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Trotz Dürre und HitzeErnte besser als vom Bauernverband suggeriert

Der amtliche Erntebericht fällt weitgehend okay aus. Agrarminister Rainer sieht dennoch eine Krise und fordert mehr Subventionen für Bauern.

Die Getreideernte fällt dieses Jahr nicht so schlecht aus wie vom Deutschen Bauernverband suggeriert. Der Ertrag aller Getreidearten ohne Körnermais liege im Schnitt bei 69,1 Dezitonnen pro Hektar und entspreche „dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025 (plus 0,4 Prozent)“, heißt es im am Mittwoch veröffentlichten Erntebericht des Bundesagrarministeriums. Dennoch rief Agrarminister Alois Rainer (CSU) eine „Krise nationaler Tragweite“ in der Landwirtschaft aus – und versprach beziehungsweise forderte mehr Subventionen.

Der Bauernverband rechnete in seiner Bilanz vor zwei Wochen wegen Hitze und Trockenheit mit einer „unterdurchschnittlichen Getreideernte“. Der Verband rechnete auch den Körnermais mit, obwohl hier dem Agrarministerium zufolge „Ertragsschätzungen im August noch mit einer größeren Unsicherheit behaftet“ sind, weil er „deutlich später“ als andere Getreidearten geerntet wird. So konnten die Lobbyisten mitteilen, dass der Ertrag über alle Getreidearten 3 Prozent unter dem langjährigen Mittel liege. Zudem stellten sie den wegen der normalen Wetterschwankungen wenig aussagekräftigen Vergleich mit dem Vorjahr in den Vordergrund.

Rainer sagte, die Erntezahlen „dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst die Lage auf vielen Höfen tatsächlich ist“. Das liege auch an den wegen der Kriege in der Ukraine und im Iran gestiegenen Energie- und Düngemittelpreisen. Auf Nachfrage der taz, wieviele Unternehmen tatsächlich in der Substanz gefährdet seien, antwortete Rainer, das müsse „jemand anders“ entscheiden, aber jeder dritte Betrieb habe „Liquiditätsprobleme“.

Deshalb werde ein Liquiditätshilfeprogramm mit zinsgünstigen Darlehen um 300 Millionen Euro aufgestockt – „ohne Nachweis von Notlage und Verwendung“. Ein weiteres Kreditprogramm sei in Arbeit. Sogar ohne zusätzlichen Antrag sollen Betriebe insgesamt 60 Millionen Euro als Ausgleich für höhere Dünger- und Dieselkosten bekommen. Außerdem will sich Rainer für weitere Steuervergünstigungen und Subventionen für Versicherungen gegen Wetterextreme einsetzen.

„Umweltschädliche Subventionen“

Agrarprofessor Sebastian Lakner von der Universität Rostock kritisierte, die Zuschüsse für Dünger und Kraftstoff seien „umweltschädliche Subventionen“, weil sie fossile Energien förderten. Rainer sollte lieber stärker unterstützen, dass Landwirte mehr Fruchtarten anbauen, um die Folgen von Ernteausfällen zu reduzieren. Alfons Balmann von der Universität Halle-Wittenberg bezeichnete die geplanten Maßnahmen als „Vergeudung von staatlichen Mitteln“. Sie würden auch das Problem übertünchen, dass manche Betriebe schlecht geführt seien.

Beide Wissenschaftler erklärten aber ebenfalls, dass der Klimawandel die Ernten belaste. „Wir haben seit 2000 keinen echten Ertragsanstieg gesehen – trotz Züchtungsfortschritt“, sagte Balmann der taz. Lakner wies darauf hin, dass die Ernte regional sehr unterschiedlich und in Süddeutschland schlechter sei. Zudem seien die bundesweiten Zahlen bei Weizen und Raps niedrig.

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