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Umweltschützer über Teakholz aus Myanmar„Deutsche Behörde sieht sich als Partner der Unternehmen“

Import von Teakholz verbietet sich politisch und gesetzgeberisch. Gemacht wird es trotzdem und Kontrollbehörden schauen weg, sagt Johannes Zahnen vom WWF.

taz: Herr Zahnen, was ist das Problem mit dem Teakholz aus Myanmar, das für die Sanierung des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ verwendet wurde?

Johannes Zahnen: Der Anteil an illegalem Exportholz ist dort sehr hoch. Der Holzhandel wird von den Militärs kontrolliert, der Holzexport vom Staat, in enger Verzahnung. Kritiker dieser Praxis müssen um ihr Leben fürchten. Die Korruption ist extrem. Die Tatsache, dass in Myanmar die Holzherkunft nicht bekannt gegeben wird, macht einen Import in die EU unmöglich, der konform mit der EU-Holzhandelsverordnung ist.

taz: Ein Import von dort hätte sich also eigentlich von selbst verboten?

Zahnen: Politisch und gesetzgeberisch: ja. Aber für ein Schiffsdeck gilt Urwaldteak aus Myanmar technisch als das beste der Welt. Genau das wollte man haben. Alternativquellen hätte es gegeben, der WWF hat dazu Vorschläge gemacht, das interessierte bei der Bundeswehr aber niemanden.

taz: Sie haben als Klägervertreter für den Deutschen Naturschutzring gerade einen Prozess gegen die Behörde verloren, die die Rechtmäßigkeit von Holzimporten wie den für die Gorch Fock kontrollieren soll. Wie haben Sie das erlebt?

Zahnen: Ich war schockiert. Wir beschäftigen uns seit 2018 mit diesem Thema, und schon damals gab es starke Indizien, dass das Teak, das auf der Gorch Fock verbaut wurde, illegal ist. Importeure haben eine Sorgfaltspflicht, die Legalität des Holzes sicherzustellen und nachzuweisen. Die ist hier verletzt worden. Hinzu kommt, dass die Kontrollbehörde, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, den Importeur zwar kontrolliert hat, wobei gravierende Unregelmäßigkeiten zutage kamen, ihn aber nur verwarnt hat. Das Holz wurde nicht beschlagnahmt. Das hat uns sehr gewundert. Zudem war die Kontrolle der Bundesanstalt unvollständig. Sie weigert sich bis heute, zu prüfen, ob das Holz legal ist. Das wollten wir vor Gericht erzwingen lassen.

Im Interview: Johannes Zahnen

58, Umweltingenieur, ist Referent für Forstpolitik beim WWF Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Bekämpfung von illegalem Holzeinschlag und die Kontrolle der weltweiten Holzlieferketten.

taz: Wie bewerten Sie das Urteil?

Zahnen: Ich bin fassungslos. Wir hatten beantragt, dass die Behörde die umfangreichen Illegalitätsvorwürfe jetzt prüfen muss – und auch herausfinden soll, wo das restliche Holz geblieben ist, das damals nicht im Schiff verbaut wurde. Das Urteil sagt nun: Eine Umweltorganisation kann nicht per Gericht erzwingen, dass eine Behörde die Pflichten aus einem Gesetz erfüllt. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Mein Eindruck ist, dass die Behörde sich nicht als Kontrolleur sieht, sondern als Freund und Partner der Unternehmen.

taz: Es lag also ein Pflichtversäumnis der Behörde vor?

Zahnen: Und ein Trick: sie prüft nicht alles. Weil sie das nicht tut, kann die Illegalität nicht festgestellt werden. Und weil sie nicht festgestellt wird, kann die Bundesregierung weiterhin behaupten, das Holz sei rechtlich nicht zu beanstanden.

taz: Obwohl sie selbst zugibt, dass es Urwaldholz ist?

Zahnen: Genau. Die Bundeswehr hat damals erst behauptet, es handle sich um FSC-zertifiziertes Plantagenholz. Später musste sie zugeben, dass das nicht stimmt.

Der Druck auf die Teakwälder, primär für Luxusyachten, ist so groß, dass sie in wenigen Jahren zerstört sein werden. Myanmar hat die dritthöchste Entwaldungsrate der Welt.

taz: Laut Interpol hat bis zu einem Drittel des international gehandelten Holzes einen illegalen Hintergrund, in den Tropen 60 bis 90 Prozent. Was ist die Hauptgefahr daran?

Zahnen: In Myanmar müssen wir vom Äußersten ausgehen: Der Druck auf die Teakwälder, primär für Luxusyachten, ist so groß, dass sie in wenigen Jahren zerstört sein werden. Myanmar hat die dritthöchste Entwaldungsrate der Welt.

taz: Und generell?

Zahnen: Es geht um menschheitsbedrohende Gefahren. Würden wir die Entwaldung stoppen, hätten wir einen großen Schritt gegen die Klimaüberhitzung getan. Und die meisten an Land lebenden Tiere und Pflanzen leben in den tropischen Urwäldern, da ist die Artenvielfalt bedroht. Es gibt mehrere internationale Abkommen dazu. Das sind aber reine Lippenbekenntnisse. Ich kann keine nennenswerten Maßnahmen erkennen, das wirklich ernst zu machen.

taz: Im Vergleich zur Umwelt hat die Wirtschaft in den letzten Jahren politisch fast immer Vorrang gehabt. Oder täuscht das?

Zahnen: Der Eindruck drängt sich auf.

taz: Nach Jahrzehnten Einsatz für den Waldschutz, wie fällt Ihr Fazit aus?

Zahnen: Bis 2013 gab es keine Gesetzgebung zum Schutz der Wälder gegen illegale Holzexporte. Seither haben wir sie, aber sie hat fast keine Wirkung. Wir haben eine EU-Verordnung. Wir haben ein deutsches Gesetz, das sie umsetzt. Und wir haben eine Kontrollbehörde. Aber auf allen drei Ebenen gibt es Schlupflöcher.

taz: Das Verbandsklagerecht, das der Deutsche Naturschutzring in Köln zum Einsatz gebracht hat, steht politisch derzeit stark unter Druck. Fürchten Sie, dass es künftig noch stärker ausgehöhlt wird?

Zahnen: Den Wunsch gibt es sicher. Aber es ist unverzichtbar. Wer soll denn die Rechte der Natur einklagen, wenn nicht die Verbände?

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