piwik no script img

Zwei Jahre nach dem Münchner AmoklaufNeue Anklage wegen OEZ-Attentat

Der Attentäter vom Münchner Olympia-Einkaufszentrum besorgte sich seine Waffe in einem Online-Forum. Dessen Betreiber soll jetzt vor Gericht landen

Tobias Schulze

Aus Berlin

Tobias Schulze

Der Anschlag im Münchner Olympia-Einkaufszentrum könnte erneut vor Gericht landen: Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat beim Landgericht Karlsruhe Anklage gegen den mutmaßlichen Betreiber einer Onlineplattform erhoben. Über die Plattform soll der Münchner Amokschütze seine Tatwaffe besorgt haben.

Laut den Ermittlern betrieb der 31-jährige Seitenadministrator vier Jahre lang das Onlineforum „Deutschland im Deep Web“, in dem sich User zu illegalen Geschäften verabredeten. Motto der Seite: „Keine Kontrolle, alles erlaubt!“ Einer der mindestens 23.028 Nutzer war der spätere Münchner Täter David S. Der 18-Jährige lernte auf der Plattform einen Waffenhändler kennen, der ihm eine Pistole samt Munition verkaufte. Der Händler wurde wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Waffenhandel zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft jetzt auch dem Administrator des Forums vor. Dieser hätte erkennen müssen, dass sich über seine Website „unzuverlässige und labile Personen eine Waffe verschaffen können und dass die Erwerber diese auch zur Tötung oder Verletzung von Menschen – wie in dem Münchner Amoklauf geschehen – nutzen könnten“.

David S. erschoss bei der Tat am 22. Juli 2016 neun Menschen und verletzte fünf weitere schwer. Alle Opfer hatten einen Migrationshintergrund, der Täter hatte Verbindungen zur rechtsextremen Szene. Das Landgericht München sprach im Urteil über den Waffenhändler von rassistischen Motiven.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

0 Kommentare