Vorschlag für späteren Renteneintritt: Keine gute Idee

Die beginnende Rente soll niemanden davon abhalten, weiter zu arbeiten. Nur muss das die alleinige Entscheidung jedes einzelnen Menschen bleiben.

Eine alte Männerhand mit einem Ziegel

Ausgebrannt, körperliche Wracks, mit morschen Knochen? Für sie ist Arbeiten im Alter eher nichts Foto: getty

Länger arbeiten gegen die Inflation. So in etwa lässt sich zusammenfassen, was konservative Ökonomen vorschlagen. Die Anhebung des Rentenalters soll demnach Deutschlands Fachkräfteproblem und generelles Arbeitskräfteproblem lösen, von dem zahlreiche Branchen betroffen sind. Es ist ein Kreislauf: Zu wenig Arbeitskräfte verteuern Arbeit, die Preise steigen, die Kaufkraft sinkt, insbesondere für Menschen mit kleinen Renten.

Aber ist die Idee, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben, richtig? Ist sie nicht. Wer so etwas vorschlägt, arbeitet nicht auf dem Bau, nicht in der Pflege, nicht im Krankenhaus und auch nicht in einer Kita. Mit­ar­bei­te­r:in­nen in physisch und psychisch anstrengenden Berufen würden sich vielfach sogar noch vor ihrem offiziellen Renteneintrittsalter mit 65 bis 67 Jahren gern zur Ruhe setzen. Und das nicht, weil sie faul sind, sondern weil sie nicht mehr können.

Ausgebrannt, körperliche Wracks, mit morschen Knochen. Wer von ihnen verlangt, noch länger zu arbeiten, hat kein Gewissen – oder keine Ahnung von Jobs außerhalb komfortabler Büros. Aber auch Büroberufe können sehr anstrengend sein: Überstunden, zu viele Papiere auf dem Tisch, erwartete Dauerpräsenz, keine echte Trennung von Job und Freizeit.

Andererseits gibt es viele Frauen und Männer, die trotz Rentendasein arbeiten. Die einen freiwillig, weil sie fit sind und gebraucht werden wollen. Die anderen, weil sie eine geringe Rente beziehen und das Geld brauchen. Damit liefern Rent­ne­r:in­nen doch selbst das beste Argument für ein höheres Rentenalter, könnten die Ökonomen jetzt nachschieben.

Doch es macht einen großen Unterschied, ob ältere Menschen nach einem selbstgewählten (Stunden-)Modell und den eigenen Möglichkeiten entsprechend arbeiten oder ob ihnen eine Pflicht auferlegt wird, die sie ohnehin nicht erfüllen können. Die dann im Verweigerungsfall drohenden individuellen finanziellen Einbußen stoppen die Inflation auch nicht.

Eine andere Lösung wäre, die zahlreichen Geflüchteten, die sich hierzulande ohne Arbeitserlaubnis langweilen, fachlich auszubilden und ihnen statt der Abschiebepapiere einen Arbeitsvertrag in die Hand zu drücken.

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Ressortleiterin taz.de / Regie. Zuvor Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Germanistin, Slawistin, Journalistin.

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