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Ex-Prinz Andrew und Jeffrey EpsteinMini-Hoffnungsschimmer

Carolina Schwarz

Kommentar von

Carolina Schwarz

Die Epstein-Causa findet kein Ende. Während Täter in den USA scheinbar keine Strafen fürchten müssen, funktioniert Europas Justiz noch einigermaßen.

Ein Fahrzeug hält vor der Einfahrt zum königlichen Anwesen, wo zuvor Andrew Mountbatten-Windsor residierte Foto: Jaimi Joy/Reuters

A ndrew Mountbatten-Windsor wurde festgenommen. Endlich Konsequenzen im Zusammenhang mit dem Skandal um Jeffrey Epstein möchte man meinen. Denn der verurteilte Sexualstraftäter selbst ist tot, doch alle Mitwisser und -täter, die Teil des Missbrauchrings gewesen sein sollen, sind auf freiem Fuß. Die einzige Person hinter Gittern ist eine Frau: Ghislaine Maxwell.

Dieser Umstand wird nicht nur von den Überlebenden zurecht skandalisiert. Viele haben das Gefühl, sie können sich auf die Justiz in den USA nicht verlassen. Das zuständige Ministerium hatte kurz nach der Veröffentlichung der Akten verkündet, dass es zu keinen weiteren strafrechtlichen Ermittlungen kommen würde. Hierfür gäbe es schlicht zu wenig Anhaltspunkte. Ein Schlag ins Gesicht aller Opfer. Deswegen sind Ermittlungen in Europa für sie ein Hoffnungsschimmer.

Wie jetzt die gegen den ehemaligen Prinzen Andrew. Er hatte bislang alle Vorwürfe gegen sich zurückgewiesen. Die Ziviklage durch Virginia Giuffre, die ihn beschuldigte, sie mehrmals (auch als Minderjährige) missbraucht zu haben, endete im Vergleich. Nun gibt es erneut Ermittlungen gegen Mountbatten-Windsor, allerdings wegen des „Verdachts auf Amtsmissbrauch“. Er soll sensible Informationen an Epstein weitergeleitet haben. Es sind also ausdrücklich keine Ermittlungen wegen sexualisierter Gewalt, doch immerhin geht die Strafverfolgung ihrem Job nach.

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In Europa tut sich deutlich mehr als in den USA. In Norwegen trat die ehemalige Botschafterin Mona Juul zurück, die Häuser des Ex-Regierungschef Thorbjørn Jagland wurden durchsucht, Kronprinzessin Mette-Marit musste sich öffentlich entschuldigen. Auch in Frankreich gehen die Behörden verschiedenen Fällen nach. In Großbritannien ist es nicht nur Mountbatten-Windsor, der Konsequenzen fürchten muss, auch der britische Premierminister Keir Starmer gerät unter Rechtfertigungsdruck. Kleine Schimmer, doch echte Hoffnung gibt es erst, wenn Ermittlungen gegen alle mächtigen Männer in Gang gesetzt werden, die in den Akten auftauchen. Egal in welchem Land.

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Carolina Schwarz
Ressortleiterin taz zwei
Ressortleiterin bei taz zwei - dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Schreibt hauptsächlich über intersektionalen Feminismus, (digitale) Gewalt gegen Frauen und Popphänomene. Studium der Literatur- und Kulturwisseschaften in Dresden und Berlin. Seit 2017 bei der taz.
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9 Kommentare

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  • Ja, aber was ist denn mit Trump?



    Trump war auch mit Epstein befreundet und hat da genau das gemacht was auch EX-Prinz Andrew vorgeworfen wird.

    Der Fall Trump ist eigentlich noch viel schlimmer, Trump ist Präsident der USA, einer Atommacht und verurteilt wegen Vergewaltigung



    ++Gericht bestätigt Trump-Verurteilung Quelle: www.tagesschau.de/...taetigt-100.html++



    ++2023 ist der künftige US-Präsident wegen sexuellen Missbrauchs der US-Autorin Caroll zu einer Millionenentschädigung verurteilt worden. Trump ging in Berufung - doch ein US-Bundesgericht hat das Urteil nun bestätigt.++

    • @udo123:

      Ja, was ist denn wohl mit Trump?



      Ein Verbrecher wurde angeblich demokratisch, legal und ehrlich von einem Volk zum Präsidenten gewählt.



      Wenn das so stimmt: Ja, was ist denn wohl mit den Amerikanern?

  • Ja. Es tut sich wenigsten etwas. Aber der Vorgang zeigt auch, dass die Justiz in England die Weitegabe von ein paar Papieren schwerer nimmt, als den Missbrauch von Minderjährigen.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Beides ist schlimm, der Geheimnisverrat ist dabei deutlich klarer nachweisbar und, wenn die Aktenlage stimmt, ist kein Herausreden möglich.



      Der _politische Skandal ist tatsächlich auch eher, dass man sich exklusive Information und Vertraulichkeit mit Milliardenwert so mal eben kaufen konnte.



      Wir müssen aus dem Selbstbedienungs-Neofeudalismus des Großen Gelds rasch raus.

      • @Janix:

        Sind Anstrengungen der britischen Justiz bekannt, die Vorwürfe des Missbrauches aufzuklären? Sie stehen seit Jahren im Raum.

  • Die Untersuchungen gegen den Prinzen erfolgen nur wegen Geheimnisverrates, aber nicht wegen Kindesmissbrauchs, oder Menschenhandel und Versklavung. Ein nettes Ablenkungsmanöver um die richtig großen "Fische" davonschwimmen zu lassen. Wenn die europäischen Staatsanwaltschaften ernstes interesse an einer Aufklärung hätten würden ganz andere Dinge passieren. Die Milliardäre haben die Justiz fest in der Hand. Seltsam warum die vielen Opfer, die auch aussagen würden, dies aber nicht tun, da das Vertrauen in die Justiz nicht mehr vorhanden ist. Eigentlich ein einfacher Weg für Anklagen, bei so vielen noch lebenden Opfern.



    Wie wäre es mit einer Kronzeugenregelung?

  • Der Fall Jeffrey Epstein ist das hässlichste Denkmal einer verrotteten Elite, die sich über jedes Gesetz erhaben fühlt. Dass ein Milliardär über Jahrzehnte ein globales Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger betreiben konnte, ohne dass die US-Justiz eingriff, ist kein Versehen – es ist Komplizenschaft. Hier zeigt sich die Fratze einer Oligarchie, in der Geld als Freibrief für schwerste Verbrechen dient.



    ​Erschreckend sind die Parallelen zur systematischen Vertuschung in den christlichen Kirchen. Ob im Vatikan oder bei US-Evangelikalen: Das Muster ist identisch. Man schützt die Institution, während man Opfer zum Schweigen bringt. Die moralische Arroganz, mit der Kirchenvertreter Wasser predigen und Wein saufen, findet ihre Entsprechung in der US-Doppelmoral, die weltweit „Werte“ exportiert, aber im eigenen Hinterhof die schlimmsten Abgründe deckt.



    ​Solange Namen auf Epsteins Listen geschwärzt bleiben und Kirchenarchive unter Verschluss stehen, ist Gerechtigkeit eine Farce. Wer Macht missbraucht, um Kinderseelen zu zerstören, gehört hinter Gitter – egal ob er eine Soutane trägt oder im Weißen Haus verkehrt.

    • @amigo:

      "... dass hässlichste bisher an die Öffentlichkeit geratene Denkmal...

  • No kings. Gleiches Recht gilt für und gegen alle. Das würde ich mir in vielen Ländern wünschen - daher bravo, UK! Wo bleibt da die Untersuchung gegen z.B. Trump?



    Lassen wir uns dabei natürlich nicht nur von Skandalen und 'Sex'themen aktivieren, sondern auch vom scheinbar Alltäglichen.