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Wegen Zusammenarbeit mit RosatomKlage gegen Ausbau von Brennelementefabrik

Umweltverbände befürchten Spionage und Sabotage durch den russischen Staatskonzern. Die EU klammert die Atombranche von Sanktionen gegen Russland aus.

Der mit dem Einstieg Russlands verbundene Ausbau der nuklearen Brennelementefabrik im emsländischen Lingen wird ein Fall für die Justiz. Der Umweltverband BUND und weitere Initiativen haben beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht (OVG) Klage gegen das Land Niedersachsen eingereicht. Sie richtet sich gegen die im Juli von Landesumweltminister Christian Meyer (Grüne) erteilte Genehmigung zur Fertigung von Brennstäben für Atomkraftwerke russischer beziehungsweise sowjetischer Bauart mithilfe des russischen Staatskonzerns Rosatom. Das OVG bestätigte der taz den Eingang der Klage.

Russland setze seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort und in Deutschland mehrten sich gefährliche Sabotageversuche, begründet der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt den Widerstand seines Verbandes gegen das Vorhaben. Während die Europäische Union versuche, die russische Schattenflotte zu stoppen, erhalte gleichzeitig Rosatom in Lingen Zugriff auf kritische Infrastruktur.

Da in Lingen sowohl die Fertigung als auch Teile der Qualitätskontrolle mit von Rosatom gelieferten Maschinen erfolgten, könnten Produktion und Überprüfung manipuliert werden. Das werfe schwerwiegende sicherheits- und außenpolitische Fragen auf. „Atomare Infrastruktur in Deutschland darf nicht zum Einfallstor für russische Staatsinteressen werden“, sagt Bandt. „Jede Atomkooperation zementiert die Abhängigkeit von Russland weiter.“

Aus Sicht des Klagebündnisses entspricht das Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung zudem nicht den rechtlichen Anforderungen. Die Vorprüfung sei „lückenhaft“ gewesen und habe auf veralteten Unterlagen basiert, erklärt die niedersächsische BUND-Landesvorsitzende Susanne Gerstner. Zudem sei die Rosatom-Beteiligung in den Antragsunterlagen nicht vollständig offengelegt worden. Damit habe der französische Betreiber der Brennelementefabrik gegen geltendes Recht verstoßen und der Öffentlichkeit wichtige Informationen vorenthalten.

Auflagen für Rosatom reichen den Klägern nicht

Die mit der Genehmigung verbundenen Auflagen – etwa ein grundsätzliches Betretungsverbot der Fabrik für Rosatom-Mitarbeitende – sorgen nach Ansicht der Kläger weder für wirksamen Schutz noch lösten sie das grundlegende Problem der Kooperation mit Rosatom. „Wie sollen Auflagen Sicherheitsbedenken ausräumen, wenn der Partner selbst das Problem ist?“, fragt Bettina Ackermann von der Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt.

Die Brennelementefabrik in Lingen wird von ANF betrieben, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der französischen Framatome GmbH. Die Anlage ist bereits mehr als 45 Jahre alt und verfügt – wie die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau – ungeachtet des deutschen Atomausstiegs über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Beide Anlagen verarbeiten auch aus Russland geliefertes Uran.

Das Klagebündnis sieht die Kooperation der Brennelementefabrik mit Rosatom als weiteren Beleg der atomaren Abhängigkeit Europas von Russland: Trotz 21 Sanktionspaketen gegen das Land gebe es bis heute keine Sanktionen im Atombereich.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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11 Kommentare

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  • elektrozwerg

    Du weisst, dass Du in Deutschland bist, wenn die Kaempfer fuers Klima klagen, damit alle von diesen Brennstaeben abhaengigen Staaten auf Kohle oder gleich auf Fracking-LNG umsteigen.

    • Perkele

      @elektrozwerg:

      Klar. Die Klimakämpfer sind alle dumm. Der Nuklearmüll ist völlig unbedenklich, es dauert nur ein Millionen Jahre bis das Zeug neutralisiert ist. Zudem erhält Putin mit den Beteiligungen und Lieferungen des Materials eine exzellente Möglichkeit andere Staaten (auch uns) zu erpressen. Das kann man getrost ignorieren. Und die Staaten die das Zeug evtl. nicht beziehen können, werden natürlich allesamt auf fossile Energiegewinnung zurückgreifen. Erneuerbare Energien, die unabhängig machen und extrem billig sind, die kommen ja nur diesen unklugen Spinnern in den Sinn, vernünftige Leute zahlen lieber und halten sich in Abhängigkeiten, gell?

