Totalenergies stellt Profite über Moral: Expansion in Autokratien
Mehr als jedes zweite Öl- und Gasfeld, das der Fossilkonzern erschließen will, liegt in nichtdemokratischen Staaten, viele in Hochrisikoländern.
Der EU-weit größte Öl- und Gaskonzern TotalEnergies setzt weiterhin auf fossile Expansion. Dabei zieht es ihn auch stärker als seine Mitbewerber in autokratisch regierte Staaten, sogenannte Hybridregime zwischen Diktatur und Demokratie sowie Länder mit hohen politischen und ökonomischen Risiken. Das zeigt eine Auswertung der Organisation Urgewald, der Daten der „Global Oil & Gas Exit List“ zugrunde liegen.
TotalEnergies expandiert ohnehin stärker als jeder andere Konzern – aktuell in insgesamt 46 Länder. Und über die Hälfte der neuen Gas- und Ölfelder, die er in der nächsten Zeit erschließen und ausbeuten will, liegen in Staaten, die durch autoritäre Regime, durch Wahlbetrug, Korruption oder schwache Rechtsstaatlichkeit geprägt sind.
Menschenrechtlich besonders umstrittene Projekte unterhält TotalEnergies in Uganda, Irak – oder Mosambik. Das LNG-Pipeline-Vorhaben in Mosambik zeigt dabei exemplarisch, was die Erschließung in solchen Ländern bedeuten kann.
In Zusammenhang damit laufen derzeit in Frankreich zwei Strafanzeigen: eine wegen fahrlässiger Tötung und Hilfeleistung. Und eine wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Folter und Verschleppung von Dorfbewohnern durch mosambikanische Soldaten, die 2021 zum Schutz der Gasförderanlage eingesetzt wurde, als sich der Konzern nach Terrorangriffen zurückgezogen hatte. TotalEnergies hat die Vorwürfe, dafür mitverantwortlich zu sein, immer zurückgewiesen – und die Förderung inzwischen wieder aufgenommen.
Das Geschäftsmodell des Konzerns wird auch von deutschen Banken und Investoren gestützt, darunter DWS, Union Investment, Deka Investment, Allianz Global Investors und die Deutsche Bank. Hier sieht Urgewald einen Ansatzpunkt, Einfluss zu nehmen. Die Finanzpartner müssten ihre Verantwortung für Menschenrechte, aber auch die Klimafolgen dieser fossilen Expansion erkennen und „weitere Gelder für diese brandgefährlichen Geschäfte verweigern“, sagt Energie-Campaignerin Sonja Meister. (bw)
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