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Reformpaket der Bundesregierung50 Euro für die Mitte

Die Einkommensteuerreform der Bundesregierung konzentriert sich auf kleine und mittlere Verdienste von Eltern. Reiche sollen etwas mehr beitragen.

Eine bescheidene Reform der Einkommensteuer hat die Koalition aus Union und SPD in die Wege geleitet. Beschäftigte mit mittleren Einkommen sollen ab 2028, wenn die Änderungen voll greifen, rund 600 Euro weniger pro Jahr zahlen. Finanzieren wollen Union und SPD das unter anderem mit einer leicht höheren Reichensteuer. Das hat der Koalitionsausschuss am späten Mittwochabend beschlossen.

Bereits in ihrem Koalitionsvertrag hatte die Regierung im vergangenen Jahr geschrieben, dass kleine und mittlere Einkommen ab 2027 entlastet werden sollen. Insgesamt sollen die Entlastungen nun geringer ausfallen als angekündigt – nur auf rund zehn Milliarden Euro jährlich. Der Grund: der strapazierte Bundeshaushalt und das Unvermögen der Parteien, einen Kompromiss zu einer breiteren Gegenfinanzierung zu schließen.

Genaue Zahlen gab es am Donnerstag erstmal nicht. Man sei noch am Rechnen, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Allerdings präsentierte das Haus bereits einige Beispielrechnungen. Ein Paar aus Pflegekraft und Busfahrer, zwei Kindern und zusammen 5.600 Euro Bruttoeinkommen käme auf gut 52 Euro mehr monatlich, etwa 630 Euro zusätzlich pro Jahr. Eine Ingenieurin und ein Lehrer mit zwei Kindern und 10.000 Euro gemeinsamem Bruttoeinkommen hätten 678 Euro mehr. Und eine alleinerziehende Pflegekraft, zwei Kinder, 2.800 brutto, profitierte mit 468 Euro.

Obwohl diese Zahlen einen soliden Eindruck vermitteln, kritisierte Ökonom Stefan Bach: „Dies stellt keine nennenswerte Entlastung der arbeitenden Mitte dar.“ Denn einen Teil der Erleichterung müsse die Regierung sowieso umsetzen, argumentiert der Steuerexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin – wegen der Inflation, die ein höheres Existenzminimum und einen angehobenen steuerlichen Grundfreibetrag erfordere. Dies bedingt auch teilweise den Anstieg des Kindergeldes, das von 259 auf 272 Euro wachsen soll. In den Beispielen des Finanzministeriums macht dieser Faktor einen erheblichen Teil der Entlastung aus. Leute ohne Kinder haben weniger Vorteile.

Der Grundfreibetrag, bis zu dem keine Steuer fällig ist, soll von heute 12.348 Euro „voraussichtlich in zwei Stufen bis auf 12.900 Euro im Jahr 2028“ steigen, schreibt das Finanzministerium. Zudem werden die Steuersätze „zwischen 17.800 und 70.600 Euro“ leicht verschoben, sodass sie erst bei etwas höheren Verdiensten greifen. Diese Entlastung der Mitte liegt im gemeinsamen Interesse von CDU, CSU und SPD. Die Konservativen können verbuchen, dass der Spitzensteuersatz von 42 Prozent auch etwas später einsetzt.

„Einkommensteuerreform der heißen Luft“

Und die SPD rühmt sich, dass sie die Anhebung der sogenannten Reichensteuer durchgesetzt hat. Damit sollen künftig schon ab 250.000 Euro zu versteuernden Jahreseinkommens 45 Prozent Steuer gezahlt werden, nicht erst ab 278.000 Euro wie momentan. Ab 280.000 Euro sollen künftig 47 Prozent entrichtet werden. Dadurch sollen etwa 2,5 Milliarden Euro generiert werden.

