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Waldbrände in Europa Und nach der Hitze?

Kommentar von

Gunnar Hinck

Spektakuläre Brände liefern dankbare Bilder für Medien. Doch das Interesse sollte nicht aufhören, wenn es mal nicht brennt.

I n ein paar Wochen wird die Hitze in Deutschland vorbei und auch der letzte Brand gelöscht sein. In Südeuropa wird es noch ein paar Wochen länger dauern, bis spätestens im Oktober auch dort hitze- und feuermäßig Ruhe eingekehrt.

Gleichzeitig wird – und das ist so sicher wie das deutsche nasskalte Herbstwetter – das Interesse von Medien und Politik zurückgehen. Was gut daran ist: Politiker wie der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese behelligen die Öffentlichkeit dann nicht mehr mit überflüssigen Wortmeldungen, die nur dazu dienen, auch noch mal was zum Thema gesagt zu haben. Gerade fordert Wiese höhere Strafen für Brandstifter. Doch da muss gar nichts verschärft werden; auf vorsätzliche Brandstiftung können jetzt schon hohe Freiheitsstrafen verhängt werden.

Was aber schlecht daran ist: Die globale Erwärmung mit ihren offensichtlichsten Auswirkungen wie gesundheitsgefährdenden Hitzewellen, dürrebedingten Missernten und großflächigen Waldbränden wird für den Großteil des Jahres wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwinden. Trotz Klimakatastrophe bleibt Hitze in unseren Breitengraden auf wenige Monate beschränkt, und einen milden Dezember empfindet der Mensch als weniger bedrohlich als 39 Grad heiße Juli-Tage. Nur ist die Häufung von zu milden – oder stürmischen – Wintermonaten genauso eine Folge der globalen Erderwärmung.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Dazu kommen mediale Logiken, die durch Social Media und die Tendenz zu „emotionalen“ Bildern verstärkt werden. Luftaufnahmen von brennenden Wäldern mit dramatischen Rauchsäulen, Interviews mit abgekämpften Feuerwehrleuten und verzweifelten Menschen, die vor ihrem abgebrannten Haus stehen, sind eher TV-tauglich als scheinbar unspektakuläre Bilder von der „Zeit danach“.

Wie sieht ein abgebrannter Wald aus?

Dabei erzählen diese Bilder und Geschichten genauso eindrücklich, was die globale Erwärmung anrichtet: Wie sieht so ein abgebrannter Wald im Winter eigentlich aus? Wie regeneriert er sich, regeneriert er sich überhaupt? Wie geht es der Familie, die im Sommer ihr Haus verlor? Wie bereiten sich Altenheime auf den nächsten Sommer vor? Davon ist, Jahr für Jahr, medial zu wenig bis gar nichts zu sehen – obwohl das alles dankbare Themen für journalistische Kreativität sind.

Po­li­ti­ke­r:in­nen sollten ihre klima- und hitzepolitischen Anstrengungen nicht auf die wenigen Sommermonate beschränken. SPD-Umweltminister Carsten Schneider kann seinen vernünftigen Vorschlag, den Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz zu schreiben, gern noch mal im Winter wiederholen – wie antizyklisches Verhalten von Politik und Medien bei dem Thema generell dringend nötig ist: Die Klimakrise macht nicht Pause, nur weil gerade Winter ist und der weniger quotenträchtige Bilder liefert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gunnar Hinck

ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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13 Kommentare

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  • Wanderin

    Anstatt reaktiv krisenbegleitend zu berichten, wäre es besser, den aktuellen Forschungsstand zum Klimawandel vermitteln. Sonst geht der Fokus aufs Wesentliche unter. D.h. Studien durchforsten, Risikoanalysen aus der aktuellen Fachliteratur lesen, mit Experten besprechen, die Ergebnisse an die Öffentlichkeit vermitteln. Welche Folgen treten laut Prognosen bei 2 Grad und welche bei 3 Grad ein? Seit 2015 ist übrigens zu sehen, dass die Erderwärmung schneller voran geht. ( Quelle: Tagesschau) Einberechnet in die Modelle sind noch nicht die Folgen der aktuellen Kriege aufs Klima.



    .



    In einer Risikoanalyse der Uni Essex z. B. wird in der Tabelle (Appendix 1) aufgeschlüsselt, was wahrscheinlich bei 3 Grad eintritt. actuaries.org.uk/m...etary-solvency.pdf

  • Jalella

    Da müssen wir uns keine Hoffnungen machen, denke ich. Das wird schnell aus dem Auge aus dem Sinn sein. Sowohl für die profitmaximierenden Medien, die eh nur auf Clicks zählen, als auch für die Bevölkerung.

    Aber es ist schlimmer. Denn auch jetzt, während die Wälder allerorten brennen, geht es immer nur um Symptombekämpfung. Wieviele Artikel gehen darauf ein, dass uns Klimaanlagen und besseres Brandmanagement etc. nicht davor retten, dass die Klimakatastrophe voranschreitet?

    Wir sind gerade beim erhoffenten Minimalstand von 1,5° der Erderwärmung angekommen. Auf diesen Stand hatten wir gehofft, die Klimakatatrophe zu minimieren wenn wir die Ärmel hochkrempeln und alles tun, was nötig ist. Haben wir aber nicht und auch jetzt macht keiner Anstalten, etwas zu tun. D.h. wir streben von diesen unschönen 1,5° auf eine (nahe!) Zukunft zu, bei der wir es mit einer Erderwärmung von 3° bis 4° zu tun haben werden. Und was das bedeutet, sollte jedem klar sein, der sich jetzt über "lächerliche" 6000 Hitzetote in Deutschland im Juni erhitzt. Das werden "Peanuts" sein in 30 Jahren.

