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Wärmewende in HamburgHabecks Geist weht durch Hamburg

In Deutschland können weiter Gas- und Ölheizungen verbaut werden. In ganz Deutschland? Nein. Das alte Heizungsgesetz könnte in Hamburg fortleben.

Das „Habecksche Heizungsgesetz“ ist abgeschafft, frohlockte noch im Frühjahr der inzwischen zurückgetretene Chef der CDU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn. Doch in Hamburg dürfte das zentrale politische Erbe des früheren grünen Wirtschaftsministers Robert Habeck weiterleben: Die regierende Koalition aus SPD und Grünen kann ein zentrales Element des früheren sogenannten Heizungsgesetzes ins Landesgesetz aufnehmen, um die städtischen Klimaziele zu erreichen.

Ende Juli ist das sogenannte Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft getreten. Das von der schwarz-roten Bundestagskoalition verabschiedete Gesetz löst das frühere sogenannte Gebäudeenergiegesetz ab. Letzteres – in einer Kampagne der Bild als „Heizungshammer“ betitelt – regelte ab 2024 die schrittweise Abkehr von Gas und Öl beim Heizen.

Das nun geltende Gesetz gibt Haus­ei­gen­tü­me­r:in­nen wieder die aus klimapolitischer Perspektive kritisch zu sehende Freiheit, „technologieoffen“ heizen zu dürfen – also weiter mit klimaschädlichem Öl und Gas. Dass Deutschland damit bei der Wärmeversorgung von Wohn- und Geschäftshäusern wie anvisiert bis 2045 klimaneutral wird, ist damit nicht möglich.

Seit dem Erfolg des „Zukunftsentscheids“ im vergangenen Jahr ist Hamburg gesetzlich verpflichtet, sogar schon bis 2040 die Klimaneutralität zu erreichen. Noch immer stößt Hamburg aber knapp zwölf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Allein Privathaushalte erzeugen rund ein Viertel davon, überwiegend durchs Heizen und Warmwasser. Können Hamburger Ei­gen­tü­me­r:in­nen also weiter neue Gas- und Ölheizungen verbauen, wird das Hamburger Klimaziel ebenso unmöglich zu erreichen sein.

Das Zauberwort: Länderöffnungsklausel

Hamburgs Klima- und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) erklärte jüngst im Interview mit dem Hamburger Abendblatt, dass „so wie die Weichen im Bund gerade gestellt werden“, die Hamburger Ziele „Stand jetzt“ nicht erreichbar seien. Auf den ersten Blick torpediert ja auch das bundesweit gültige Gebäudemodernisierungsgesetz die für Hamburgs Klimaziele nötige Wärmewende.

Indes: Nicht zuletzt die rot-grüne Hamburger Koalition hatte bei der Entstehung des Bundesgesetzes mit Nachdruck dafür gesorgt, dass eine Hintertür für mehr Klimaschutz offenbleibt – die sogenannte Länderöffnungsklausel.

Nun werden Grüne und SPD beraten, wie die sogenannte Länderöffnungsklausel in Hamburg genutzt werden kann

Diese Klausel im Bundesgesetz besagt, dass die Bundesländer „durch Landesrecht weitergehende Anforderungen an die Erzeugung und Nutzung von Strom oder Wärme sowie Kälte aus erneuerbaren Energien in räumlichem Zusammenhang mit Gebäuden“ stellen können. Hamburg hat nun also die Möglichkeit, durch die eigene Gesetzgebung die Anforderungen beim Heizen wieder hoch zu schrauben – das „Habecksche Heizungsgesetz“ also auf Landesebene fortleben zu lassen.

Kern dessen ist die sogenannte 65-Prozent-Regel: Wer als Haus- oder Wohnungseigentümer eine neue Heizung anschaffen will, muss nachweisen, dass sie zu mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energien betrieben wird – reine Gas- oder Ölheizungen hätten dann faktisch keine Zukunft mehr; neben vereinzelten Hybridlösungen würden die allermeisten Ei­gen­tü­me­r:in­nen dann wohl auf die strombetriebene Wärmepumpe umschwenken oder ihre Heizung, wenn möglich, ans städtische Fernwärmenetz anschließen.

Eben das hatte, schon als noch unklar war, ob es die Länderöffnungsklausel ins neue Gesetz schaffen würde, etwa die klimapolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion, Rosa Domm, vorgeschlagen: „In dem Fall können wir uns vorstellen, dass der Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien künftig im Rahmen des Hamburger Klimaschutzgesetzes geregelt wird und damit erhalten bleibt“, sagte sie im Frühjahr der taz.

Wird dieser Reformschritt also bereits in die Wege geleitet? Bei der Grünen-Fraktion heißt es auf Nachfrage, dass nun mit der SPD beraten werde, wie die sogenannte Länderöffnungsklausel in Hamburg genutzt werden kann. Auf Seiten der SPD wird das bestätigt – und bekräftigt, dass zu diesem Vorhaben „grundsätzlich Bereitschaft besteht“, sagt ein Sprecher. Auch in Fegebanks Klima- und Umweltbehörde wird derzeit geprüft, was durch die Länderöffnungsklausel konkret in Hamburg möglich ist, heißt es auf Nachfrage.

Logo mit der Silhouette der Elbphilharmonie, dahinter rauchende Schornsteine
Serie Hamburgs Klimaziele

Seit dem erfolgreichen „Zukunftsentscheid“ im vergangenen Jahr muss Hamburg schon bis 2040 klimaneutral sein. Der rot-grüne Senat äußert sich ­skeptisch – vor allem, weil die Bundespolitik bremst. Ist da was dran? Und was wäre dennoch möglich? Diesen Fragen gehen wir in einer Serie nach, die in loser Folge bis zum einjährigen Jubiläum des Zukunftsentscheids am 12. Oktober erscheint.

Sollte die 65-Prozent-Regel zügig kommen, stünde Hamburg beim Erreichen der Wärmewende perspektivisch ganz ordentlich dar: Nachdem die Stadt im Juni ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen hatte, mit der alle Ei­gen­tü­me­r:in­nen nun wissen, ob sie ihre Heizung ans kommunale – und mittelfristig klimaneutrale – Fernwärmenetz anschließen können, wäre mit einem flankierenden Hamburger Heizungsgesetz der Korridor hin zum klimaneutralen Heizen abgesteckt.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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13 Kommentare

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  • Günter Witte

    Wenn man sieht welche verschrobene Politik heute gewählt/gewollt ist braucht man sich nicht zu wundern das auch ein Habeck noch seine Anhänger hat.

    • Perkele

      @Günter Witte:

      Das ist auch gut so. Denn ein paar Leute muss es geben, die nicht hassveblendet durch die Gegend laufen....

      • Günter Witte

        @Perkele:

        ...dafür ideologisch verblendet

        • Perkele

          @Günter Witte:

          Ach so? Das was Habeck begonnen hat (Heizungsgesetz, Erneuerbare) das wird aus rein ideologischen und hassgesteuerten Gründen wieder zurückgedreht - zugunsten der fossilen Wirtschaft aus dem letzten Jahrhundert. Das ist ja alles soooo logisch und gar nicht klima- natur- und menschenfeindlich, oder?

  • behr Behr

    „Habecks Geist“ weht auch über eine Investitionsruine in Heide,



    500 Mio Steuergelder für ein Vorhaben buchstäblich in den Sand gesetzt, weil er glaubte, Investitionen brauchen nur Geld und keine



    Unternehmen, die aufgrund ihrer vorhandenen Unternehmensstrukturen auch in der Lage sind u. die Kompetenz haben , derartige Megavorhaben auch durchzuführen.



    Durchzuführen

  • Surfbosi

    Die Öffnungsklausel ist natürlich gut, aber reicht eigentlich nicht aus.



    Jeder, der heute noch mit Gas oder Öl heizt, muss sich über seine Emissionen im Klaren sein und dass, er demnächst die Heizrechnung nicht mehr bezahlen kann.



    Das gilt auch für Vermieter. Was nützt es, wenn die Nachzahlung für die Nebenkosten nicht bezahlt werden kann, weil sich die Gaspreise vervielfacht haben? Mal abgesehen davon, dass immer weniger Verbraucher das Gasnetz unterhalten müssen.



    Von daher müsste die Botschaft eigentlich klar sein und wir bräuchten einen sofortigen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen.



    In wie weit die Fernwärme helfen kann, bin ich skeptisch. Schaffen es alle Stadtwerke auf EE zu vertretbaren Preisen umzusteigen?



    Eher nicht, dann besser auf lokale Lösungen setzen und die Wärmepumpe subventionieren. Aber auch nur die, die das Geld auch brauchen.

  • Karl Murx

    Habeck hat damals mit seinem Heizungsgesetz den Verkaufswert älterer Eigenheime in der Keller geschickt.



    Viele Ei­gen­tü­me­r:in­nen sind deswegen bis heute nicht gut auf ihn zu sprechen. In Hamburg scheint dagegen die Fangemeinde in der Mehrheit zu sein.

    • Perkele

      @Karl Murx:

      Das ist nicht haltbar. Nicht Habeck und das Gesetz haben das verursacht, das war ganz allein die Opposition innerhalb und außerhalb der Ampelkoalition, sowie die dafür berüchtigten Medien. Es ging und geht darum, Habeck, die GRÜNEN und die Ampel schlecht zu reden/schreiben. No less, no more.

    • Gerhard Krause

      @Karl Murx:

      Um es irgendwie mit Brecht zu sagen, 'Du kannst dein Haus und dein Geld nicht fressen.'. Ganz privat kann ich mir nur an den Kopf fassen, was der Wert eines Hauses, wenn es diesen überhaupt gibt, zumal für Leute, die ihre "Bude" in eigener Verantwortung abgerockt haben, mit den Problemstellungen des Artikels, sch.. auf HH, überhaupt zu tun hat.

  • Lowandorder

    Ach was! Loriot

    Habecks Geist schwebte über Alster&Bille - 🙀



    Was las ich zu diesem abgefeierten 👻 a taz? -



    “Robert Habeck (Grüne), der sich eigentlich lieber an Küchentischen in deutschen Wohnzimmern inszeniert, stand Ende 2024 – noch als Vizekanzler und Wirtschaftsminister – auf großer Bühne vor CEOs und Managern und sagte, das Lieferkettengesetz könne nicht verbessert werden, da helfe nur noch, „die Kettensäge anzuwerfen und das ganze Ding wegzubolzen“. Unterstützung hatte er auch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).



    & Däh



    “Bereits unter Habeck blockierte das Wirtschaftsministerium die Kontrollbehörde Bafa und zog Personal ab, das zur Umsetzung des Lieferkettengesetzes arbeiten sollte. Habeck verschob die Berichtspflichten der Unternehmen per Weisung. Noch krasser geht es unter Merz und Reiche weiter, …“.na logo!

    kurz - der feine Herr -



    quod erat demonstrandum -



    Ist halt ein selbstgefälliger elender Bourgeois -



    Kein sozial geerdeter Citoyen •



    & btw



    Wegen solcher längst dort federführenden Gestalten sind sojet grüne Politikaster -



    Seit langem nicht mehr wählbar. Newahr



    Normal



    ps die entsprechenden allfälligen



    taz-Hofschranzen sind gern mitgemeint.



    Rückgrat 👎

    • Francesco

      @Lowandorder:

      Wir wissen inzwischen, dass "Ach was" ein Zitat von Loriot ist.

      • Lowandorder

        @Francesco:

        Ach was! Vagel Bülow

  • Wunderwelt

    Gut daß Hamburg bei der Geisterfahrt der momentanen Bundesregierung nicht mitmacht.

    Das Habecksche Heizungsgesetz war/ist ein Meilenstein auf dem Weg in eine Klimaneutrale Zukunft.



    Und wie seit heute wahrscheinlicher, wird das Verfassungsgericht dessen Abschaffung entweder ganz zurück drehen oder mindestens modifizieren.

    (siehe: Verfassungsrechtliche Zweifel am neuen Heizungsgesetz)

    www.ndr.de/nachrichten/info

    Die Grünen in Hamburg haben offenbar noch genügend Mut, Vernunft und Verstand um sich der Bundesregierung in diesem Punkt entgegen zu stellen..

    ..Nordlichter halt..







    ..wohingegen im Kanzleramt offenbar die Lichter in Sachen Klima und Zukunft weitgehend erloschen sind..