Studie zu CO₂-Emissionen von E-Autos: Kein Argument fürs Aus vom Verbrenner-Aus
Ein Bericht der TU München macht Furore. Er zeigt auf, dass E-Autos mehr CO₂ ausstoßen, als die EU angibt. Doch auch der Bericht selbst stößt auf Kritik.
Foto: Christoph Soeder/dpa
Er sorgt für Aufregung unter Verbrenner-Fans: Ein neuer Bericht der Technischen Universität München (TUM) hat ergeben, dass E-Autos 41 Prozent weniger CO₂ verursachen als Verbrenner-Autos. Warum die Aufregung? 41 Prozent weniger heißt auch: E-Autos verursachen überhaupt CO₂. Laut des am Dienstag veröffentlichten Berichts sind sie nicht klimaneutral, weil bei der Produktion und im Recycling von elektrisch betriebenen Fahrzeugen Emissionen entstünden.
In diesem Ergebnis sehen die Autoren einen Irrtum der Europäischen Union belegt: Diese sieht Autos mit elektrischem Antrieb als klimaneutral an. Die EU-Verordnung, die Normen für Kraftfahrzuge festlegt, berechnet nur das ausgestoßene CO₂, also die Abgase während der Fahrt. Wenn Hersteller sich bemühen würden, auch dort Emissionen einzusparen, würde sich das in der Bewertung nicht widerspiegeln – so heißt es im Bericht.
Für Markus Söder (CSU) ist er die Bestätigung für seine Forderung, das Verbrenner-Aus zu stoppen. Noch vor der Veröffentlichung des vollständigen Berichts sagte er der Boulevardzeitung Bild: „Einmal mehr wird klar: Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU. Das belegt jetzt auch die Wissenschaft.“
Die Autoren des Berichts fordern allerdings kein Aus vom Verbrenner-Aus, sondern dass die EU ihre Bewertung von E-Autos überdenken müsse. „Ich appelliere an Parlament und Rat, die laufende Überarbeitung des Automotive Package zu nutzen, um eine verpflichtende, verifizierte Lebenszyklus-Berichterstattung einzuführen“, sagt der Präsident der TUM, Thomas Hofmann, der den Bericht in Auftrag gegeben hatte.
„Elektrofahrzeug ist trotzdem klimafreundlicher“
Dass in der Produktion von E-Autos Emissionen entstehen, überrascht nicht: Der Bericht hat keine eigenen Daten erhoben, sondern die existierende Literatur ausgewertet. Mit dem Schluss, den die Autoren ziehen, sind jedoch viele nicht einverstanden: „Es ist grundsätzlich sinnvoll, den gesamten Lebensweg eines Fahrzeugs sauberer zu machen, einschließlich Herstellung, Energiebereitstellung und Entsorgung“, sagt etwa Moritz Mottschall, Forscher am Berliner Öko-Institut. „Die CO₂-Flottenregulierung setzt jedoch bewusst am Fahrzeug selbst an, also an den Eigenschaften, die Hersteller tatsächlich beeinflussen können.“ E-Autos hätten trotzdem einen Klimavorteil gegenüber Verbrennern.
Michael Müller-Görnert, VCD
„Für uns ist das nichts Neues“, sagt auch Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des Vereins Verkehrsclub Deutschland (VCD), der taz. Es sei immer klar gewesen, dass die Produktion von E-Autos nicht klimaneutral sei. „Aber das Elektrofahrzeug ist trotzdem klimafreundlicher als der Verbrenner, das zeigt die Studie ja auch.“
Die Forderung nach einer Lebenszyklus-Berichterstattung, also der verpflichtenden Auswertung aller im Laufe der Lebenszeit eines Fahrzeugs entstehenden Emissionen, hält er nicht für sinnvoll: „Das wäre unglaublich bürokratisch.“ Besser wäre es, Anreize für die klimaneutrale Produktion von Batterien zu schaffen und erneuerbare Energien auszubauen, damit E-Autos in der Herstellung und im Betrieb noch klimafreundlicher werden können. Außerdem sollte der öffentliche Nahverkehr gefördert werden. „Perspektivisch läuft alles auf den E-Betrieb hin“, ist sich Müller-Görnert sicher.
Im November will die EU eine neue Fahrzeugregulierung beschließen. Das sogenannte Automobilpaket, auf Englisch Automotive Package, steht dann im Europaparlament und im EU-Rat zur Abstimmung. Damit sollen zentrale Weichen für die künftige Regulierung gestellt werden.
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