Aus dem Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Sieben Sterne und der Frieden auf der Welt
Auf den WM-Trikots herrscht jetzt genauso Frieden wie in Iran. Warum es für Freund Donald dennoch schwer wird, den Friedenspreis zu verteidigen.
15. Juni 2026
F rieden ist so wichtig. Das haben wir in der Fifa allzu lange zu sehr diesem norwegischen Komitee überlassen. Krieg geht gar nicht und auf einem Trikot der Fifa-WM wollen wir so etwas Schreckliches erst recht nicht sehen. Deshalb habe ich den haitianischen Verband umgehend an unsere Vorbildrolle erinnert. Man hat mich dort sofort verstanden. Diese Diskussion um die historische Bedeutung des Trikots gibt es nur in den Medien. Es ging ja einmal drunter und drüber im haitianischen Fußballverband, aber seitdem die Fifa dort ein Normalisierungskomitee eingerichtet hat, kann man mit denen ganz normal reden.
Gianni Infantino ist immer am Ball. Überall. Bei der Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA natürlich erst recht. Da kommt niemand mehr hinterher. Außer der Fifa-Präsident selbst. Vielleicht. Die taz hat Zugang gefunden zu seinem geheimen Tagebuch. Alle Tagebucheinträge finden Sie hier.
Donald hat mich gerade angerufen. Er wollte wissen, ob man den Fifa-Friedenspreis verteidigen kann. Ich habe ihm natürlich gleich zum Frieden mit Iran gratuliert. Schon wieder hat er einen Krieg beendet. Unglaublich! Aber den Preis nächstes Jahr habe ich eigentlich Mohammed bin Salman in Aussicht gestellt.
Frieden ist so wichtig. Wichtig ist aber auch, dass eine Organisation, die so viel für den Frieden macht wie die Fifa, respektiert wird. Deshalb kann es neben den Fifa-Sternen nicht noch diese afrikanischen Sterne geben. Das ägyptische Trikot mit den sieben Sternen für Afrika-Meisterschaften lenkt zu sehr von den wesentlichen Dingen ab. Aber auch das haben die Verantwortlichen schnell eingesehen. Sie wissen, dass sie es nicht mit einem Anfänger zu tun haben. Ich habe schon so früh so viele Grümpelturniere im Wallis organisiert, ich weiß, worauf es ankommt.
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Beste Idee der letzten 50 Jahre
Wenn man was nimmt, muss man auch etwas geben. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass es doch besser wäre, auch die Farbe der Zahlen auf dem Trikot zu verändern. Weiße Nummern sind besser zu erkennen als goldene. Es geht doch um afrikanische und ägyptische Sichtbarkeit. Das sei die beste Idee der letzten 50 Jahre, hat man mich gelobt. Vielleicht sollte die Fifa auch mal in Ägypten ein großes Turnier ausrichten.
Afrikanische Sichtbarkeit ist nach dem Ausschluss unseres hochgeschätzten somalischen Schiedsrichters Omar Artan wichtiger denn je. Das Geschäft können wir nicht der Uefa überlassen, die jetzt Artan für dieses Supercup-Spiel nominiert hat, bei dem eh keiner zuschaut. Billiger Versuch, vom kostspieligen Engagement der Fifa zu profitieren. Seine komplette WM-Prämie zahlen wir ihm, obwohl er kein einziges Spiel pfeift.
Donald hat mir nun bestätigt, dass Artan vor der WM Kontakt zu sehr, sehr schlechten Menschen hatte. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Umso wichtiger wäre es doch, dass er mit den guten Menschen in der Fifa in Kontakt bleibt. Wenn das stimmt, was Donald sagt, wäre das für den Weltfrieden von großer Bedeutung. Aber der hat jetzt mit Iran genug zu tun. Das Spiel heute Abend in Los Angeles zwischen Iran und Neuseeland wäre eigentlich ein schöner Rahmen gewesen, um dieses Friedensabkommen zu unterzeichnen.
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