Telefonat zwischen Trump und Putin : Eine Bühne für den Aggressor
Das Telefonat zwischen Trump und Putin enttäuscht. Der US-Präsident verhandelt weder im Interesse der Ukraine noch sucht er das Gespräch mit ihr.
Foto: Evan Vucci/AP/dpa
D as einzig Gute, was über das Telefongespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Diktator Wladimir Putin zu sagen ist: Der befürchtete Verkauf der Ukraine hat bislang nicht stattgefunden, oder wenigstens nicht öffentlich. Ansonsten ist das Ergebnis des Gesprächs niederschmetternd: Der Aggressor Putin ist dank Trump als angesehener Akteur und Verhandlungspartner auf der Weltbühne zurück und sein Kriegsziel, die Existenz der Ukraine als unabhängigem demokratischem Staat auszulöschen, bleibt unangetastet. Und, zumindest von Trump, auch unwidersprochen.
Im Gegenteil: Der überbordende Wunsch Trumps, die Beziehungen zu Russland wieder zu normalisieren, gibt Putin alle Vorteile. Trump braucht einen Waffenstillstand, Putin nicht. Wie Trump es formulieren würde: Putin hat die besseren Karten. Es ist bezeichnend, dass nicht einmal eine gemeinsame Sprachregelung vereinbart werden konnte: Während es in der Erklärung des Kreml heißt, es sei ein 30-tägiger Angriffsstopp auf die Energie-Infrastruktur vereinbart worden, spricht das Weiße Haus davon, der Angriffsstopp betreffe Energie UND Infrastruktur.
Schon die dutzenden Drohnenangriffe in der Nacht zum Mittwoch auf die Ukraine haben gezeigt, wessen Interpretation hier greift. Nun soll dieses zweieinhalbstündige Gespräch lediglich der Anfang von Verhandlungen sein. Die Richtung allerdings zeigt schon jetzt: Da kommt entweder nichts heraus – woraufhin Trump vermutlich der Ukraine die Schuld geben und sie fallenlassen würde –, oder aber Trump und Putin vereinbaren selbst jenen Diktatfrieden, wie ihn die Ukraine immer befürchtet hat.
Wenn es Trump je damit ernst gemeint hätte, durch Druck auf beide Seiten ein schnelles Ende der Kampfhandlungen erreichen zu wollen, dann wäre jetzt genau der Moment dafür, diesen Druck auf Putin aufzubauen. Aber nichts dergleichen passiert. Stattdessen wird vorgeschlagen, US-amerikanische und russische Teams könnten sich doch zu freundschaftlichen Eishockeyspielen treffen. Trump verhandelt über, aber nicht im Interesse der Ukraine.
Die europäischen Verbündeten der Ukraine sind außen vor und weder Trump noch Putin haben irgendein Interesse daran, auch mit ihnen Gesprächs- oder Verhandlungslinien aufzubauen. Dank Trump hat Putin jetzt alle Zeit der Welt, die für ihn günstige militärische Situation weiter zu verbessern. Er wird sich die Chance nicht entgehen lassen. So verständlich der Wunsch nach einem Ende des Tötens ist: Was Trump da initiiert, bewirkt das Gegenteil.
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