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Sommerlochtier ist daVon bunten Vögeln

Das diesjährige Sommerlochtier kommt spät, ist dafür aber rebellisch: Pfau Fridolin zerkratzt Autos. Un­ter­stüt­ze­r*in­nen schützen das Tattier.

I rgendwie war bislang ja diesen Sommer der Wurm drin, auch im ganz tierischen Sinne. Die Hitzewellen lassen Mensch und Maus schlapp vor sich hinschmelzen. Selbst das normalerweise verlässlich ab Mitte Juni gelieferte Problemtier für sommerlochgeplagte Medien ließ dieses Jahr verdammt lange auf sich warten. Immerhin, jetzt ist es da, und es ist ein Pfau.

Der heißt Fridolin und marodiert durch eine hessische Kleinstadt mit dem großartigen Namen Großkrotzenburg. Hier krotzt, nein, kratzt Pfau Fridolin am Lack. Und zwar von Autos, und das auch noch ziemlich erfolgreich. Bis zu 3.000 Euro soll der Schaden an manchen Fahrzeugen laut der örtlichen Bürgermeisterin betragen.

Ob Fridolin und seine Pfauenfrau Frida damit ihren Unmut über die SUV-Schwemme inmitten der Klimakatastrophe kundtun oder der Pfauenhahn doch nur auf sein Spiegelbild auf blankpoliertem Blech reagiert, das er als möglichen Artgenossen und damit Konkurrenten sieht, muss einstweilen offen bleiben.

Kein Zutritt für Vo­gel­fän­ge­r*in­nen

Jagen lassen sich Fridolin, seine Frida und die ganze Pfauenbande jedenfalls nicht. Beziehungsweise schlagen sie den Häschern nach ortsamtlicher Auskunft immer ein Schnippchen. Was laut Agentur KNA (Transparenzhinweis: In meinem Hauptjob mache ich den KNA-Mediendienst, und diese Kolumne ist für Christof) auch daran liegt, dass manche menschliche Art­ge­nos­s*in­nen das Scratcher-Paar unterstützen und den Pfauenfängern den Zutritt zu ihren Grundstücken verweigern.

Sollte Pfau Fridolin hier nach dem Motto „Macht kaputt, was euch kaputtmacht!“ eine (verkehrs-)politische Agenda haben, ist er auf jeden Fall in bester tierischer Gesellschaft. Wir alle erinnern uns noch gern an Orca-Lady Gladys. Die wurde im Sommer 2023 auch in den deutschen Medien aktenkundig, weil sie mit ihrer Truppe Jagd auf Renn- und andere Yachten rund um Gibraltar machte.

Das ist schon ein anderes Kaliber als der Goldschakal von Sylt im Sommer 2025, der bloß friedlich-friesischen Schafen ein Ohr abkaute. Oder der Löwe von Kleinmachnow, der sich anno 2023 als renitentes Wildschwein entpuppte. Apropos, vom Killerwels Kuno, der 2001 in Mönchengladbach einen Dackel verschlungen haben soll, haben wir auch schon lange nichts mehr gehört.

Noch ganz andere Vögel

Dafür wurde jetzt rund um die Bayreuther Festspiele eine E-Schwalbe mit einem ganz anderen Pfau drauf gesichtet. Wie das auf Sommerloch-Füllungen spezialisierte Magazin Bunte berichtet, hieß der allerdings Wolfram und kurvte auf dem Gefährt ausweislich der bei Instagram eingestellten Fotos ohne Helm, aber dafür mit Frau Christiane durch den Wagner-Zoo.

Nach Auskunft der Tierschutzorganisation „Kein Schwein fürs Sommerloch“ läuft derzeit ein Auskunftsersuchen nach dem Haber-Verfahren, wie man Pfau Wolfram mit nachrichtendienstlichen Lockmitteln einfangen und wieder in seinen Stall im BKM bringen kann. Damit ihm nicht das gleiche Schicksal wie Kuh Yvonne blüht, die 2011 über drei Monate im Sommerloch verschwand. „Und die doch mit ihrem eigenen Wikipedia-Artikel für uns alle als Mahnmal erhalten bleibt“, sagt die Mitbewohnerin.

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Steffen Grimberg

Steffen Grimberg Medienjournalist

2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, ab 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Seit Juni 2023 Leitung des KNA-Mediendienst. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"
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