      • elektrozwerg

        @Perkele:

        Vor 10 bis 15 Jahren haette es noch Sinn gemacht ueber sowas zu diskutieren. Jetzt nicht mehr. Jetzt ist es Zeit die Fruechte der von Ihnen favouristen Energiepolitik zu ernten:



        - Rekordstrompreise,



        - Ca 40% der Kohlekraftwerke der EU befinden sich in Deutschland - zum Vergleich: Frankreich: 2, Italien: 4, Deutschland: Ca 100. Nicht EU-Staat GB: 0



        - Folglich einer der dreckisten Strommixe in der EU,



        - Deshalb muss CO2 auf der Verbaucherseite eingespart werden. Das fuehrt zu enormen Kosten im Wohnungsbau bzw bei energetischen Sanierungen. Neubau wird zum Luxus, Wohnungskrise



        - Und es fuehrt zu Deindustrialisierung und Wohlstandsverlust. Daraus folgt Sozialstaatsabbau und Rekordverschuldung auf Kosten der zukuenftigen Generationen.



        - Das von der Ampel versprochene gruene Wirtschaftswunder sieht man an der Wahlurne, allerdings in blau.

        • Perkele

          @elektrozwerg:

          Ja, ja, ist schon klar: die GRÜNEN sind an allem Schuld.



          Dass die Strompreise so hoch sind, das liegt NICHT an den EE sondern hat andere Gründe, z.B. nach der Ausrichtung auf die TEUERSTEN Angebote. Die EE führen eben NICHT zu Woglstandsveerlust. Wenn Putin oder Potus uns die Öl/Gaslieferungen stoppen, DANN kommen wir in Probleme. Sonne, Wind und Wasser gibt es immer - kostenlos. Und dass unser Kohleanteil noch immer so hoch ist, das liegt an der völligen Fixierung unserer Regierung auf deren Lobby.



          Und CO2 wird längst nicht nur beim Bauen produziert - wie wär's mit einem Blick z.B. auf das Tempolimit?

          • elektrozwerg

            @Perkele:

            Die Gruenen koennen garnicht an allem Schuld sein, sie hatten noch nie die absolute Mehrheit.

            Wenn der Grund fuer die hohen Strompreise das Merit-Order-Prinzip sein soll, was ja auch teilweise zutrifft, wieso betreibt man dann eine Energiewende, in der Gas als Uebergangstechnologie den Kohleausstieg ermoeglichen soll, um zuerst die Atomkraftwerke abzuschalten? Das erscheint mir jetzt nicht das beste Argument fuer Ihre Position zu sein...

            Der Grund warum wir noch soviel Kohlekraftwerke haben ist, dass wir auch Strom brauchen wenn Sonne und Wind ihn nicht liefern und wir im Gegensatz zu anderen Staaten nicht ueber ausreichend Geothermie- und Wasserkraftpotenzial verfuegen und die Atomkraftwerke abgeschaltet haben bevor eine Speicherinfrastruktur aufgebaut wurde. Die von mir kritsierte Enegiewende will das beheben, in dem wir neue Gaskraftwerke bauen, um mit dem im Vergleich zur Kohle mehr 2 mal so schaedlichen Fracking-LNG aus der Kohle rauszukommen. Und da das Fracking-LNG auch der teuerste Energietraeger ist, werden die Boersenstrompreise unabhaengig von den von Ihnen ignorierten Kosten fuer Netze und Speicher weiter steigen. Sie argumentieren demnach fuer meine Position - danke.

