Saniertes Konzerthaus: Kiels neues Musikwohnzimmer
Das Kieler Schloss, ein 1960er-Jahre-Bau, erstrahlt nach einer Sanierung im neuen alten Glanz. Die Musikszene kritisiert Preise für Saalbuchungen.
Rotsamtige Sitzreihen, ein dunkler Holzboden mit hellen Streifen – sie zeigen an, welche Teile der Bühne sich zu Podesten heben lassen. Und warmes Gold mit Reliefmustern an der Brüstung der oberen Ränge: Der neu gestaltete Konzertsaal des Kieler Schlosses strahlt in satten Farben. Und der Klang? Grigory Sokolov, als Pianist regelmäßig Gast des Schleswig-Holstein Musikfestivals, nennt den renovierten Saal offenbar seine liebste Spielstätte im Norden: Ja, das dürfe man zitieren, sagt Konzerthausleiter Tobias Scharfenberg bei einem Presserundgang durch sein Haus: „Das hat er mehrfach gesagt.“
Nicht nur Sokolov lobt die Akustik, auch andere Musiker:innen sowie Besucher:innen der ersten Konzerte freuen sich über das wiedereröffnete Kieler Schloss, das nun vom städtischen Theater Kiel betrieben wird.
Die Stadt hat den Bau, der an einer belebten Straße parallel zur Ostseeförde liegt, 2018 von dem früheren privaten Betreiber zurückgekauft. In den vergangenen Jahren flossen rund 47 Millionen Euro in die Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles. Mehr als die Hälfte brachte die Landeshauptstadt selbst auf, dazu kamen 11 Millionen vom Bund und 10 Millionen Euro vom Land sowie private Spenden.
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Für Doris Grondke, Stadträtin für Stadtentwicklung und Bauen, ist die Renovierung des Schlosses ein zentrales Anliegen: Die Achse vom Alten Markt mit der Nikolaikirche bis zum Schloss sei der Gründungskern Kiels, sagt die Parteilose. „Wenn natürlich heute stark überformt.“
Ein Raum nicht nur für Hochkultur
Tatsächlich fragen die meisten Ortsfremden beim Blick auf das Schloss, wo denn hier ein Schloss sei. Dort, wo das heutige Gebäude steht, entstand um 1230 eine mittelalterliche Burg. Sie wurde 1512 zu einem Schloss ausgebaut und im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. 1944 brannte das Gebäude bei einem Bombenangriff aus. Stehen blieb nur der Westflügel, der „Rantzaubau“. Ende der 1950er-Jahre erhielt das Hamburger Architektenbüro Sprotte und Neve den Auftrag, an dem historischen Ort ein „Haus der Landeskultur“ zu errichten.
Es entstand ein Kubus mit großem Veranstaltungssaal, der ausdrücklich kein Raum nur für Hochkultur sein sollte, sondern auch für Hochzeitsmessen, Grünkohlessen, Kabarett und Konzerte aller Art. „Die Kieler lieben diesen Saal“, sagt Architekt Björn Bergfeld vom Kieler Büro bbp, das für die Ausführung der Sanierung zuständig war. Deren Planung lag beim Berliner Büro Gerkan, Marg und Partner.
Ziel der Umgestaltung war, das – inzwischen auch schon denkmalgeschützte – 60er-Jahre-Design zu bewahren, aber in die Gegenwart zu überführen. Das betrifft vor allem das, was die Besucher:innen nicht sehen, oder zumindest nicht auf den ersten Blick: Die Bereiche hinter und über der Bühne etwa entsprechen nun heutigen Arbeitsschutzanforderungen. Energieeffizienz erreichten die Planer:innen durch moderne Dämmung der Glasfassaden und LED-Leuchten, die den Bau nach innen und außen strahlen lassen. Im Saal, der nach dem Umbau barrierefrei zu erreichen ist, sorgen reflektierende Schallsegel unter der Decke für die viel gelobte Akustik.
Nah am Orchester
Geblieben ist die Optik der Fassade, deren Natursteinplatten zum großen Teil erhalten blieben. Und geblieben ist die Nähe zum Orchester, die dem Saal mit seinen – inklusive der Empore – 1.350 Plätzen fast intim wirken lässt. „Wir sind uns bewusst, dass wir hier etwas Besonderes geschaffen haben“, sagt Stadträtin Grundke zufrieden. Auch das Medienecho war positiv: „Meisterhaft saniert“, lobte im April etwa die Frankfurter Allgemeine.
Auch der Landesmusikrat (LMR) freut sich über die neue alte Spielstätte: „Endlich hat Kiel wieder einen einer Landeshauptstadt würdigen Konzertsaal“, sagt Geschäftsführer Hartmut Schröder. Doch ein Misston trübt die Freude des Dachverbands: „Die Preise zur Buchung des Saals haben sich beim Übergang von privater in städtische Trägerschaft vervielfacht“, so Schröder. „Ermäßigter Zugang, wie im ursprünglichen Konzept vorgesehen, wird nur drei örtlichen Trägern gewährt und auch nur für insgesamt unter zehn Belegungen im Jahr.“
Diese Konditionen seien hinter verschlossenen Türen und ohne Rücksprache mit den regionalen Initiativen beschlossen worden, kritisiert der LMR-Geschäftsführer. So gelungen der Umbau also sei: „Nur wenn die regionale Szene abgebildet wird, kann es ein Konzerthaus für die ganze Stadt sein.“
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