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Venezuelas Öl wird nicht gebrauchtTrumps Öl-„Deals“ in Venezuela werden scheitern

Trump preist Venezuelas Ölreserven an. Doch momentan gibt es zu viel Öl auf den Weltmärkten. Nur ein Land ist vom venezolanischen Öl abhängig: Kuba.

Blick mit Rucksack in den venezolanischen Nationalfarben auf die staatliche Ölraffinerie El Palito in Puerto Cabello Foto: Juan Carlos Hernandez/imago

US-Präsident Donald Trump hält es für ein gutes Geschäft, dass er Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro entmachten und nach New York entführen ließ. Großspurig kündigte er an, dass die „sehr großen US-Ölkonzerne, die größten der Welt“ jetzt „Milliarden von Dollar“ investieren würden, um „die schwer zerstörte Infrastruktur zu reparieren“. Die US-Konzerne würden künftig „große Mengen“ Öl „in andere Länder“ verkaufen.

Venezuelas Ölreserven sollen auch das US-Militär finanzieren, falls die Vereinigten Staaten in das Land einmarschieren. Es würde die USA „keinen Penny“ kosten, Venezuela zu besetzen, freute sich Trump. „Das Geld kommt aus dem Boden.“

Allerdings fällt auf, dass die großen US-Ölkonzerne bisher keine Absicht erkennen lassen, massiv in Venezuela einzusteigen. ConocoPhillips ließ wissen, es wäre „noch zu früh, um über künftige Geschäftsaktivitäten oder Investitionen zu spekulieren“.

Die Öl-Konzerne wissen aus Erfahrung, wie gefährlich Investitionen in Venezuela sind. 2007 wurden sie unter Maduros Vorgänger Hugo Chávez faktisch enteignet. Nur Chevron blieb im Land, während ConocoPhillips und ExxonMobil ihr Venezuela-Geschäft aufgaben – und Entschädigungsprozesse vor internationalen Schiedsgerichten anstrengten. Am Ende wurden ConocoPhillips zehn Milliarden Dollar und ExxonMobil mehr als eine Milliarde Dollar zugesprochen, doch Venezuela zahlte fast gar nichts. Für Trump ist die Lage klar: Venezuela hätte „unser gesamtes Öl“ gestohlen, weswegen man es jetzt „zurückholen“ werde.

Öl aus Venezuela ist kein gutes Geschäft

Allerdings ist keineswegs sicher, dass es ein gutes Geschäft wäre, in die Ölproduktion von Venezuela zu investieren. Das Land verfügt zwar über die größten Reserven der Welt, die etwa 17 Prozent aller bekannten Vorkommen ausmachen. Aber es handelt sich vor allem um schweres Öl, das zähflüssig und daher mühsam zu verarbeiten ist. Zugleich entstehen Restprodukte wie Asphalt. Dieser zusätzliche Aufwand führt zu Preisabschlägen. Venezuelas Öl ist auf den Weltmärkten billiger als das sogenannte „leichte Öl“, das sich vor allem im Nahen Osten oder auch in der Nordsee findet. In begrenztem Umfang wird aber auch das schwere Öl gebraucht – vorwiegend für Schmierstoffe und Industriediesel.

In den 1970er Jahren förderte Venezuela noch 3,5 Millionen Barrel Öl am Tag, doch zuletzt waren es nur noch knapp eine Million Barrel, was etwa einem Prozent der globalen Ölproduktion entspricht. Experten schätzen, dass rund 110 Milliarden Dollar investiert werden müssten, damit Venezuela wenigstens wieder zwei Prozent der globalen Ölförderung abdeckt.

Momentan würde zusätzliches Öl aus Venezuela aber gar nicht benötigt, denn auf den Weltmärkten herrscht sowieso Überangebot: Im Jahr 2025 sind die globalen Ölpreise um 22 Prozent gefallen und liegen jetzt bei weniger als 60 Dollar pro Barrel. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass sich dieser Preistrend bald umkehrt.

Dass venezolanisches Öl derzeit nicht gebraucht wird, zeigte sich auch, als Trump im Dezember 2025 verkündete, dass die USA alle Öltanker blockieren würden, die das Land anlaufen oder verlassen: Der globale Ölpreis reagierte überhaupt nicht. Offenbar war es egal, ob venezolanisches Öl fehlt.

Nur Kuba braucht Öl aus Venezuela

Es gibt nur ein Land, das existentiell von venezolanischem Öl abhängig ist: Kuba. Dort machen die Importe aus dem karibischen Nachbarland rund 30 Prozent der sowieso schon knappen Ölversorgung aus. Ihre Ölimporte bezahlten die Kubaner bisher, indem sie Tausende von Krankenschwestern und Ärzten nach Venezuela entsandten.

