Verlorene Hutwettbewerbe: Watch out, Hoppegarten!
Aus der Garage auf die Pferderennbahn: Mit Basthut und Hirschkäferbrosche ist im Berliner Osten kein Blumentopf zu gewinnen.
H er mit der Puffbrause! Schließlich muss man angesichts des wie ein Gespenst in Europa umgehenden Abstinenztrends auch mal an die Wein- und Champagnerindustrie denken. Überhaupt: Wasser trinken können wir, wenn wir tot sind.
Aber das ist ja noch lange, lange, lange nicht der Fall, vielleicht nie. Virginia Woolfs von Olga Neuwirth für die Komische Oper gechannelten „Orlando“, dem ich zum Pfingstwochenendstart am Donnerstag ehrfürchtig lauschte, stirbt schließlich auch nie so richtig, sondern wandelt zwischen Zeiten und Gendern, und ist dabei mindestens so faszinierend wie Sam Heughan als Jamie in der Zeitreiseserie „Outlander“. Nur mit weniger aufdringlichen Bizeps.
Und die Laune nach dem schönen Abend hielt: Den ersten 60. Geburtstag am Freitag tanzte ich komplett durch, kurz unterbrochen von lieben Gästen, die dem Geburtstagskind sachverständig ein Ständchen brachten, namentlich „Ich hab ka Lust“, eines der besten Georg Kreisler-Couplets: „Kennen Sie den Blau? Kennen Sie den Roth? / Beide hat der Schlag getroffen, beide sind sie tot / Kennen Sie den Schwarz? Kennen Sie den Grün? / Beide liegen krank im Bett und schwitzen Aspirin / Ich an Ihrer Stell tät mich genieren / Krank zu werden, könnt mir nicht passieren / Ich hab ka Lust, ich finde, Kranksein ist schlecht / Ich hab ka Lust, ich bleib gesund wie ein Hecht …“. Sag ich doch!
Garage Punk in der Garage
Samstag feierte direkt der nächste rüstige Jubilar den nächsten 60., diesmal mit Tanzen in der Garage (ohne Auto). Meine Idee, ausschließlich „Garage Punk“ auf die Playliste zu packen, wurde zwar nicht von allen Anwesenden gutgeheißen, aber wenn man die Kontrolle über die Musiklautstärke und das Bluetooth innehat, kann man dafür sorgen, dass Einwände einfach nicht gehört werden, und niemand anderes „bereit zum Koppeln“ ist, hähä. Eben wie es Harold aus „The Big Bang Theory“ einst formulierte: „Alles ist besser mit Bluetooth!“
Apropos Koppeln: Am Sonntag ging es bei astreinem Wettwetter nach Hoppegarten zum „Fashion Race Day“, um mich einerseits beim Pferderennen finanziell zu sanieren und andererseits endlich den ersten Platz beim dortigen Hut- und Modewettbewerb zu machen. Es wollte zwar (vielleicht wegen der beiden überstandenen Partytage) niemand mit, aber wir lassen uns das Singen nicht verbieten, und ich mir das Schicksein erst recht nicht. Ich stylte mich also im Stile der stolzen mexikanischen Escaramuza-Reiterinnen mit breitkrempigem, verziertem Basthut, Tellerrock, Korksandalen und funkelnder Hirschkäferbrosche, und ließ ein Foto von mir neben der Champagnerbar machen. Angeblich werden diese Fotos kurz vor dem letzten Rennen der (angeblich) fachkundigen Jury vorgelegt, die dann über die Gewinner:innen entscheidet.
Aber meine Glückssträhne schien langsam abzureißen. Denn nachdem zunächst keines der von mir präferierten Gäule „Obstler“, „Ginger Cat“, „Hello Ella“ und „Iron Woman“ dahin lief, wo es hinlaufen sollte, wurde ich bei der Modepreisvergabe schnöde übergangen, trotz wütenden „Schiebung!“- und „Skandal!“-Rufen meinerseits. Es gewannen stattdessen ein Obsthut (buh! Hatte Carmen Miranda schon auf!), und etwas das aussah wie ein – immerhin farblich hochinteressanter – Stapel Tuppertöpfe. Die Jury war eindeutig entweder blind, oder hatte mein Foto nicht vorgelegt bekommen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
Glücklicherweise währte mein Verschnupftsein nicht lange – als eine Brass Band mit viel Lungenkraft „Smoke on the water“, „Männer sind Schweine“ und Coldplays „Viva la Vida“ interpretierte, stieg die Laune wieder an. Das war bestimmt nicht der letzte Hut, den ich aus demselben gezaubert habe. Watch out, Hoppegarten, here I ride!
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