Steigende Preise bei Öl und Gas: Verbraucherfalle Energie

Heizen wird in diesem Winter teuer. Die Gründe dafür sind komplex. Andere EU-Länder reagieren bereits – auch in Deutschland wächst der Druck.

Mann liefert Heizöl

Schon immer schlecht fürs Klima, jetzt auch für den Geldbeutel: Heizöllieferung Foto: Margit Brettmann/imago

Der anstehende Winter könnte viele Haushalte in finanzielle Bedrängnis bringen. Davor warnen inzwischen nicht mehr nur Verbraucherschützer. Grund sind die massiven Preissteigerungen bei Gas und Erdöl. Das führt zu steigenden Spritpreisen, vor allem jedoch zu Mehrausgaben fürs Heizen.

Das plant Europa: Weil die steigenden Energiekosten sich sowohl für Ver­brau­che­r*in­nen als auch für die Wirtschaft zum Problem entwickeln, wird auf vielen Ebenen nach Lösungen gesucht: An diesem Mittwoch will die EU-Kommission Vorschläge vorstellen, wie die Mitgliedstaaten darauf reagieren können. Auch beim EU-Rat sollen die Energiepreise Thema sein. Erwartet wird, dass finanzielle Untersützungen durch Zuschüsse oder Stundungen erleichtert werden.

Das plant der Bund: Auf Bundesebene wird eine Reaktion derzeit dadurch erschwert, dass die neue Regierung noch nicht im Amt ist. Der scheidende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat die Spitzen von SPD, Grünen und FDP darum zu Gesprächen eingeladen. Angedacht ist unter anderem eine schnellere Senkung der EEG-Umlage.

Das Vergleichsportal Verivox hat die ersten Auswirkungen der Preissprünge auf dem Wärmemarkt schon einmal ausgerechnet. Die bisher von den Versorgern angekündigten Gaspreiserhöhungen liegen demnach bei durchschnittlich 12,9 Prozent. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entspricht dies einem Plus von 189 Euro. „In den kommenden Wochen erwarten wir eine große Preiswelle beim Gas“, sagt Verivox-Experte Thorsten Storck.

Beim Heizöl sieht es für alle, die ihre Tanks zu Beginn der Heizsaison noch nicht gefüllt haben, noch härter aus. Hier errechnet das Portal jährliche Mehrkosten von 735 Euro für einen Musterhaushalt. Denn die Beschaffungskosten für beide Brennstoffe sind geradezu explodiert.

Der Ölpreis hat sich im Vergleich zum Tiefstand im vergangenen Jahr verfünffacht. Der Großhandelspreis für Gas ist ebenfalls in luftige Höhen gestiegen. Die Teuerung wirkt sich auf einzelne Kunden unterschiedlich aus. Das hängt unter anderem mit den Verträgen zusammen, die ihr Versorger mit den Gaslieferanten geschlossen hat.

Preissteigerungen noch nicht spürbar

„Da es sich bei den derzeitigen Preisspitzen um Großhandelspreise handelt, spüren die Ver­brau­che­r:in­nen die derzeitigen Marktbewegungen noch nicht in gleicher Höhe auf ihren Energierechnungen“, stellt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) fest. Das wird sich im Januar schon leicht ändern. Dann steigen die Kosten für die CO2-Abgabe von 25 auf 30 Euro pro Tonne. Diesen Schub geben die Versorger wohl direkt an die Kunden weiter.

So steigt die Gefahr, dass ärmere Haushalte sich das Heizen bald nicht mehr wie gewohnt leisten können. Davor warnt auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Energie dürfe nicht nur etwas für Reiche sein, sagt Verbandschef Gerd Landsberg. Die Bundesregierung müsse finanzschwache Familien unterstützen.

Damit steht der Gemeindebund nicht allein. Der vzbv fordert, bei einem kalten Winter Gassperren vorerst auszusetzen. Denn immer mehr ärmere Haushalte hätten Schwierigkeiten, ihre Energierechnungen pünktlich zu begleichen.

EU-Länder reagieren mit Preisregulierungen

Die Preisexplosion ist kein deutsches Phänomen. In anderen europäischen Ländern reagieren Regierungen bereits mit einer Preisregulierung. Spanien hat Abgaben auf Energie gesenkt. Frankreich deckelt den Gaspreis und will bedürftigen Haushalten 100 Euro überweisen. Italien unterstützt Unternehmen und Verbraucher mit einem Milliardenbetrag.

Auch die EU-Kommission hat das Problem erkannt. An diesem Mittwoch will die Kommission einen „Werkzeugkasten“ vorstellen. Darin enthalten sind jene Instrumente, die nationale Regierungen im Kampf gegen zu hohe Preise einsetzen dürfen. Dazu gehören wohl Direktzahlungen an ärmere Haushalte und Steuersenkungen.

Inwieweit die künftige Bundesregierung aktiv wird, müssen die angehenden Koalitionäre erst einmal klären. Ein Instrument haben FDP und Grüne in ihren Wahlprogrammen schon genannt. Beide Parteien wollen die Einnahmen aus der CO2-Abgabe in Form eines jährlich ausbezahlten Energiegeldes an die Bürger zurückgeben. Ob das angesichts der rasanten Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten reicht und ob das schnell genug geht, darf bezweifelt werden.

Reserven auf niedrigem Niveau

Bleibt die Frage nach den Ursachen des Preisschocks. Ganz genau lässt sich das nicht klären. Nach Angaben von Fachleuten kommen mehrere Faktoren zusammen. Die Nachfrage nach Gas war im Frühjahr insbesondere aus Asien sehr hoch. Schon dies trieb die Preise. Das hohe Preisniveau wiederum sorgte demnach für zurückhaltende Bestellungen der Betreiber von Gasspeichern. Sie hofften auf sinkende Beschaffungskosten.

So blieben die Reserven bis heute auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Das Gas muss zum hohen Marktpreis zugekauft werden. Vermutungen, Russland liefere nicht genügend Erdgas, um die Betriebnahme der Pipeline Nord Stream 2 zu forcieren, lassen sich nicht belegen.

Auf jeden Fall scheint die Abhängigkeit vom russischen Erdgas zu hoch zu sein. So fordert DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert ebenso wie der vzbv den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern.

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