Diese Ölabhängigkeit will sich das Weiße Haus zunutze machen. US-Außenminister Marco Rubio sagte süffisant: „Wenn ich in Havanna leben würde und in der Regierung säße, wäre ich zumindest ein bisschen besorgt.“ Und Trump erläuterte am Samstag in einem Interview, dass ein Militärschlag gar nicht mehr nötig sei: „Kuba wird von selbst fallen … Es hing immer sehr stark von Venezuela ab. Dort bekamen sie ihr Geld her.“

Die USA wähnen sich als die ökonomischen Sieger, weil sie den venezolanischen Staatschef gestürzt haben. Doch dieses Kalkül ist bisher nie aufgegangen. 2003 marschierten die USA im Irak ein. Machthaber Saddam Hussein wurde gefangen genommen und später gehängt, aber der Irak ist bis heute von Krieg und Terror geprägt. Ähnlich ist es in Libyen: 2011 griff die Nato in den dortigen Bürgerkrieg ein, doch das Land hat sich bis jetzt nicht beruhigt.

Irak und Libyen exportieren weit weniger Öl, als eigentlich möglich wäre, weil sie durch Konflikte gelähmt sind. Dieses Schicksal könnte auch Venezuela bevorstehen.

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14 Kommentare

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  • "Aber es handelt sich vor allem um schweres Öl, das zähflüssig und daher mühsam zu verarbeiten ist. Zugleich entstehen Restprodukte wie Asphalt. Dieser zusätzliche Aufwand führt zu Preisabschlägen. Venezuelas Öl ist auf den Weltmärkten billiger als das sogenannte „leichte Öl“, das sich vor allem im Nahen Osten oder auch in der Nordsee findet."

    Das verstehe ich nicht so ganz. Muss es dann nicht heißen, dass das venezolanische Öl teurer ist, weil schwerer und mehr Verarbeitung nötig u.s.w. ?

  • Ich habe das etwas anders verstanden: Früher waren die verarbeitungsanlagen in den USA schon vorhanden, die auf das süße Öl umgestellt wurden, aber nicht mit der Effizienz arbeiten können, da an sich die Anlagen auf das schwere Venezolanische Öl eingerichtet war. Mithin werden auf der Seite der USA keine bedeutenden Investitioinen zu tätigen sein. Auf der Seite Venezuelas wird man die Quellen auf Vordermann bringen müssen.



    Da die Preise für Öl Produkte zurzeit im Sinkflug sind. bedarf auch die USA rentierliche Quellen. Und die hatte es in Venezuela und jetzt wieder.



    Von daher halte ich den Artikel für irreführend.

  • Ach, übrigens ist China der größte Abnehmer venezolanischen Öls.



    Da können wir uns doch an Fünf Fingern abzählen, wo der Hase hin läuft.

  • Besonders an der Golfküste, gibt es viele Raffinerien, die für die Verarbeitung von



    Schweröl (wie aus Kanada oder Venezuela) gut gerüstet sind, da fast 70 % der US-Kapazität dafür ausgelegt sind und sie Diesel produzieren. Große Player sind Valero, ExxonMobil und Chevron, wobei Unternehmen wie Valero Energy ihre Vorteile durch die Verarbeitung dieser schweren Sorten ziehen können, da nur wenige Raffinerien dies effizient können.



    Ergo, seine ganzen Wahlkampf Financiers.

  • Bei der fehlgeleiteten Öldebatte sollte man nicht aus dem Blick verlieren: Die Diktaturen wie in Kuba und Venezuela produzieren massive Flüchtlingsströme. Kuba haben in den letzte 5 Jahren über 10% der Bevölkerung verlassen. Insofern ist das Ziel das System zusammenbrechen zu lassen nicht unbedingt falsch.

  • "Irak und Libyen exportieren weit weniger Öl, als eigentlich möglich wäre, weil sie durch Konflikte gelähmt sind. Dieses Schicksal könnte auch Venezuela bevorstehen."



    Die Strategie der Amerikaner ist wahrscheinlich mehr langfristig angelegt und geopolitisch ausgerichtet für Konfliktfälle, die ihre Brisanz deutlich oberhalb der aktuellen Situation mit Venezuela und Kuba haben.



    Wenn der Ölpreis sinkt, werden auch andere Anbieter geringere Margen einfahren.



    Vielleicht ist die Aneignung fremder Ressourcen einfacher als das:



    "US-Innenministerium will Öl und Gas in Nationalpark fördern



    Zusätzlich zur Entscheidung über Izembek kündigte das Innenministerium auch die Öffnung von 1,56 Millionen Acres (ca. 6.000 Quadratkilometer) im Arctic National Wildlife Refuge für die Öl- und Gasförderung an. Das Arctic National Wildlife Refuge ist ein weiterer fast unberührter Lebensraum für Karibus im Nordosten Alaskas. Außerdem will das Innenministerium einen 211 Meilen (ca. 340 Kilometer) langen Industriekorridor namens Ambler Road Project genehmigen, um Zugang zu Kupfer-, Kobalt- und anderen Metallvorkommen für den Bergbau zu erhalten."



    Bei fr.de Oktober 2025



    Hier gab es schon unter Biden Widerstand.

  • Der Beitrag vergisst, dass die Raffinerien an der Golfküste historisch bedingt exakt auf das schwere Öl aus Venezuela ausgelegt sind.