            • Perkele

              @elektrozwerg:

              Netze und Speicher werden nicht allein für EE-Strom genutzt! Ein wirklich nennenswerter Einsatz für EE wäre hilfreich. Doch genau das passiert eben nicht mit dieser Regierung und die Faschos werden es komplett beenden. Die derzeitige Regierung Merz ist völlig !! den Fossil-Konzernen hörig und genau deshalb wird eine zukunftsorientierte Energiepolitik vermieden. Wichtig ist in diesem Komplex auch, dass wir uns unabhängig machen sollten um nicht von Putin, Potus oder sonstwem abhängig zu sein - und das sind wir derzeit. Dass in Übergangszeiten nicht sofort alles 100%ig gelingt, ist logisch. Doch die beiden Ziele sind das Wichtige und alle Mühe wert: Klimaschutz und Unabhängigkeit - dafür lohnt sich jede Anstrengung in die Zukunft - nicht rückwärts.

      • Desdur Nahe

        @Perkele:

        "andere Staaten (auch uns) zu erpressen"



        Wie denn? Wir benötigen keine Brennstäbe mehr. Allerdings natürlich die Länder, von denen wir unseren Strom importieren.



        "die unabhängig machen und extrem billig sind"



        Bisher (seit 2000) hat uns die Energiewende je nach Quelle knapp 1.000 Milliarden Euro gekostet, dennoch haben wir fast die höchsten Strompreise, in Europa mit den dreckigsten Strom und sind weiterhin abhängig von Energie aus dem Ausland (ja, auch Strom).



        Kosten für PV-Module oder Windräder sind eben nicht gelich Systemkosten.



        Praxischeck zum mitmachen: Einfach mal durchrechnen was es kosten würde, das eigene Heim energieautark zu bekommen (Strom, Heizung, Auto). Und nein, nicht nur im Sommer, sondern das ganze Jahr über durchgehend.

        • Perkele

          @Desdur Nahe:

          Putin muss nicht mit Nuklearzeugs erpressen, der kann das auch so. Siehe Leipzig. Und doch: Aus dem Kreml kamen in den letzten Monaten mehrmals Drohungen, auch Nuklearwaffen einzusetzen. Ist das eine Liebeserklärung oder Erpressung?



          Die Energiewende kostet Geld, der Weiterverbrauch der fossilen Brennstoffe allerdings deutlich mehr. Die Nuklearenergie ist die mit weitem Abstand teuerste.

        • Perkele

          @Desdur Nahe:

          Auch wir können erpresset werden, siehe die Anschlagsversuche in den letzten Wochen. Erpressung in Sachen Energieversorgung geschieht nicht nur mit den nuklearen Stoffen, wie wär's denn mit Öl und Gas? Trump ist ein Erpresser und wird das auch nutzen, wenn er will. Putin hat auch keine Skrupel. Erneuerbare Energiequellen KÖNNEN nicht erpressen und sind billig. Im Vergleich mit aller !! anderer Energiegewinnung ist die Erneuerbare die Günstigtste. Das bestreiten nur Ignoranten und/oder Ewiggestrige.

          • sollndas

            @Perkele:

            "Erneuerbare Energiequellen KÖNNEN nicht erpressen..."



            Und was ist mit den geplanten Wasserstoffimporten, z.B. aus Namibia? Keinerlei Erpressungspotential???



            "Das bestreiten nur Ignoranten und/oder Ewiggestrige."



            Na gut,dann bin ich eben ein Ignorant und ewiggestrig. Meine Frau und ich wohnen ja erst seit 35 Jahren in einem (selbst entworfenen) solarautarken Haus, und unser sonstiger CO2-Ausstoß wird durch Windparkbeteiligungen überkompensiert. Ich kann also gar keine Ahnung haben :-)



            Ich kann nur immer wieder darüber staunen, welche Märchen da verbreitet werden. Da ist nur die primäre Stromerzeugung relativ billig, aber die Systemkosten sind hoch; die Speicherkosten sind dafür ausschlaggebend.

      • sollndas

        @Perkele:

        "Erneuerbare Energien, die unabhängig machen und extrem billig sind..."



        Bei "extrem billig" vergessen wir mal kurz die Speicherkosten. Vorsichtshalber machen wir uns noch nicht einmal die Mühe, den Speicherbedarf überhaupt zu beziffern, das könnte das Publikum ja verunsichern.



        Technikfolgenabschätzung ist sinnvoll, wenn es um Atom oder Fossil geht.



        Bei Sonne und Wind ist das absolut unnötig!!! [/sark]