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Klingbeils Steuerreform Man grenzt sich lieber ab

Tobias Schulze

Kommentar von

Tobias Schulze

Es hagelt Kritik an der Einkommensteuerreform. Dabei geht es aber weniger um sachdienliche Hinweise, sondern eher um die Angst vorm eigenen Absturz.

S chlechte Nachricht für Schwarz-Rot: Es dauert noch knapp sechs Wochen, bis die Landtagswahlen für dieses Jahr durch sind. Wohlfeile Kritik von Wahl­kämp­fe­r*in­nen aus den eigenen Reihen muss die Koalition also noch eine Weile aushalten. Die Debatte um die abschlagsfreie Frührente („Rente mit 63“) war nur der Anfang: Koalitionsabgeordnete und Regierung hatten sich im Juni auf ihr Ende verständigt – Spit­zen­kan­di­da­t*in­nen von SPD und CDU in den Ländern griffen den Plan jüngst aber fundamental an.

Mit den Regierungsplänen zur Einkommensteuer geht es jetzt weiter: Im Juli einigte sich der Koalitionsausschuss auf Eckpunkte einer Minireform, jetzt setzt SPD-Finanzminister Klingbeil diese um – und die Union geht ihn dafür an. Vorneweg Daniel Peters, Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, der angesichts einstelliger Umfragewerte dringend Publicity braucht und Klingbeil via Bild faktenwidrig des „Wortbruchs“ bezichtigt.

Nun ist Kritik zwar auch unter Ko­ali­ti­ons­part­ne­r*in­nen erlaubt. Eine Regierung liefert auch nicht unbedingt bessere Ergebnisse, wenn sie Entscheidung vom Zentrum aus durchdrückt, statt Perspektiven aus den Regionen ernst zu nehmen. Und die Pläne der Koalition lassen sich durchaus kritisieren – bei der Einkommensteuer etwa dafür, dass trotz großer Entlastungsversprechen vielfach nicht mal die steuerlichen Folgen der Inflation ausgeglichen werden.

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Bei den aktuellen Attacken aus den Ländern geht es aber offensichtlich nicht um sachdienliche Kritik. Das Entscheidende geht ihnen nämlich ab: Vorschläge zur Gegenfinanzierung der jeweiligen Forderung. Klar, im Wahlkampf will man sich schließlich keine Gegner machen. Verantwortungsvoll ist das nicht, taktisch auch nicht erfolgversprechend: Ein Ziel der Kritik an Berlin ist offensichtlich auch, sich vom negativen Bundestrend der eigenen Parteien abzukoppeln. Im Ergebnis könnte ebendiese Kritik den Negativtrend aber noch verstärken – und die Wahl­kämp­fe­r*in­nen in den Ländern noch weiter mit nach unten reißen.

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Tobias Schulze

Tobias Schulze Parlamentskorrespondent

Geboren 1988, arbeitet seit 2013 für die taz. Schreibt als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen sowie Sozial- und Arbeitspolitik. Leitete zuvor das Inlandsressort.
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