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US-Truppen in DeutschlandGoodbye Deutschland

US-Präsident Trump droht erneut, US-Truppen in Deutschland abzuziehen. Die Bundesregierung hüllte sich zuletzt über deren genaue Zahl in Schweigen.

Ramstein im Oktober 1974 – da war die transatlantische Freundschaft noch intakt: Vorbereitung zum NATO-Großmanöver REFORGER 74 Foto: US Army/picture alliance

Donald Trump versucht weiter, die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldat*innen gegen den widerspenstig gewordenen Kanzler Friedrich Merz einzusetzen – doch die Bundesregierung reagiert demonstrativ gelassen. „Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, war absehbar“, erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Samstag. Trump sprach am Wochenende davon, die Zahl der US-Soldat*innen in Deutschland „um weit mehr“ als 5000 zu reduzieren.

Damit verschärfte er die Drohungen, nach dem Verteidigungsminister Pete Hegseth zuvor von einem Abzug von 5000 Sol­da­ten*­in­nen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten gesprochen hatte. Laut US-Militär sind derzeit 86.000 Soldaten in Europa stationiert, davon 39.000 in Deutschland. Diese Zahlen schwanken durch Rotationen und Übungen. Truppenverlegungen gab es auch in der Vergangenheit, ohne größere öffentliche Debatten auszulösen.

Schwerwiegender erscheint, dass die USA offenbar auf eine geplante Neuaufstellung verzichten. Mehrere US-Medien berichten, dass die vor zwei Jahren zwischen Joe Biden und Olaf Scholz vereinbarte Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland zurückgenommen wurde. Dieser Schritt war absehbar, da die Trump-Regierung sich nicht mehr daran gebunden fühlte. Für die Bundesregierung, die an der Stationierung festhielt und sie als Antwort auf russische Raketen in Kaliningrad sah, wirft dies neue Fragen auf.

Die Vereinigung Internationaler Ärz­t*in­nen für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) sieht in der Absage sogar eine gute Nachricht. „Das Ende der Stationierung muss jetzt der Auftakt für Gespräche über Rüstungskontrolle und Abrüstung werden“, erklärte die Organisation. „Die Bundesregierung muss die Chance für einen Ausstieg aus der Hochrüstungsspirale nutzen.“

Merz spielt Konflikt runter

Trumps Inszenierung des Truppenabzugs hat ihren Ursprung in einem Konflikt mit Friedrich Merz. Der Kanzler hatte bei einer Podiumsdiskussion in einer Schule im Sauerland erklärt, die USA würden vom Iran „gedemütigt“ und agierten im Krieg „ohne Strategie“. Der US-Präsident echauffierte sich daraufhin bei Social Media und warf Merz vor, „keine Ahnung“ zu haben. Später forderte er den Kanzler noch dazu auf „mehr Zeit darauf verwenden, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden“, anstatt sich in andere Angelegenheiten einzumischen.

Die Bundesregierung bemüht sich seitdem darum, die Wogen zu glätten. Pistorius sprach davon, dass die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und „besonders in Deutschland“ sei in beidseitigem Interesse.

Ein massiver Truppenabzug, den Trump auch schon während seiner ersten Amtszeit erwogen hatte, würde die globalen Einsatzmöglichkeiten der US-Armee schwächen. Die Luftwaffenbasis im pfälzischen Ramstein und das größte ausländische Militärkrankenhaus der USA in Landstuhl spielen etwa bei der Kriegsführung in Iran eine Rolle. In Wiesbaden befindet sich außerdem das Kommando der US-Armee für Europa und Afrika.

Merz drängte am Mittwoch erneut auf ein Ende des Kriegs im Iran. Dieser habe „unmittelbare Auswirkungen auf unsere Energieversorgung“ und „massive Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“. Trotz seiner Kritik bemühte er sich, den Konflikt mit Trump herunterzuspielen. Das Verhältnis zum US-Präsidenten sei „unverändert gut“, sagte Merz.

Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, sieht in Merz’ Äußerungen ein Problem. „Merz und die Union haben außer weiterer Unterwerfung keine Strategie für diese Partnerschaft“, sagte sie am Sonntag der taz. „Das wird nicht mehr lange gut gehen.“ Was den Truppenabzug angeht, äußerte sie sich zurückhaltend. „Ob die USA wirklich in den kommenden 12 Monaten ein Achtel der in Deutschland stationierten Soldaten abziehen, werden wir sehen.“

Zahl der US-Soldat*innen hat sich zuletzt kaum verändert

Die Diskussion über den Truppenabzug lenkt den Blick auf die Kommunikationsstrategie der Bundesregierung zur Stationierung von Nato-Soldaten*innen. Eigentlich ist es eine Routineabfrage, die aus dem Parlament jedes Jahr an die Bundesregierung gestellt wird: Über Kleine Anfragen machten die Abgeordneten viele Jahre lang öffentlich, wie viele ausländische Truppen in Deutschland stationiert sind.

So lag die US-Truppenstärke hierzulande im Jahr 2022 bei 38.000, 2021 bei 37.550. Hinzu kamen für das Jahr 2022 460 Sol­da­t*in­nen aus Großbritannien sowie jeweils 580 aus Frankreich und den Niederlanden. Umso erstaunlicher ist, dass die Bundesregierung das Parlament und auch die Öffentlichkeit in dieser Frage nun zunehmend im Dunkeln lässt. Doch inzwischen hält die Bundesregierung diese Informationen zurück. Für 2023 stufte sie die Antwort auf eine Anfrage der BSW-Gruppe als Verschlusssache ein und verwies auf „militärisch sensible Informationen“. Dabei sind die Zahlen über das Pentagon weiterhin abrufbar.

Die Bundesregierung ist zwar nicht verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen, muss aber vorliegende Informationen teilen, sofern sie nicht geheim sind. Warum die Truppenzahlen als Verschlusssache gelten, obwohl die US-Regierung sie veröffentlicht, bleibt unklar.

Hat der parlamentarische Staatssekretär gelogen?

Der Linken-Abgeordnete Ulrich Thoden warf der Regierung in einer Bundestagsrede im vergangenen November vor, das Parlament in dieser Frage belogen zu haben. Der parlamentarische Staatssekretär Sebastian Hartmann (SPD) hatte auf eine Anfrage Thodens im August 2025 geantwortet, die Bundesregierung verfüge über keine Erkenntnisse und plane auch nicht, diese einzuholen. Ein Dokument des Auswärtigen Amts zeigt jedoch, dass die Regierung die Zahlen kennt. Hartmann wollte sich auf Anfrage der taz nicht äußern. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums kündigte eine Antwort für die kommende Woche an.

Für Thoden ist die Geheimhaltung symptomatisch. „Derzeit ist kaum eine Kontrolle der Regierung in Verteidigungsfragen möglich“, sagte er der taz. Besonders bei neuen Rüstungsprojekten erhielten Abgeordnete oft keine Informationen zu Zielen, Beständen oder Stückzahlen.

Zwar sieht Thoden ein, dass sensible Informationen geschützt werden müssen, etwa vor der AfD. Doch bei den Antworten gebe es unterschiedliche Stufen, auf Anfragen einzugehen, sagt er. So könne man im Zweifel Antworten als Verschlusssache einstufen, die von den Abgeordneten gesondert eingesehen werden könnten.

Während die Zahl der US-Soldat*innen in Deutschland zwischenzeitlich bekannt sei, bleibt die Stärke anderer Nato-Truppen in Deutschland unklar, sagt Thoden. „Die Bundesregierung muss hier endlich für Aufklärung sorgen, zumal sie damit das öffentliche Sicherheitsempfinden der Bevölkerung positiv beeinflussen könnte.“ Die Präsenz verbündeter NATO-Streitkräfte erhöhe die Abschreckung gegenüber potenziellen Angreifern erheblich.

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16 Kommentare

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  • Was soll die Bundesregierung auch dazu sagen, wenn man selbst im Pentagon keine Ahnung hat was der Plan ist?

  • Die Vorteile überwiegen wenn USA die Stützpunkte in Deutschland räumt

  • Im Artikel geht es doch um die Truppenstärke. Da sie laut Artikel vom Pentagon korrekt angegeben ist. Besteht doch kein Bedarf sie bei der Bundesregierung zu erfragen. Man kann der Bundesregierung nur empfehlen auf diese Veröffentlichungen zu verweisen und keinen Aufwand zu betreiben, die Zahlen selbst zu recherchieren.

