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Reform der Notfallversorgung Gut, aber nicht gut genug

Sean-Elias Ansa

Kommentar von

Sean-Elias Ansa

Rettungsdienste sind mittlerweile selbst Notfälle: überlastete Einsatzkräfte, übervolle Notaufnahmen. Neue Notfallzentren sollen Abhilfe schaffen.

D as medizinische Notfallsystem ist überlastet: viele Einsätze, erschöpfte Rettungskräfte, überfüllte Notaufnahmen. Eine Reform soll jetzt Abhilfe schaffen, der Bundestag hat am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Vielerorts ähnelt ein 12-Stunden-Dienst auf dem Rettungswagen Leistungssport: Pausen sind selten, Essen nur zwischendurch möglich. Kaum steht das Fahrzeug in der Garage, geht der Pieper erneut los. In der Notaufnahme setzt sich die Überlastung fort: Personal ist überarbeitet, Wartezimmer sind überfüllt.

Das Problem wird verschärft durch Patient:innen, die einen Arzt brauchen, aber keine Notfälle sind. Nur wissen sie nicht mehr, wohin sie sich wenden sollen, weil sie wochenlang vergeblich auf einen Termin in der ambulanten Versorgung warten. Oder erst gar nicht als Patienten angenommen werden. So ist ein Ansatz der Notfallreform, den Rettungsdienst mit der Ambulanz zu vernetzen; es sollen integrierte Notfallzentren geschaffen werden. Dort sollen Pa­ti­en­t:in­nen sowohl eine Notaufnahme als auch eine Notdienstpraxis vorfinden.

Klingt gut, birgt aber eine Gefahr: Medizinisches Personal soll künftig entscheiden, wer ambulant versorgt werden kann und wer einen Rettungswagen braucht – eine große Verantwortung, bei der kein Fehler unterlaufen darf. Gleichwohl könnten sich die Arbeitsbedingungen der Einsatzkräfte leicht verbessern, wenn eine bessere Steuerung der Pa­ti­en­t:in­nen zu weniger Einsätzen führt.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Insgesamt ist die Reform ein erster Schritt, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Allerdings konterkarieren andere Gesetzesvorhaben die Ziele der Notfallreform. So sorgt die Krankenkassenreform, mit der die Finanzlücke der Kassen verringert werden soll, für neue Lücken bei der ambulanten Versorgung. Manche Ärzt:innen, die dann weniger verdienen würden, haben bereits angekündigt, künftig weder neue Pa­ti­en­t:in­nen aufzunehmen, noch zusätzliche Dienste anzubieten. Salopp formuliert: vorn aufgebaut, hinten wieder eingerissen.

Sean-Elias Ansa

Sean-Elias Ansa CvD/ freier Redakteur

Gefördert durch die taz Panter Stiftung, wurde Sean-Elias Ansa in der taz ausgebildet. Sein Themenschwerpunkt ist Armut. Er recherchiert ausdauernd und hat seine Liebe für Datenanalysen entdeckt. Aktuell arbeitet er für taz.de als Nachrichtenchef und CVD. In dieser Funktion setzt er die Themen auf der Webseite und verantwortet die Ausspielung der Texte mit.
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4 Kommentare

  • MelPrei

    Die Krankenhausreform hat nichts mit den ambulanten Ärzten zu tun. Das ist das Beitragstabilitätsgesetz, das die Gelder in der ambulanten Versorgung kürzt. Die Schlussfolgerung passt natürlich trotzdem. Die Notfallreform sorgt aber auch selbst für weniger ambulante Versorung. Es sind ja die vorhandenden Praxisärzte, die das leisten sollen, während ihrer eigentlichen Sprwchstundenzeit und darüber hinaus. Da bleibt die Praxis dann halt tageweise zu. Also deutlich weniger Termine vor allem in den Facharztpraxen. Wer ins INZ geht muss dann natürlich beten, dass zufällig genau der Facharzt Dienst hat, der das Problem auch lösen kann.

  • DiMa

    Na ein erster richtiger und wichtier Schritt wäre es, bei Nichtnotfällen gleich erst mal vorab eine Gebühr zu kassieren, bevor der Ritt ins Krankenhaus mit dem RTW absolviert wird.

  • Philippo1000

    Es ist schon seltsam, dass jede Reform



    sofort kritisiert wird.



    Teil des Problems sind übrigens die "Patienten", die aus teilweise nichtigen Anlässen Notfallversorgung beanspruchen und somit Arbeitskraft, die an anderer Stelle akut und notwendig gebraucht wird, blockieren.



    Dass der Zugang gefiltert wird, ist notwendig und natürlich sind Entscheidungen in diesem Bereich immer schwerwiegend.



    Das ist Teil des Jobs.

  • Bolzkopf

    Könnte der Facharztterminmangel mit der Anzahl der Notarztkonsultationen korrelieren ?

    Oder anders gefragt: Könnte es da gar einen Proportionalitätsfkator geben ?

    Es könnte ja sein, unter Umständen, vielleicht, man weiß es nicht, dass die Beschwerden einfach schlimmer und schlimmer und irgendwann unerträglich werden derweil man dem Facharzttermin "entgegenfiebert" ?

    Und vielleicht verschlimmert sich ja so manche Erkrankung sogar während der Wartezeit auf einen Arzt ...

    Aber das Problem sind natürlich nicht die Facharzttermine. Nein - die Patienten sind schuld.

    Und mehr Ärzte ausbilden ?



    Doch nicht hier in Deutschland !



    Wir haben ja schließlich keine Planwirtschaft ;-{