    Das auch für unsere zukünftige Generation, die Vielfliegerei und Party zu einem ihrer Lieblingshobbies erkoren hat.

  • Perkele

    Heute morgen habe ich im Deutschlandfunk ein Interview mit dem cdU- BT-Abgeordneten Helmerich (??) gehört. Der hatte tatsächlich die Chuzpe zu sagen, dass Merz alles für den Klimaschutz unternimmt und sich ganz vorne dafür einsetzt. Solange solch verlogener Stuss von einem Abgeordneten verbreitet wird, sollte man nichts, gar nichts in Richtung Klima- und Umweltschutz von den Verantwortlichen erwarten - die offensichtlich GEGEN solche Bemühungen aktiv sind.

  • pumble

    Ich finde auch jetzt während der Brände wird darüber ganz schön wenig geredet. Hat der Bundeskanzler dazu schon mal ein Wort gesagt? Bei mir ist es zumindest nicht angekommen. Und die Presse fordert das auch nicht ein.

  • Okay

    Nach dem Motto: „Nach der Hitze kommt das Hochwasser“



    plant die Politik bereits Maßnahmen, um gegen die Wetterphänomene Herr zu werden:



    Klimaanlagen in Altenheimen, Wasserspritzen auf bestimmten Plätzen – da lieben die Kinder das Wasser und die Lokalzeitungen bekommen eine schöne Bildgeschichte. Oder Flachbodenschiffe für den Rheinverkehr, damit die Wirtschaft weiter schwimmen kann.



    Außerdem: Die Hitze ist schon vorbei, mit Hochwasser hat man mehr Erfahrung. In der Kölner Altstadt kann man sogar noch die Hochwasserstriche der Vergangenheit sehen – und sich darüber wundern, dass man es wieder erlebt.

  • TGV

    Sollte klingt schön, wird aber nicht, weil isso.

  • Philippo1000

    Tja, die SPD hat ein Angebot gemacht,



    Die Grünen können da nur noch zustimmen.



    Interessant, dass sich die Union mal wieder aus der Verantwortung stehlen will, obwohl auch Ihr Klientel (Bauern und Waldbesitzer) gerade betroffen sind,



    Mit Frau Reiche fährt die Union ja gerade eine ANTIunabhängigkeits Kampagne, da werden wir wahrscheinlich irgendwann auch noch unabhängig vom Wasser.



    Der Verkehrtminister setzt auf LKWs wahrscheinlich weil der Diesel gerade so billig ist.



    Klar, dass solchen „Experten“ verborgen geblieben ist, dass wir die heißesten Monate seit Aufzeichnungsbeginn erleben.



    Wer jetzt reagiert, erntet Verständnis von Allen Seiten.



    Am Verstand darf in der Union gerade allerdings gezweifelt werden - interessant, dass von der Linken die gleichen Wortblasen aufsteigen…

    • Jalella

      @Philippo1000:

      Da wir wegen der konstant steigenden Kurve (niemand tut etwas gegen die Ursachen) quasi jedes Jahr "heißeste Monate seit Beginn der Aufzeichnungen" haben, gewöhnen sich die Leute vielleicht zu einfach daran. Das mendelt sich weg.

  • Mondschaf26

    Die Termine für Wahlen sollten in den Hochsommer verlegt werden.

    • Jalella

      @Mondschaf26:

      Solange die Leute, so wie es gerade ist, dann nur Asbest-Anzüge fordern statt das Feuer unter dem Arsch zu löschen, würde auch dabei nichts rauskommen. Bemerkenswert wenig wird momentan nämlich über die Ursachen der Klimakatastrophe geredet. Es geht um Klimaanlagen, Brandbekämpfung, Flutbekämpfung (demnächst wieder), aber nicht um katastrophale Landwirtschaft (Tier"produktion"), Energiewende, Bauwirtschaft, Heizungen, Vielfliegerei etc.

      • Mondschaf26

        @Jalella:

        Vermutlich haben Sie recht.. Und im kühlen Herbst werden dann niedrige Preise für Erdgas und Heizöl verlangt...

  • Gerald Müller

    Da kann ich nur sagen dass die USA deutlich weiter sind als wir. Biberdämme schaffen Feuchtgebiete die den Wasserrückhalt entscheidend verbessern, die Entstehung von Waldbränden und deren Ausbreitung erschweren, Rückzugs- und Schutzräume für Tiere schaffen, Inseln zur Regeneration schaffen und selbst das aschbelastete Regenwasser nach dem Brand klären. Auch der "National Geographic" hat darüber berichtet, aber den scheint in Deutschland ja niemand zu lesen.



    www.nationalgeogra...-california-oregon

    Oder "Scientific American" www.scientificamer...er-flames-subside/

    • Axel Schäfer

      @Gerald Müller:

      Das funktioniert doch nur wo das topografisch möglich ist. In der brandenburgischen Steppe oder süddeutschen Tiefeebenen eher schwierig. Die Konzepte in den USA dienen ja auch eher als Barriere um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern, die Option große Flächen zu opfern um andere zu retten haben wir bei unserer Besiedungsdichte eher nicht.



      Heimische Experten weißen schon länger auf die Möglichkeiten, die die Wiedervernässung von Mooren hin, das wäre unser Äquivalent, wobei das hinsichtlich der zunehmenden Trockenheit sicher aktuell neu zu bewerten wäre.