  • ""Versteckter Antifeminismus führt direkt ins verteidigungspoliutische Nirwana riskanter Fehleinschätzungen""



    =



    Völlig egal was Ulrich Thoden als verteidigungspolitisches Lichtlein irgendjemandem vorwirft und damit destruktiv heisse Luft produziert deren mediale Abarbeitung nirgendwohin führt.



    =



    Frau und Mann fragt sich wo und warum die europäischen Schwergewichtinnen in dieser wichtigen verteidigungspolitischen Debatte versteckt werden - deren Kompetenz die von Ulrich Thoden um ein vielfaches übertriifft und Thadden helfen würde kommunikativ einen europäischen Weg einzuschlagen.



    =



    Warum werden Sanna Marin, Strategieberaterin und Ex- Präsidentin Finnlands die den finnischen Natobeitritt inszeniert hat, Florence Gaub, Politologin Expertin vom NATO Defense College als auch Claudia Major, Militärexpertin



    und Politikwissenschaftlerin des German Marshall Funds aus der verteidigungspolitischen Debatte klammheimlich versteckt heraus gehalten?



    =



    Ich bin tief erschüttert über die Versuche von zurück gebliebenen Antifeministen Frauen, deren Kompetenz europaweit unbestritten ist, im Abseits verstecken zu wollen. .

  • Die jüngste Entwicklung zeigt,



    wie bereits unten befürchtet,



    eine signifikante Fehleinschätzung durch Merz,



    Wadephul und auch den im Artikel erwähnten Thoden.



    Merz, der gerne als "Außenkanzler" bezeichnet wird, ist in der Außenpolitik genau so ungeschickt, wie in der Innenpolitik.



    Es wäre besser gewesen, die Politik Profis zu überlassen.



    Trump ist natürlich auch ein Totalausfall, doch er hat die Macht,



    nach eigenem Gutdünken zu handeln.



    Dass der US Präsident auf Kritik äußerst dünnhäutig reagiert, sollte nicht nur mir, sondern auch Politikern in verantwortungsvollen Positionen klar sein.



    Leider wird das bereits mehrfach angedeutete deutlich: Kanzleramt, Außenministerium und Wirtschaftsministerium werden von Personen geleitet, die mit ihrer Rolle sichtlich überfordert sind.



    Das war unter der Ampel anders, die in den Krisen gut reagiert hat.



    Darüber hinaus sollte auch Denjenigen, die weiterhin so tun, als sei Sicherheitspolitik etwas, das mit dem Geld anderer Leute geregelt werden könnte, klar werden, wo wir stehen:



    Die USA zieht Truppen ab, die USA überzieht uns mit neuen Zöllen.



    Wir sind zunehmend auf uns selbst gestellt und haben leider nur einen Möchtegern Kanzler.

    • @Philippo1000:

      Wer ist Wir?

  • ""Über die Zahl der ausländischen Kräfte wurde in Deutschland nie ein großes Geheimnis gemacht..."



    =



    Unnötig das zu betonen - war in den letzten Jahren auch nicht nötig. Ulrich Thoden gehört wohl zu denjenigen die aktuell Putin sicherheitsrelevante Informationen zukommen lassen möchte. Warum macht er die Anzahl von US - Soldaten momentan zum Thema - und warum nicht in den letzten Jahren? Was bezweckt Thoden mit der Veröffentlichung der Anzahl von amerikanischen Soldaten in der Bundesrepublik?



    =



    Thoden ist Obmann im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages und verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion ""Die Linke"". Die Zuständigkeit des Bundestagsausschusses entspricht dem Geschäftsbereich des Bundesministers der Verteidigung. Die Aufgabe des Ausschusses besteht darin, mittels seines Selbstbefassungsrechtes eine begleitende und mitsteuernde parlamentarische Kontrolle der Verteidigungspolitik und der Streitkräfte zu gewährleisten.



    =



    Thoden verfügt also über mehr sicherheitsrelevante Informationen als andere - nur darf er sein Wissen als Obmann des Verteidigungsausschusses nicht ungestraft ausplaudern. Und das ist gut so.