Ebenfalls ein Finanzierungsbeitrag: Für Minijobs soll die pauschale Steuer, die die Arbeitgeber abführen, von zwei auf fünf Prozent steigen. Und Dienstleistungen von Handwerkern im Haushalt werden bald nur zu 15 Prozent von der Steuer abgesetzt werden können, nicht mehr zu 20 Prozent wie zur Zeit. Auch das bringt dem Staat gewisse Zusatzeinnahmen.

Die Opposition ließ kein gutes Haar an den Maßnahmen. „Die angekündigten Steuerentlastungen sind eine Mogelpackung für untere und mittlere Einkommen“, bemängelte Grünen-Finanzexpertin Katharina Beck. „Die 20 bis 30 Prozent der Beschäftigten mit den niedrigsten Einkommen zahlen keine Steuern, weshalb dort keine Entlastung möglich ist.“ Und auch für mittlere Einkommen handele es sich um ein Nullsummenspiel, weil die steuerliche Entlastung durch den höheren Rentenbeitrag mehr oder weniger aufgefressen werde, sagte Beck.

Als „Einkommensteuerreform der heißen Luft“ bezeichnete Linken-Politikerin Doris Achelwilm den Plan der Regierung. Die Entlastung für kleine und mittlere Einkommen falle „viel zu gering aus. Statt die niedrigsten Einkommen am stärksten zu entlasten, profitieren vor allem Einkommen um 60.000 Euro.“

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13 Kommentare

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  • In Zeiten mit der niedrigsten Geburtenrate seit, was, 1947 oder so, könnten wir nicht vielleicht auch mal die kinderlosen Haushalte beispielrechnen - oder wäre das zu deprimierend ;-)?

  • Großes TamTam, dann macht es puff und das war`s.



    Ein fatales Signal.



    Aber egal wie es ausgegangen wäre einen Aufschwung hätte es nicht bewirken können, wenn ich den Stein von der linken in die rechte Tasche verlagere bin ich immer noch gleich schwer, aber niemals leichter oder schwerer. Nur beim Geld bildet man sich ein, das könne funktionieren.

  • Schon toll, was da geliefert wird bei der Einkommenssteuer. Wenn es so käme, würde immerhin ein kleiner Teil der sich (dank bevorzugter Belastung von Arbeit zugunsten von Kapitalerträgen) beständig erhöhenden Sozialversicherungsabgaben und der (dank der Bevorzugung von Vermieter*innenintressen zuungunsten von Mieter*innen) sich beständig erhöhenden Mietkosten ausgeglichen - ein ganz kleiner Teil.

  • Welche Pflegekraft arbeitet im Jahr 2026 für 2800 brutto?

  • Die Steuererleichterung ist nidrieger als duie mal wieder ausgesetzte Inflationanpassung der Steuersaetze.



    Effektiv reden wir also von einer Steuererhoehung.

  • Das Geld geht doch für steigende Sozialabgaben drauf. So lange man die Superreichen nicht dazu heranzieht wird das nichts.



    Dank unseres dysfunktionalen Bildungssystem treibt das dann die ganzen "Schlauen" zur AgD.

  • Es ist ein Kompromiss!



    Alle, die jetzt meckern , haben nicht mitgearbeitet oder noch nicht einmal bessere Vorschläge.



    Ich bin positiv überrascht, dass sich Sozialdemokratie und Union in derart vielen Bereichen einigen konnten.



    Entgegen linker Behauptungen lagen die Positionen doch ziemlich weit auseinander.



    Nun ist es ein Geben und Nehmen.



    Dass nicht Alles so bleiben konnte, wie es ist, dürfte angesichts der wirtschaftlichen und daraus folgenden Arbeitsmarkt Situation heraus eigentlich deutlich geworden sein.



    Klar gefallen mir einige Dinge besser als Andere.



    Doch es ist eben Demokratie, wenn unterschiedliche Ideen in ein Ergebnis fließen sollen.



    Der demokratischen Opposition sei empfohlen, sich in der Kritik nicht mit der „afd“ gemein zu machen.



