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Elterngeldpläne der BundesregierungHerdprämie für Männer

Tobias Schulze

Kommentar von

Tobias Schulze

Familienministerin Prien hat strenge Sparvorgaben beim Elterngeld. Wie sie damit umgeht, ist klug und nützt der Gleichstellung von Mann und Frau.

Männern bliebe mehr Zeit, in der Vaterrolle anzukommen Foto: Julia Sjöberg/plainpicture

E s ist nicht alles schlecht in dieser Bundesregierung. Wie Familienministerin Karin Prien mit der Sparvorgabe fürs Elterngeld umgeht, ist zumindest okay. Im Detail ist zwar noch nicht klar, wie die CDU-Politikerin die Leistung umgestalten möchte. Zwei Eckpunkte lässt sie aber schon durchblicken, zuletzt am Dienstag im Deutschlandfunk. Im Zusammenspiel sind sie richtig.

Erstens soll der Staat nicht mehr das volle Elterngeld zahlen, wenn sich ein Paar die Kinderbetreuung nicht annähernd gleich aufteilt. Bisher reicht es, wenn beide Part­ne­r*in­nen mindestens zwei Monate zu Hause bleiben. Das führt in der Praxis dazu, dass der Großteil der Väter wirklich nur für diese zwei Monate in Elternzeit geht, während sich die Mütter für ein Jahr oder länger in Vollzeit um den Nachwuchs kümmern.

Hebt die Regierung die Mindestdauer an, könnte das Elterngeld endlich sein komplettes Gleichstellungspotenzial ausspielen: Frauen würden nach der Familiengründung schneller in den Job zurückkehren und seltener in Abhängigkeit von ihren Männern landen. Männern bliebe mehr Zeit, in der Vaterrolle anzukommen, ihre Babys selbstständig versorgen zu lernen und die Basis für eine gute Beziehung zum Kind zu legen. Natürlich stünde es Eltern frei, auf diese Vorteile zu verzichten. Dann müssten sie dafür eben auch selbst bezahlen.

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Zweitens will Prien das so gesparte Geld nicht nur einsetzen, um den Haushalt zu sanieren. Einen Teil davon will sie auch dafür verwenden, den Mindest- und den Höchstsatz des Elterngeldes zu erhöhen. Das ist schon in der Sache angebracht, weil die Beträge seit der Einführung der Leistung vor zwei Jahrzehnten nicht angepasst wurden. Die Kopplung strengerer Regeln an höhere Sätze ist aber auch politisch klug. Die Ministerin könnte sich damit den Rückhalt der Betroffenen sichern.

Nicht nur als Haushaltsstopfer

Wer umgekehrt das Richtige nicht macht, weil es richtig ist, sondern in erster Linie, um Haushaltslöcher zu stopfen, wird diesen Rückhalt nicht bekommen. Schlimmer noch: Er diskreditiert auch noch die vermeintliche Intention. Der Gleichstellung ist sicher nicht gedient, wenn die Bevölkerung sie nur als Vorwand für Entbehrungen wahrnimmt.

In einem ganz anderen Feld hat so etwas einst die Ampelkoalition erlebt. Als sie sparen musste, strich sie Land­wir­t*in­nen die Dieselsubvention und begründete das mit deren klimaschädlicher Wirkung. Damit brachte sie die Bauern gegen sich auf und den Klimaschutz weiter in Verruf. Hätte sie stattdessen einen Teil des Geldes in Fördertöpfe von E-Treckern gesteckt – vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen.

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Tobias Schulze
Parlamentskorrespondent
Geboren 1988, arbeitet seit 2013 für die taz. Schreibt als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen sowie Sozial- und Arbeitspolitik. Leitete zuvor das Inlandsressort.
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5 Kommentare

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  • Anscheinend haben Schwarz&Rot gerade die Frauenemanzipation entdeckt, beim Ehegattensplitting, bei der Familienversicherung, und nun auch beim Elterngeld. Wie passend, dass sie dem Staat so schön Geld einbringt :-)



    Wenn wir schon keine Reichensteuer bekommen, müssen wir eben damit Vorlieb nehmen, dass es die weniger reichen trifft.

  • Man müsste aber auch die Regelungen vereinfachen. Es gibt ja nicht nur unterschiedliches Elterngeld, sondern auch noch ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus. Dazu wird bei der Berechnung auch nicht das Netto von der Steuererklärung genommen, sondern anders berechnet. Und wieso gibt es soviele unterschiedliche Portale, wenn es doch ein Bundesinstrument ist?

    Apropo Instrument. Ein Ziel sei ja Väter an Gleichstellung heranzuführen. Gibt es eine Untersuchung dazu, ob das gelingt? Vermutlich ist ist eher so, dass eine +- gleichmäßige Aufteilung von denen genommen wird, die sowieso schon die Carearbeit teilen (unter Berücksichtigung der Einkommenslevel der Partner).

    Schwerer vorstellbar ist, dass nach einer mehr oder weniger erzwungenen längeren Elternzeit der Vater seine Einstellung ändert und sagt, ehj Kinderaufpassen, -wickeln und -füttern, das ist es! Aber wer weiss? Deshalb wäre eine Zielstudie so wichtig und nicht nur die Statistik, die nur zeigt, wie gut sich die Eltern an den Vorgaben angepasst haben.

  • "Das führt in der Praxis dazu, dass der Großteil der Väter wirklich nur für diese zwei Monate in Elternzeit geht, während sich die Mütter für ein Jahr oder länger in Vollzeit um den Nachwuchs kümmern"



    Warum soll das schlechter sein als andersrum?



    Traut man Eltern nicht zu, dass sie selber entscheiden können, wie sie die Elternzeit für sich am besten organisieren wollen?

  • Ja, das hat etwas Überzeugendes. Einen Impuls zu ähnlicherer Aufteilung der Elternzeit ist eine gute Sache. Das bisherige Modell hat lange genug unverändert so gestanden.



    Allerdings habe ich von diesen Details erst durch diesen Kommentar erfahren. Vorher war bei mir nur hängen geblieben: Beim Elterngeld soll gespart werden.



    Anders, als sich die meisten Politikerinnen und Politikberater einbilden, reagiert Menschen in ihren Entscheidungen wenig auf numerische Parameter wie Elterngeldsätze.



    Wichtig ist die Stimmung. Die Botschaft hätte lauten können: Das Elterngeld soll mehr Wert auf gleiche Aufteilung legen. Stattdessen habe ich nur gehört: Nicht einmal die Unterstützung neuer Eltern ist der Regierung noch wichtig genug. Kommt das bei (potentiell) Betroffenen genauso an? Ich fürchte ja, und das war dann von der Öffentlichkeitswirksamkeit her ein Eigentor.

  • Bei der Einführung des Elterngeldes war es das Ziel, berufstätigen Akademikern eine finanzielle Überbrückung zu gewähren und hierdurch die geringe Kinderquote in dieser Gruppe zu erhöhen. Dieses Ziel ist leider vollkommen aus den Augen geraten. Es wäre daher besser, das Elterngeld gleich ganz abzuschaffen.