Venezuelas Öl wird nicht gebraucht: Trumps Öl-„Deals“ in Venezuela werden scheitern
Trump preist Venezuelas Ölreserven an. Doch momentan gibt es zu viel Öl auf den Weltmärkten. Nur ein Land ist vom venezolanischen Öl abhängig: Kuba.
US-Präsident Donald Trump hält es für ein gutes Geschäft, dass er Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro entmachten und nach New York entführen ließ. Großspurig kündigte er an, dass die „sehr großen US-Ölkonzerne, die größten der Welt“ jetzt „Milliarden von Dollar“ investieren würden, um „die schwer zerstörte Infrastruktur zu reparieren“. Die US-Konzerne würden künftig „große Mengen“ Öl „in andere Länder“ verkaufen.
Venezuelas Ölreserven sollen auch das US-Militär finanzieren, falls die Vereinigten Staaten in das Land einmarschieren. Es würde die USA „keinen Penny“ kosten, Venezuela zu besetzen, freute sich Trump. „Das Geld kommt aus dem Boden.“
Allerdings fällt auf, dass die großen US-Ölkonzerne bisher keine Absicht erkennen lassen, massiv in Venezuela einzusteigen. ConocoPhillips ließ wissen, es wäre „noch zu früh, um über künftige Geschäftsaktivitäten oder Investitionen zu spekulieren“.
Die Öl-Konzerne wissen aus Erfahrung, wie gefährlich Investitionen in Venezuela sind. 2007 wurden sie unter Maduros Vorgänger Hugo Chávez faktisch enteignet. Nur Chevron blieb im Land, während ConocoPhillips und ExxonMobil ihr Venezuela-Geschäft aufgaben – und Entschädigungsprozesse vor internationalen Schiedsgerichten anstrengten. Am Ende wurden ConocoPhillips zehn Milliarden Dollar und ExxonMobil mehr als eine Milliarde Dollar zugesprochen, doch Venezuela zahlte fast gar nichts. Für Trump ist die Lage klar: Venezuela hätte „unser gesamtes Öl“ gestohlen, weswegen man es jetzt „zurückholen“ werde.
Öl aus Venezuela ist kein gutes Geschäft
Allerdings ist keineswegs sicher, dass es ein gutes Geschäft wäre, in die Ölproduktion von Venezuela zu investieren. Das Land verfügt zwar über die größten Reserven der Welt, die etwa 17 Prozent aller bekannten Vorkommen ausmachen. Aber es handelt sich vor allem um schweres Öl, das zähflüssig und daher mühsam zu verarbeiten ist. Zugleich entstehen Restprodukte wie Asphalt. Dieser zusätzliche Aufwand führt zu Preisabschlägen. Venezuelas Öl ist auf den Weltmärkten billiger als das sogenannte „leichte Öl“, das sich vor allem im Nahen Osten oder auch in der Nordsee findet. In begrenztem Umfang wird aber auch das schwere Öl gebraucht – vorwiegend für Schmierstoffe und Industriediesel.
In den 1970er Jahren förderte Venezuela noch 3,5 Millionen Barrel Öl am Tag, doch zuletzt waren es nur noch knapp eine Million Barrel, was etwa einem Prozent der globalen Ölproduktion entspricht. Experten schätzen, dass rund 110 Milliarden Dollar investiert werden müssten, damit Venezuela wenigstens wieder zwei Prozent der globalen Ölförderung abdeckt.
Momentan würde zusätzliches Öl aus Venezuela aber gar nicht benötigt, denn auf den Weltmärkten herrscht sowieso Überangebot: Im Jahr 2025 sind die globalen Ölpreise um 22 Prozent gefallen und liegen jetzt bei weniger als 60 Dollar pro Barrel. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass sich dieser Preistrend bald umkehrt.
Dass venezolanisches Öl derzeit nicht gebraucht wird, zeigte sich auch, als Trump im Dezember 2025 verkündete, dass die USA alle Öltanker blockieren würden, die das Land anlaufen oder verlassen: Der globale Ölpreis reagierte überhaupt nicht. Offenbar war es egal, ob venezolanisches Öl fehlt.
Nur Kuba braucht Öl aus Venezuela
Es gibt nur ein Land, das existentiell von venezolanischem Öl abhängig ist: Kuba. Dort machen die Importe aus dem karibischen Nachbarland rund 30 Prozent der sowieso schon knappen Ölversorgung aus. Ihre Ölimporte bezahlten die Kubaner bisher, indem sie Tausende von Krankenschwestern und Ärzten nach Venezuela entsandten.
Diese Ölabhängigkeit will sich das Weiße Haus zunutze machen. US-Außenminister Marco Rubio sagte süffisant: „Wenn ich in Havanna leben würde und in der Regierung säße, wäre ich zumindest ein bisschen besorgt.“ Und Trump erläuterte am Samstag in einem Interview, dass ein Militärschlag gar nicht mehr nötig sei: „Kuba wird von selbst fallen … Es hing immer sehr stark von Venezuela ab. Dort bekamen sie ihr Geld her.“
Die USA wähnen sich als die ökonomischen Sieger, weil sie den venezolanischen Staatschef gestürzt haben. Doch dieses Kalkül ist bisher nie aufgegangen. 2003 marschierten die USA im Irak ein. Machthaber Saddam Hussein wurde gefangen genommen und später gehängt, aber der Irak ist bis heute von Krieg und Terror geprägt. Ähnlich ist es in Libyen: 2011 griff die Nato in den dortigen Bürgerkrieg ein, doch das Land hat sich bis jetzt nicht beruhigt.
Irak und Libyen exportieren weit weniger Öl, als eigentlich möglich wäre, weil sie durch Konflikte gelähmt sind. Dieses Schicksal könnte auch Venezuela bevorstehen.
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