Staycation statt Flugscham: Warum ein Urlaub zuhause auch schön ist
Von der stressfreien Staycation bis zur kostengünstigen Alternative bei Verwandten. So lassen sich auch Hotspots und Overtourism vermeiden.
D ie Sommerferien haben in einigen Bundesländern der Republik begonnen und viele Reiseveranstalter behaupten, die Reiselust der Deutschen sei ungebrochen. Private Umfragen meinerseits haben jedoch ergeben, dass es für den Sommer 2025 zwei ganz andere Reisetrends gibt: Staycation und der Verwandtenbesuch.
Das englische Wort Staycation setzt sich zusammen aus stay (bleiben) und vacation (Urlaub) und hieß früher „Urlaub auf Balkonien“.
Wie man es auch nennen mag: Das Zuhausebleiben hat viele Vorteile: Man muss keine Reiseziele diskutieren, abwägen und vergleichen, nichts umständlich buchen. Urlaub zu Hause kostet nichts, braucht keinen Anreisestress, ist gut fürs Klima und die Nerven.
Denn im eigenen Bett schläft man am besten, Pflanzen und Haustiere sind versorgt, man kann nichts zu Hause vergessen, weil man ja zu Hause bleibt. Dort kann man sich auch am besten vor Hitze und Regen schützen. Es drohen keine Reisekrankheiten, keine Kulturschocks. Staycation hat also viele Vorteile und wenig Nachteile. Der Tapetenwechsel entfällt natürlich, die Reiselust bleibt unbefriedigt, Neues gibt es selten zu sehen.
Kein Meer, keine Abenteuer, keine anderen Kulturen. Um diese negativen Gefühle aufzufangen, hilft es die „No-Lists“ und „Urlaub des Grauens“- Listen anzuschauen, die gerade im Umlauf sind. Da vergeht die Reiselust wie von selbst.
Overtourism und Klimaschuld
Wegen Overtourism zieht man sich diesen Sommer den Zorn der Einheimischen auf Mallorca, den Kanarischen Inseln, Amsterdam, Venedig, Barcelona, Dubrovnik und in Teilen Siziliens zu. In Lissabon sind 60 Prozent der Wohnungen bereits Ferienwohnungen, nicht nur dort trägt die Touristin zur galoppierenden Gentrifikation bei.
Im Mittelmeerraum sind Hitzewellen bis zu 40 Grad möglich, wer nach Ungarn und in die Türkei fährt, unterstützt autoritäre Systeme. Bei USA-Reisen droht Einreisestress. Wer im Fernurlaub Klimaschuld auf sich laden will, sollte beachten, dass die Strände in Bali und Thailand wegen Vermüllung und Wassermangel vor dem Kollaps stehen.
Warum auch in die Ferne schweifen? Denn Deutschland ist schön und seine Landschaften sind typisch. Im landschaftlich schönen Brandenburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ist die Stimmung oft nicht so schön.
Im Norden wiederum der Urlaub so teuer wie am Mittelmeer, das Wetter aber unbeständig. Bayern ist teuer, der Bodensee überlaufen. Es gibt ein Mittel, das Budget zu schonen: Wer seine ländliche Herkunftsfamilie hinter sich gelassen hat und in der Stadt wohnt, kann sich zur Sommerfrische bei der Verwandtschaft einmieten.
Das bringt immerhin einen Tapeten- und Mentalitätswechsel. Der öffentliche Nahverkehr hilft bei der Entdeckung der Langsamkeit, das kulturelle Angebot bei der Entschleunigung.
Und der unüberwindbare Stadt-Land-Gegensatz sorgt für spannende und lebhafte weltanschauliche Diskussionen. Und wer immer noch mit der Staycation hadert, dem sei das berühmte Zitat des ersten Tourismuskritikers Blaise Pascal um 1650 nahegelegt:
„Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.“
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