Social-Media-Regeln für Jugendliche: Verbietet die Suchtmaschinen
Verbote von Glücksspiel und Rauschmitteln für Jugendliche wirken. Wollen wir junge Menschen schützen, braucht es sie auch für die sozialen Netzwerke.
V on den Jugendlichen unter 18 Jahren rauchen nur noch rund 7 Prozent. Um die Jahrtausendwende waren es noch rund viermal so viele. Diese Zahlen zeigen, dass die Gesellschaft Suchtverhalten von Jugendlichen bekämpfen kann. Auch mit Verboten. Seit 2008 dürfen keine Zigaretten mehr an Jugendliche verkauft werden. Natürlich wird dieses Verbot immer noch umgangen. Natürlich war es nur ein Schritt unter vielen in einer gesamtgesellschaftlichen Debatte. Aber zweifelsohne ein wichtiger.
Kann sich jemand vorstellen, dass Lehrer:innen darüber diskutieren müssten, ob ihrer Schüler:innen während des Unterrichts rauchen dürfen? Oder nur in den Pausen? Natürlich nicht. Doch genau das ist der Stand bei Social Media. Dabei gilt es heutzutage als ebenso sicher, dass Instagram, Tiktok und Co Süchte auslösen. Hunderttausende Kinder und Jugendliche sind laut einer Studie der Krankenkasse DAK süchtig nach Social Media. Der Handlungsbedarf ist offensichtlich.
Jede:r Erwachsene, die mal stundenlang am Handy herum gedaddelt hat, weiß das. Aber Erwachsene haben das Recht auf Rausch. Ganz egal ob Alkohol, Glücksspiel oder Medienkonsum. Sie müssen die Risiken selbst einschätzen. Und tragen. Kinder und Jugendlichen darf man das nicht zumuten. Es reicht, dass sie auf dem Schulhof, der Social Plattform im Real Life, tagtäglich unter dem sozialen Druck stehen, performen zu müssen. Mitzumachen. Nicht anders zu sein.
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Ein Social-Media-Vebot würde hier eine Marke setzen. Es würde die Jugendlichen befreien von der Last, mitmachen zu müssen. Deshalb gehen Australien, Frankreich und Spanien voran. Doch in Deutschland ist die Einsicht eher zäh – wie die Reaktionen auf den Vorschlag der SPD zeigen, die für ein sanftes Social-Media-Verbot plädiert. Kinder würden sonst nie den Umgang mit dem Internet lernen, heißt es dann. Und dass der Fehler bei den Strategien der Konzerne liege. Beides ist nicht falsch.
Aber würde jemand ernsthaft vorschlagen, dass Jugendliche den Umgang mit Tabak durch Praxis selbst erlernen müssten? Oder dass Alkohol an Kids verkauft werden dürfte, weil die Hersteller sie nicht mit kostenlosen Pröbchen anfixen?
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