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Afghanistan unter den TalibanWiderstand unter Adlerschwingen

Erstmals entreißen bewaffnete Gegner der Taliban die Kontrolle über einen Distrikt – doch das hält nur kurzzeitig. Wer sind die Angreifer?

Bewaffnete Regime-Gegner haben erstmals seit der erneuten Taliban-Machtübernahme in Afghanistan im August 2021 einen Distrikt eingenommen, wenn auch nur kurzzeitig. Am Freitag vor Morgengrauen rückten sie in Jaftal in der Nordostprovinz Badachschan ein, entwaffneten die dortigen Taliban-Kämpfer, hissten, wie Videos zeigen, ihre Flagge – himmelblau mit einer Adlerschwinge – über Gebäuden der Lokalverwaltung und zogen sich nach zwei Stunden wieder zurück.

Die Kämpfer bezeichnen sich als Angehörige der Gruppe Sepahian-e Maihan (Soldaten der Heimat), die nach eigenen Angaben aus Kämpfern aus Badachschan besteht, die nach einem Angriff in der Zivilbevölkerung untertauchen können. Lokale Augenzeugen berichteten von etwa 25 Angreifern.

In einer in den sozialen Medien verbreiteten Erklärung behaupteten die Sepahian, sie hätten auch in zwei weiteren Distrikten Badachschans angegriffen. Dafür gibt es bisher aber keine Bestätigung.

Die Taliban bestätigten den Angriff und schickten ihren Armeestabschef Fasihuddin Fitrat nach Jaftal. Der erklärte, sie hätten dort ihre Kontrolle wieder hergestellt und bei einer Verfolgungsjagd, bei der auch Hubschrauber eingesetzt wurden, mehrere Angreifer gefangen genommen. Darunter sei auch der Sepahian-Anführer, Abdul Kajum Malang, ein früherer Kommandeur in den Spezialkräften der von der Taliban gestürzten, westlich gestützten Regierung. Die Sepahian dementierten seine Festnahme.

Streitpunkt Gold

Lokale Quellen berichten, die Taliban hätten inzwischen Verstärkung nach Jaftal sowie andere Distrikte, auch in der Nachbarprovinz Tachar, geschickt. Jaftal ist von Bedeutung, als es nahe der Provinzhauptstadt von Badachschan, Faisabad, liegt und damit in Reichweite regimefeindlicher Gruppen kommt. In Badachschan war es schon zuvor zu Spannungen wegen des in jüngster Zeit erheblichen ausgeweiteten Goldabbaus gekommen. Um die Kontrolle über das Gold rivalisieren lokale Taliban-Gruppen, die Taliban-Führung und örtliche Gemeinschaften.

Auch wenn der Angriff auf Jaftal nur kurz und von geringem militärischen Effekt war, ist er von symbolischer Bedeutung: Er zeigt, dass es weiter einen – auch bewaffneten – Widerstand gegen das Taliban-Regime gibt.

Allerdings deutet das Auftauchen einer neuen Gruppe auch auf Probleme in der afghanischen Opposition hin. Malang war 2023 in einem Video noch als Kommandeur der bisher bekanntesten bewaffneten Anti-Taliban-Gruppe, der Nationalen Widerstandsfront (NWF), aufgetaucht. Dass er nun unter dem Label „Sepahian“ agiert, könnte auf eine Abspaltung oder zumindest auf eine Lokalisierung der bewaffneten Taliban-Gegner hindeuten.

NWF-Chef Ahmad Massud versucht sich als Führungsfigur der gesamten – bewaffneten wie zivilen – Opposition zu profilieren. Einige Gruppen bieten sich immer wieder den USA als Partner an, offenbar in der Hoffnung, Präsident Trump werde sein wiederholt geäußertes Interesse an einer Wiedergewinnung des geostrategisch bedeutsamen afghanischen Stützpunkts Bagram in einen Militärschlag gegen die Taliban-Spitze umsetzen, in deren Windschatten sie wieder an die Macht gelangen können.

Allein die Frauen noch effektiv und aktiv im Widerstand

Bahar Mehr, ein exilafghanischer Analyst, bezeichnet die Anti-Taliban-Kräfte als „zersplittert, desorganisiert und weitgehend unfähig, eine kohärente nationale Bewegung zu bilden“. Der Einfluss „korrupter Überreste der (Vor-Taliban-)Republik und der machtgierigen Dschihadisten“ aus der Ära des Kampfes gegen die sowjetische Besetzung versperrten den Weg zu einer Neuorganisation.

Die einzige wirklich „aktive Gruppierung seit dem Fall von Kabul“, so Mehr, sei „die Protestbewegung der Frauen.“ Sima Samar, frühere Frauenministerin und Vorsitzende der unabhängigen Menschenrechtskommission ihres Landes, forderte vor wenigen Tagen auf einer Afghanistan-Konferenz an der Pädagogischen Hochschule Freiburg die „junge Generation“ auf, eine neue politische Bewegung gegen die Taliban auf die Beine zu stellen.

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