    Wer Demokrat*In sein will, kann nicht immer auf Maximalforderungen bestehen.



    Die Grünen scheinen diesen Umstand bereits vergessen zu haben, die Linke hat die Erfahrung ja eigentlich noch nie gemacht.



    Ich kann eine Arbeitsleistung Anderer durchaus anerkennen.



    Seltsam, dass so Viele nach Anerkennung streben und nur so wenige bereit sind, Abderen RESPEKT zollen.



    Katrin Göring Eckard drückte sich jüngst in der taz ganz ähnlich aus…

    • @Philippo1000:

      Kompromiss, ja mag sein, aber wenn ein Kompromiss die Situation um 50 Euro verschiebt, stellt sich die Frage, war da was?



      Das wird niemand merken, das Signal das ankommt ist aber fatal, große Worte kein Effekt. Hätte man sich vorher überlegen sollen.

    • @Philippo1000:

      Ein Hoch auf unsere Steuerflüchtlinge und Steuerhinterzieher! Ein Hoch auf unsere Tausende von kriminellen Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Steuerprüfer, Banker usw. im Zusammenhang von CUM CUM und CUM EX!! Dann gibt es noch dermaßen viele sinnlose Subventionen usw. !

  • Das ist eine reine Mogelpackung. Von den 50€ pro Monat mehr sind wohl 30-40€ sowieso gesetzlich vorgeschrieben, weil das Existenzminimum steuerfrei sein und das Kindergeld sowieso um 13€ pro Kind steigen muss.



    Und außerdem wird der 1% zusätzliche Rentenbeitragsprozent vermutlich für die meisten höher sein als diese 50€.

    Und als Dankeschön darf dann noch jeder sich am ersten krank zum Arzt schleppen, weil die jeden Arbeitnehmer für einen potentiellen Betrüger halten. Da werden die sich an der Wahlurne für bedanken.

    Die SPD wird in Sachsen-Anhalt nicht mehr in den Landtag kommen. Und in Berlin und im Bund dann nur noch einstellig sein. Und in Mecklenburg-Vorpommern wird die CDU wohl eher mit der AfD koalieren als mit SPD und Linken.

  • Alles im wesentlichen Kleinkram bei diesen Reformen. Richtig Geld hätte man mit der überfälligen Pensionsreform gespart. Pensionen von Beamten sind in etwa doppelt so hoch wie Renten. Das ist schreiend ungerecht und keinem Menschen mehr zu vermitteln. Zudem steigen die Pensionslasten erschreckend an, ca. 2 Billionen Euro an zugesagten Pensionen sind die reinste Bombe für zukünftige Bundes- und Landeshaushalte. Es gibt so gut wie keine staatlichen Rücklagen dafür, alles rein steuerfinanziert. Interessiert die Rentenkommission, CDU und SPD aber nicht. Alles Politiker, hohe Beamte und Professoren, die später wohl nicht eine Rente beziehen werden.

    • @KLaus Hartmann:

      Ich würde dafür eintreten, die Renten in Richtung Pensionen zu erhöhen und stärker aus Steuermittel zu finanzieren.



      Im OECD-Durchschnitt ist die Rente 15 Prozentpunkte höher als in Deutschland, in unseren Nachbarländern um etwa 30 Prozentpunkte. Besonders Geringverdiener schneiden bei uns sehr schlecht ab.

      Geld ist mehr als genug da: Allein im letztem Jahr haben die reichsten Deutschen ihr Vermögen(!) um 30% mehren können. Ich hätte ja mit einem leichten Verlust gerechnet, wegen Krise, schwächelnder Wirtschaft und so.

      • @Limonadengrundstoff:

        "Ich hätte ja mit einem leichten Verlust gerechnet, wegen Krise, schwächelnder Wirtschaft und so."

        Wer nicht nur Geld hat, sondern auch nur einen Funken Verstand, investiert es nicht in Deutschland - und dann ist nannte nicht von "Krise, schwächelnder Wirtschaft und so" betroffen...