    • @zartbitter:

      Natürlich kann man unterstellen, dass solche Fragen gestellt werden, um Putin einen gefallen zu tun. Allerdings muss der nur Trump fragen...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        "Ping - Pong" gildet nicht"



        =



        Es geht nicht um den Massenmörder Putin und auch nicht um den Möchtegernpräsidenten weit unterhalb des Kommunikationsniveaus eines Klomanns.



        Es geht darum zu klären ob Thoden --- wie die agd --- als Verräter tätig werden möchte.

        • @zartbitter:

          Wir haben Behörden und eine Justiz, die für Verrat zuständig sind. Also bringen Sie die Beweise zu denen und die werden tätig.

          Aber natürlich ist es einfacher, mal eben was in Netz zu stellen. Beweise sind ja aus der Mode.

  • Trump hat kein Konzept - außer dem einen, nämlich den Konzernen und seinen Milliardärs-Freunden so viel Profit wie irgend möglich zuzuschustern. Darüber hinaus existiert nur Laienspielniveau. Das ist bei Merz nicht wesenlich anders. Auch er ist zuvorderst an den Wirtschaftsprofiten interessiert, die Bevölkerung -insbesondere die sozial Schwächeren- interessieren ihn überhaupt nicht. Mit alldem geht er keineswegs professinell um, er hangelt sich von einer Peinlichkeit zur nächsten....

  • ... lasst dem erratischen Mann einfach seinen Spass: Dampf ablassen ...



    Da wird nix abgebaut oder geschlossen.



    Machten die USA ernst mit einem Rückzug aus Europa, wären sie auf einem Auge blind. Dann können sie von Diego Garcia aus, den Rest der Welt beobachten.

  • Es ist kein Geheimnis, dass Merz sich für Geheimhaltung in militärischen Fragen ausgesprochen hat .



    Der Bundesverteidigungsminister hat in der Ampelregierung beispielsweise auch stets die Art und Menge der militärischen Unterstützung für die Ukraine genannt.



    Nun wird das nicht mehr veröffentlicht.



    Was Merz betrifft, so steht er sich weiter selbst im Weg.



    Dass er mit seinem Amt überfordert ist, ist kein Geheimnis.



    Ähnlich wie trump redet er spontan über das, was ihm gerade so durch den Kopf geht. Das ist, in beiden Fällen, nicht unbedingt intelligent.



    Wadephul behauptete kürzlich noch, dass die Meinungsverschiedenheiten mit den USA ausgeräumt seien, der Möchtegernkanzler spricht von einem guten Verhältnis zu trump.



    Beides geht völlig an der Realität vorbei.



    Diplomatie heißt eben auch im entsprechenden Moment einfach mal die Klappe zu halten. Nicht einmal dazu scheinen Merz und Co in der Lage zu sein.



    Trump kann sich scheinbar jeden Quatsch erlauben, er bricht so auch einfach mal einen Krieg vom Zaun.



    Wie deutsche Politiker selbstverständlich darauf bauen, dass trump in Sachen US Stationierung plötzlich Vernunft walten lassen sollte ist nicht nachvollziehbar.

  • 1) Warum sollte?



    2) Trump droht immer mit irgendwas. Weltweit

  • Gerne doch. Es ist ohnehin allerhöchste Zeit, sie rauszuschmeißen. Erstens, machen wir uns mit der Beherbergung des US Militärs zum Mittäter im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran. Zweitens, haben die USA erst vor wenigen Monaten im Zusammenhang mit Grönland offen mit Krieg gedroht. Insofern geht von der US Soldaten ein erhebliches Sicherheitsrisiko aus.

  • Ist doch eigentlich nicht so schwer. Wenn Donald wieder mal "droht" Truppen aus Deutschland abzuziehen, bekommt er zur Antwort, dass er seinen Kram packen soll und zu verschwinden hat. 6 Monate Zeit. Dann kann er sehen, wie er die Logistik für seine Abenteuer hinbekommt. Vermutlich ist dann ganz schnell Ruhe.

    Nebenbei ist es angesichts der Amokläufe Trumps auch besser, so wenig wie möglich amerikanische Soldaten im Land zu haben. Im Extremfall kommt er auf die Idee, nicht passende Wahlergebnisse in Deutschland von seinen Truppen "korrigieren" zu lassen...