparency International warnt indes vor „einem gefährlichen Präzedenzfall“ und „einer Beeinträchtigung des öffentlichen Interesses durch die Begünstigung bestimmter Interessen“. Die EU-Kommission droht dem Kandidatenland Bosnien-Herzegowina, dass seine Betrittschancen kleiner werden könnten.

Was war geschehen? Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic und die Regierungschefin von Bosnien-Herzegowina, Borjana Krišto, hatten den Anschluss Bosnien-Herzegowinas an das Flüssiggasterminal auf der kroatischen Insel Krk verkündet. Dort wird zumeist verflüssigtes Erdgas (LNG) aus den USA angelandet. Und aus den USA stammen auch die Investoren: AAFS Infrastructure and Energy will die Milliardeninvestition für die Pipeline stemmen.

Hinter AAFS stehen der Anwalt Jesse Binall, der Trumps Behauptung des Wahlbetrugs vor Gericht gebracht hatte, und Joe Flynn. Dieser ist ebenfalls Trump-Anwalt und Bruder von dessen früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn. Die LNG-Röhre soll anstatt des bisher über Serbien gelieferten russischen Erdgases US-LNG nach Bosnien bringen.

„AAFS ohne Ausschreibungsverfahren direkt zu beauftragen, umgeht nicht nur EU-Vorschriften“, sagte Pippa Gallop, Energieexpertin der NGO Bankwatch, der taz. Die Vereinbarung sei „ein großer Fehler, nicht nur im Hinblick auf die Beziehungen zur EU, sondern auch in Bezug auf die Kosten für die Steuerzahler“. Bosniens Gaskonzern BH Gas war durch den Deal ausgebootet worden.

Widerstand kann funktionieren

Für die Vergabe des Pipelineprojekts an die Trump-Freunde wurde extra das betreffende Gesetz geändert. Die EU fordert zwar, dass Beitrittskandidaten russische Energielieferungen beenden. Aber bei Infrastrukturprojekten muss zugleich sichergestellt sein, dass es nicht nur Zugang für einen einzigen Lieferanten gibt.

Die LNG-Röhre ist nicht das einzige AAFS-Vorhaben in der Region, Projekte für 1,5 Milliarden US-Dollar sind in Planung. Auch die Immobilienfirma von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ist in der Region aktiv. Umweltschutz- und Menschenrechtsgruppen haben aber vorerst ein Adria-Luxusresort in Albanien und den ersten Trump-Tower in der serbischen Hauptstadt Belgrad gestoppt.

Albanien hat einen 20 Jahre lang laufenden Flüssiggas-Deal mit Aktor LNG USA abgeschlossen und plant mit US-Unternehmen Groß-Investitionen in den Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. EU-Mitglied Kroatien will sogar 50 Milliarden Euro umfassende KI-Investitionen aus den USA anlocken. Trumps Sohn Donald Jr. War zudem kürzlich auf Einladung von Igor Dodik in Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska.

Nach Russland und China hat nun auch die US-Regierung den weißen Fleck mitten in Europa entdeckt.

Der dortige Langzeitherrscher Milorad Dodik, der diese serbische Teilrepublik aus der Föderation Bosnien-Herzegowina herauslösen will, musste sein Amt an einen Vertrauten abgeben. Danach hat Vater Trump die von der Vorgängerregierung unter Joe Biden verhängten Sanktionen gegen ihn aufgehoben. Nun sollen US-Firmen – wie der Baukonzern Bechtel – umstrittene Bauvorhaben im Separatistengebiet umsetzen.

Der Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt (CSU), hatte am Montag im Streit mit den USA seinen Abgang angekündigt. Die EU lässt die Staaten des Westbalkans bereits seit Jahrzehnten auf einen Beitritt warten. Derweil haben sich dort vor allem Unternehmen aus Russland, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten breit gemacht. Nun hat die US-Regierung den „weißen Fleck“ mitten in Europa entdeckt. Und Gallop mahnt die EU, „schneller zu handeln und klare, öffentliche Erklärungen“ zu Rechtstaatlichkeit abzugeben. „Sonst werden US-Unternehmen nicht zögern, dies auszunutzen“, so die Aktivistin.

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8 Kommentare

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  • wie wäre es mal mit einem Artikel darüber dass die Amis Grönland kaufen? Und dabei ihre Versorgung mit Seltenen Erden sichern? Siehe Tanbreez Project, Critical Metals Corp. Wogegen die Europäer da anscheinend wegschauen oder das ganze nicht sehen wollen oder können oder zu sehr auf Trump schauen der sich gerade in China befindet?

  • Das Schmidt sich zurück zieht zeigt die schwache Position Deutschlands und der EU auf dem Balkan. Die Staaten sind schwach und von Korruption durchsetzt. Die USA versuchen ihren Vorteil aus dem sanktionierten Russland zu ziehen und sich dort zu positionieren. Allen voran die Clique um Präsident Trump. Es gibt langfristige Pflöcke einzuschlagen und viel Geld zu verdienen. Über Moral müssen wir da nicht diskutieren. So etwas gibt es da nicht.

  • Vielleicht verstehen alle EU-Länder nun langsam, dass wir zusammenhalten sollten. Ich meine da auch immer Deutschland, das sich damals unter Merkel für die großen Finanz-Banken und gegen die griechischen Wahlen entschied oder Frankreich nicht mal die kalte Schulter zeigte. Eine deutsche starke Stellung in der EU heißt zunächst immer zuhören.

  • Solches verhalten ist abstossend, und höhlt die Demokratie aus. Lange Zeit war es Konsens unetr demokratischen Kräften, so etwas strikt zu unterbinden. Umso unverständlicher dass die CDU Jens Spahn immer noch in einer hohen Position beläßt, trotz Maskenaffäre. Auch dass eigentlich alle Parteien das Treiben ihrer Abgeordneten im EU Parlament (im Bezug auf Vergütungen usw.) dulden ist ein großer Fehler.

  • Bei den Trumps und dem Umfeld geht es ja eher schon um organisierte Kriminalität. Mit den deutschen Gesetzen die ja dank der neoliberalen Parteien und der Geldwäsche- und Steuerhinterziehungslobby besonders lasch sind braucht man auf EU-Ebene erst garnicht die Stimme erheben.

  • Was bei der „klassischen“ Mafia mehr oder weniger im Verborgenen ablief, geschieht unter Trump ganz schamlos in aller Öffentlichkeit. Trump agiert doch schon immer wie das Abziehbild eines Paten, was bei seiner geschäftlichen Vergangenheit auch nicht weiter verwundert.

    • @Flix:

      Ich habe immer gehört, dass die Deutschen neidisch seien und im Gegensatz dazu die Amerika gönnen können und Erfolg im hohen Maß bewundern.



      Wo hört denn das Gönnen und Bewundern auf und wo fangen Dummheit, Opportunismus und Komplizenschaft an?

    • @Flix:

      Vielleicht wären die Gesetze ausreichend, würden sie auch mal angewendet.