    Die USA fördern im Moment mehr Öl als sie verbrauchen. Jedoch ist ein großer Teil leichtes Öl, welches zum großen Teil nicht einfach so von den US Raffinerien verarbeitet werden kann. Damit die Raffinerien laufen muss schweres Öl importiert werden, zur Zeit aus Kanada und Mexiko. Beiden Ländern hat Trump auch schon mit Invasion gedroht.



    Mit einer venezolanischen Kolonie wären die USA im Öl Sektor komplett unabhängig von ausländischen Schweröl-Importen.

  • Was Ulrike Herrmann evtl. unterschätzt an diesem Überfall auf Venezuela: Trump wollte gar nicht mehr Öl, sondern weniger, um den Ölpreis möglichst hoch = profitabel zu halten, also die Kontrolle zu erreichen, was übrigens auch zu seinen Nigeria-Abenteuern passt. Gleichzeitig schadet ein höherer Ölpreis besonders den Konkurrenten auf dem Weltmarkt, die keinen Zugriff auf die schwarze Soße haben, solange diese noch von Öl und Gas für ihre Industrien abhängig sind. Sonne, Wind und Erdwärme werden den Ölverbrauch und die Profite um ihn langfristig reduzieren, vielleicht haben Merz & Co das in ihrer Einfalt noch gar nicht zur Kenntnis genommen, worum es Trump und seinen Freunden in Russland oder dem Persischen Golf überhaupt geht: Der Zugriff auf Rohstoffe bestimmt die Politik, (was hat Merz da bloß bei 'Black Rock' gelernt) ? Aber auch: Noch sitzen wir mit den armen Kubanern im gleichen Boot, auch sie brauchen Solar und Wind.

  • Ich würde sagen, das ist zu kurz gedacht. Öl ist etwas, das nicht nur Geld bringt. Militär, vor allem die Flotte, schlucken Unmengen an Treibstoff. Und da die USA offenbar ihren Kurs weiter militärisch "untermauern" wollen, brauchen sie viel Treibstoff.

    Außerdem gibt es noch mehr Bodenschätze in Venezuela als nur Öl. Gold, Coltan, seltene Erden?

    Und es gibt noch eine politische Dimension: China und Russland haben ihre Fühler schon lange ausgestreckt und besonders China möchten die USA aus Südamerika raushalten. Trump hat das ja auch mehr als eindeutig gesasgt: wir wollen allen klarmachen, dass Mittel- und Südamerika US-amerikanische Einflusssphäre ist. Da hat niemand etwas zu suchen. Klarer geht's nicht.

    Und nur, weil jetzt, in dieser noch unsicheren Situation, niemand sofort auf den "gravy train" aufgesprungen ist, heißt das noch lange nicht, dass sie es nicht werden, wenn Trump erstmal sein Marionetten-Regime eingesetzt haben wird.

  • Der Verlust von Maduro ist garnicht so tragisch für Venezuela. Der letzte Absatz deutet an, die traurigen Folgen der Intervention für Venezuela stehen erst bevor, weil durch diese Art verantwortungslose Interventionen a la Irak und Libyen Venezuelas auch Maduro aber ebenso den USA geschuldetes Chaos zementiert wird. Die Menschen in Venezuela hätten besseres verdient: Eine unideologische Regierung, weder chavistisch-bolivarisch noch neoliberal a la unsäglich trumpistischer er Nobelpreisgewinnerin. Eine Regierung für die Menschen und die gedeihliche Entwicklung des Landes, der dann auch die dadurch mögliche freiwillige Rückkehr der vielen Venezuelaflüchtlinge der letzten Jahre dienlich wäre.

  • Ich las die Tage einen Artikel, der ziemlich genau das Gegenteil der Aussage plausibilisierte, dass es kein gutes Geschäft für die USA sei, in das venezolanische Öl zu investieren, WEIL es so schwer sei. Tatsächlich würden die USA als weltweit größter Ölproduzent vor allem besonders leichtes Fracking-Öl fördern. Sie benötigten daher schwerere Sorten, die sie teuer importieren müssen, um alle erforderlichen Fraktionen herstellen zu können, insbesondere Diesel.

    • @MeinerHeiner:

      Nach meiner Information nur für Schiffe (dreckige) einsetzbar: "Da es sich um Mischungen aus Schweröl und leichteren Kraftstoffen handelt, können sie auch als schweres Marine Diesel bezeichnet werden. Generell kann Schweröl bei einer Temperatur von 20°C nicht gepumpt werden und muss daher in den Schiffstanks vorgeheizt werden."

    • @MeinerHeiner:

      Der Ölpreis ist doch gesunken, da reicht vielleicht schon weltweite Destabilisierung um günstig an Öl zu kommen.

  • Für Kuba bzw. seine sozialistischen Diktatoren könnte es diesmal tatsächlich eng werden. Alle anderen von Trump erträumten „Benefits“ zu seinen Gunsten dürften sich so wohl kaum ergeben. Aber auch wenn der „Dealmaker“ das so wohl gar nicht beabsichtigt hat, könnten sich die inneren politischen Verhältnisse in Venezuela in der Folge so verändern, dass die Opposition eine echte demokratische Chance bekommt.