Hitzetote und weitere Rekorde: Rückblick auf einen Sommer der Klimakrise
Der Herbst beginnt – und damit endet ein Sommer, der es in sich hatte. Traurige Rekorde gab es bei Temperaturen, Hitzetoten und Niedrigwasser.
Foto: Boris Roessler/dpa
Deutschland hat die Klimakrise diesen Sommer deutlich gespürt: Es herrschte historische Hitze und weit verbreitete Trockenheit – mit schweren Folgen für Gesundheit und Wirtschaft.
Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) war der Sommer 2026 der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnung mit einem neuen Rekord von 41,8 °Celsius in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt. Ansonsten litt besonders der Süden und Südwesten Deutschlands unter einer anhaltenden Hitzebelastung.
Eine große Bedrohung für die Gesundheit: Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt für den Sommer 2026 bis Anfang September 16.000 Hitzetote – ein trauriger Rekord für Deutschland. Allein in der letzten Juni-Woche starben 9.800 Menschen infolge von Hitze. Die Schätzungen des RKI gelten als eher konservativ. Tatsächlich könnte die Zahl der Hitzetoten also noch höher liegen. Klima- und Gesundheitsorganisationen betonen immer wieder, dass besonders vulnerable Gruppen wie alte Menschen und Kinder von der Hitze betroffen sind.
Das Thema des Sommers
Soziale Einrichtungen berichteten wegen der Hitze von Ausnahmezuständen. Auch Schulen kämpften mit den extremen Temperaturen.
Umweltorganisation Greenpeace sieht in der Hitze zudem einen wirtschaftlichen Faktor, und zwar im Negativen. Nach den Schätzungen der Organisation führten die hohen Temperaturen zu Kosten von mindestens 36 Milliarden Euro. Besonders schädlich für die Wirtschaft ist Hitze, weil sie Produktivität einschränkt und zu mehr Arbeitsausfällen führt. Weil sie zahlreiche Krankheiten verschärft, verteuert sie auch das Gesundheitssystem.
Der Klimawandel macht heiße Tage und Perioden wahrscheinlicher. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen veröffentlichte Anfang September einen Bericht, dem zufolge sich das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderhitzung bei 1,5 Grad zu begrenzen, nicht mehr halten lässt.
Forderungen, Forderungen und noch mehr Forderungen
Umweltminister Carsten Schneider (SPD) forderte, Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz aufzunehmen. Damit könnte der Bund die Kommunen finanziell unterstützen und nicht nur Modellprojekte fördern. Die CDU verweigerte sich dieser Forderung bisher.
Die Hitze in Kombination mit niedrigem Niederschlag führte auch zu Trockenheit und Dürre. Ideale Bedingungen für Waldbrände: Laut der Europäischen Kommission sind in der EU seit Jahresbeginn etwa 670.000 Hektar bei insgesamt 2.067 Feuern abgebrannt. Besonders betroffen waren Portugal, Spanien, Kroatien und Italien.
Auch der Wasserstand in den Flüssen setzt Mensch und Natur zu: Der Rhein erreichte einen historischen Tiefstand an allen vier wichtigen Messstationen. Die Binnenschifffahrt war am Rhein stark eingeschränkt und auf der Elbe zeitweise gar nicht möglich.
Das rief den erst eine Woche vorher ins Amt berufenen Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) auf den Plan. Anfang August berief er einen „Niedrigwasser-Gipfel“ ein und verkündete, die Fahrrinne im Rhein vertiefen zu wollen.
Fehlende Erträge und fehlende Bilanz
Um alternative Transportwege zur Schifffahrt zu stärken, setzten fast alle Bundesländer bis Ende August das Verbot für Lkws aus, sonntags zu fahren, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sogar bis Ende September.
Bis heute erholt sich der Rhein nur langsam. Für die Messstelle Kaub im Mittelrhein – am relevantesten für den Schiffsverkehr – prognostiziert die Bundesanstalt für Gewässerkunde erst ab Anfang Oktober einen Anstieg des Wasserpegels.
Auch vor der Landwirtschaft macht der extreme Sommer nicht Halt: Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands sind durch anhaltende Dürre deutschlandweit knapp 7 Prozent der Getreideerträge ausgefallen. Das Bundesagrarministerium geht in seinem Erntebericht dagegen davon aus, dass die Ernte dem Mittel der vergangenen fünf Jahre entspricht. Trotzdem sieht das Ministerium als Konsequenz für kommende Sommer Förder- und Innovationsprogramme sowie erhöhte Direktauszahlungen vor.
Umverteilung gegen rechts
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert