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Reaktionen aus der Zivilgesellschaft„Wir müssen jetzt zusammenbleiben“

Schock, Trost, Widerstand: Nach dem AfD-Wahlsieg fühlen sich Menschen in Sachsen-Anhalt verängstigt oder bedroht – und antworten mit noch mehr Gemeinschaft.

B ettina Schlauraff, Regionalbischöfin, Magdeburg

Die ersten Reaktionen aus den Gemeinden sind vor allem: Schreck und Traurigkeit. Viele sind auch wütend oder haben Angst. Da war viel Trostspenden und Mutmachen nötig am Montag. Es gab dann aber auch gleich das Gefühl: Wir werden weiter an der Seite derjenigen stehen, die uns nun erst recht brauchen könnten. Wir werden weiter die Stimme erheben für Menschen, die von Diskriminierung durch die AfD betroffen sind. Wir werden schauen: Wo braucht es uns als Safe Space? Auf Social Media genauso wie vor Ort in den Gemeinden.

Ich lebe unfassbar gerne hier in Sachsen-Anhalt. Das macht die Sache auch so kompliziert. Das sind ja keine fiesen Typen, über die jetzt berichtet wird, sondern das sind auch Nach­ba­r*in­nen oder Be­su­che­r*in­nen unserer Kirchenkonzerte auf den Dörfern. Das macht den Dialog natürlich nicht einfacher. Wir dürfen uns aber nicht scheuen, diese Widersprüche auszuhalten. Wir dürfen nicht aufhören zu fragen: Was ist los mit dir?

Die Aufmerksamkeit, die auf diesem Bundesland lag in den letzten Wochen, hat den Menschen unglaublich gutgetan. Dass Promis hierhergekommen sind im Wahlkampf. Dass Journalisten gefragt haben: Wie geht es euch? Es ist wichtig, dass diese Aufmerksamkeit nun nicht nachlässt. Es gibt hier dieses Bedürfnis, wahrgenommen zu werden.

Die AfD könnte den Kirchengemeinden ganz konkret schaden, indem sie die Haushaltsmittel kürzt. Das wäre rechtswidrig und wir würden gerichtlich dagegen vorgehen – was aber dauert. Es könnte also bedeuten, dass es schwere Einschnitte gibt, dass wir Einrichtungen schließen müssen.

Was mir Mut macht: Es hat sich in den letzten Monaten hier eine sehr stabile Zivilgesellschaft gebildet, auf die man sich nun gut stützen kann. Eine Zivilgesellschaft, die widersprechen wird. Diese Netzwerke tragen, und sie werden uns emotional zusammenhalten. Es gibt mehr Menschen, die sich nun für die Arbeit der Kirche interessieren. Es gibt junge Menschen, die sich nun für Politik interessieren. Darin liegt etwas wahnsinnig Hoffnungsvolles. Anna Klöpper

Igor Matviyets, Antirassismusberater und Mitglied der Jüdischen Gemeinde, Halle

Am Sonntag haben Hunderttausende für Inhalte gestimmt, die allem widersprechen, für das ich stehe: Solidarität, Zusammenhalt, Teilhabe. Ich bin Jude, ich bin Migrant, meine Existenz hier ist per se politisch. Fast jeder zweite Wähler im Land will nicht, dass Menschen wie ich hier unser Leben aufbauen. Auch ganz ohne die Repression, die jetzt droht, ist das beklemmend.

Ich bin unsicher, ob wir wirklich jedes Worst-Case-Szenario ausbuchstabieren sollten. Unsere Demokratie hat auch Schutzmechanismen – auch wenn wir sie bisher vor allem aus der Theorie kennen. Es gibt keinen Präzedenzfall für das, was jetzt droht.

AfD und BSW haben im Wahlkampf den Wunsch bedient, dass für alle Probleme der Menschen hier jemand anderes verantwortlich ist. Aber die demokratischen Parteien haben dem keine eigenen Visionen für ein besseres Leben in Sachsen-Anhalt entgegengesetzt. Sie haben nicht mit Inhalten geworben, sondern nur damit, die AfD zu verhindern. Dabei lebt doch Demokratie davon, auch inhaltlich zu streiten.

Ich glaube, vielen Menschen hier in Sachsen-Anhalt ist gar nicht klar, was sie da mit ihrer Stimme ins Wanken gebracht haben. Und sie werden auch nicht diejenigen sein, die die drohende radikale Veränderung als Erste zu spüren bekommen. Das werden jene sein, die ohnehin im Fokus ja nicht nur der AfD stehen und die sich ständig erklären müssen. Zum Beispiel Menschen mit Migrationsgeschichte.

Viele von uns Mi­gran­t*in­nen sind eigentlich die größten Verfassungspatrioten. Ich weiß um den Wert, dass meine Familie und ich hier leben, in Deutschland, in Sachsen-Anhalt. Ich komme aus der Ukraine. Dort müsste ich jetzt an die Front. Die Hälfte der Menschen hier hat für Parteien gestimmt, die sich von der Ukraine entsolidarisieren und die Menschen dort dem Angriff Russlands ungeschützt überlassen wollen. Das ist schmerzhaft. Viele verstehen gar nicht, was es für ein Privileg ist, in Demokratie und Frieden hineingeboren zu werden – und das sieht man auch an solchen Wahlergebnissen. Dinah Riese

Ursula Beckmann, Selbstvertretung für Menschen mit Behinderung, Magdeburg

Die AfD kommuniziert offen, dass wir Menschen mit Einschränkungen, auch mit unsichtbaren Erkrankungen oder Behinderungen, für sie nicht in die Mitte der Gesellschaft gehören. Sie will uns wieder an den Rand drängen, am besten ganz verschwinden lassen. Alle in ein Heim mit Tür zu und Schlüssel weg, so ungefähr.

Man denkt auch über Möglichkeiten nach, was ist, wenn man nicht mehr adäquat versorgt wird. Ich sag mal so, ich habe immer genug Medikamente zu Hause. Das kann eigentlich nicht im Interesse einer demokratischen Gesellschaft sein. Ich kann auch kein Mitgefühl empfinden, wenn Leute aus Protest die AfD wählen. Wir können doch keine Rechten machen lassen. Wir haben doch gesehen, was passiert ist, als Hitler machen durfte.

Stattdessen täte es Deutschland gut, wenn wir unsere Netzwerke wieder mehr ausbauen würden. Wenn sich die Nachbarsfamilie wieder mehr um die ältere Dame kümmern würde. Oder die ältere Dame auch wieder mal auf Kinder aufpassen dürfte. Wenn nicht extra der Pflegedienst kommen muss, weil sie eine Flasche Milch braucht oder Ähnliches. Mehr Unterstützung in der Nachbarschaft und im Umfeld könnte viel Geld sparen und wäre gleichzeitig ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Clara Dünkler

Robert Fietzk, Soziokulturelles Zentrum Zora, Halberstadt

Ich bin nicht überrascht, dass die AfD die Wahl gewonnen hat, aber dass es so schlimm wird, hätte ich nicht gedacht. Noch am Samstag haben wir das Demokratiefestival in Magdeburg veranstaltet. Ich kann mich nicht erinnern, den Domplatz schon mal so voll gesehen zu haben – und am nächsten Tag dann dieses Wahlergebnis. Das tut sehr weh.

Schon jetzt sieht man, wie es in den Medien mit der Normalisierung der AfD weitergeht. Rechtsextreme sitzen bei „Hart aber Fair“, als wäre das normal. Der erste SPD-Landrat möchte mit der AfD zusammenarbeiten. Die letzten Reste der Brandmauer werden gerade mit unfassbarem Tempo abgetragen. Und wenn man Merz zuhört, wird einem schlecht. Wie kann man nach so einem Wahlergebnis sagen, dass man an den geplanten Sozialreformen festhalten will?

Unser soziales Zentrum Zora ist einer der wenigen Safe Spaces für PoC-Personen, queere Menschen und Geflüchtete in der Region. Das ist eine große Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen. Jetzt müssen wir die rund vier Wochen nutzen, bis sich der Landtag konstituiert. Die Nazis warten nur darauf, dass die AfD die Polizei übernimmt und sie freie Bahn haben.

Viele denken darüber nach, zu gehen. Das ist auch total nachvollziehbar, auch ich hatte den Gedanken schon. Aber ich werde bleiben. Die AfD ist ja auch in den anderen Bundesländern stark, da kann man auch gleich bleiben und fortführen, was wir aufgebaut haben. Frederik Eikmanns

Annegret Laabs, Leiterin des Kunstmuseums Magdeburg

Nach der Wahl kann die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Aber wir in den Kultureinrichtungen, wir werden natürlich zur Tagesordnung zurückkehren, denn wir sind das Rückgrat der Gesellschaft. Wir sind dafür da, die Menschen aufzufangen und ihnen zuzuhören. Kunst und Kultur sind immer frei, und das bleibt auch so. Kultureinrichtungen, Museen, Theater, Bibliotheken, Musikhäuser sind wichtig als Orte der Begegnung.

Ständig wird gesagt, die Menschen hätten die Kultur abgewählt, aber die Menschen haben nicht die Kultur abgewählt. Das, was im Wahlprogramm der AfD steht, ist von vielen nicht gelesen worden, da bin ich ganz sicher.

Direkt nach der Wahl haben wir gemeinsam in der Kultur überlegt: Was bedeutet das für uns? Wir haben fest geplante Kulturangebote in unseren Häusern. Nun geht es eher darum, wie wir in Zukunft agieren werden. Für uns ist freie Kunst politische Kunst, alles andere ist Dekoration, Unterhaltung – kann man machen, ist aber etwas anderes und nicht Kunst. Im AfD-Wahlprogramm ist die Rede von „deutschdenken“ und Patriotismus. Doch was soll das überhaupt sein? Wir sind alle so lange in Kunst und Kultur tätig, dass wir wissen: „deutschdenken“ gibt es gar nicht und „national“ denken geht genauso wenig.

Wir sind auch mit unseren Kol­le­g:in­nen in anderen Ländern, mit rechten Regierungen im Gespräch. Wir lernen voneinander Resilienz. Viele Menschen haben Zukunftsangst und das ist schrecklich. Im Kulturbereich kann man dagegensteuern. Kunst ohne Zensur, ohne Einschränkung. Dafür steht das Netzwerk Kultur, Vielfalt und Heimat. Dabei ist das Miteinander wichtig. Wir müssen zusammenbleiben für unser Publikum. Clara Dünkler

Christiane Lähnemann, Oma gegen rechts, Magdeburg

Als Initiativen, sowohl Omas gegen rechts als auch das Bündnis Solidarisches Magdeburg, werden wir weitermachen wie bisher und weiter aktiv sein. Am selben Abend sind mehrere Menschen auf uns zugekommen, die bei beiden Initiativen mitmachen wollen. Denn jetzt sind viel mehr Menschen entsetzt und wollen sich engagieren. Unsere Aufgabe für die nächste Zeit wird es sein, zu überlegen, wie wir diese Menschen gut einbinden können, damit dieses Entsetzen auch in langfristiges Engagement mündet.

Ganz konkret haben wir für den kommenden Samstag die nächste „Prüf“-Demo geplant, die an jedem zweiten Samstag im Monat stattfindet – als Antwort auf die Wahlergebnisse und um zu zeigen, was die lokale Kulturszene alles zu bieten hat. Liedermacher und Kabarettisten aus Sachsen-Anhalt werden dabei sein. Bisher waren um die 1.000 Leute bei den Demos, jetzt werden es mehr werden, denke ich.

„Heute trauern wir, morgen kämpfen wir.“ Das hat Luisa Neubauer in einem Statement nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse gesagt und das ist auch unsere Haltung. Timur Vorkul

Philine von Radio Corax, Halle

Wir sind alle fassungslos. Ich bin fassungslos. Die Prognosen unterscheiden sich ja im Wesentlichen nicht von dem, was nun tatsächlich eingetreten ist. Aber es fühlt sich einfach noch mal anders an. „Realität kickt anders“, haben wir das am Montag genannt.

Diese Realisierung, dass so eine große Anzahl von Menschen sich von dem ganzen Hass in den Wahlprogrammen nicht abschrecken lässt, ist für uns schwer zu ertragen und lässt uns einigermaßen resigniert zurück.

Gleichzeitig sind wir füreinander da. Wir wollen vor allem diejenigen im Blick haben, die von diesem Hass direkt betroffen sind. Wir haben einige Leute bei uns im Sender, die das betrifft. Das sind einerseits Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung in der Redaktion „Common Voices“. Manche von ihnen sind gemeint, wenn lauthals Abschiebungen gefordert werden. Es sind aber auch Menschen, die in ihrem Alltag behindert werden, die bei uns senden. Auch sie können in den Fokus einer völkischen Ideologie geraten.

Unsere Sendelizenz läuft noch einige Jahre. Wir sind also zuversichtlich, dass wir weiter Radio machen können. Wir werden weiter kritisch berichten und dokumentieren, was in diesem Bundesland passiert. Und wir werden weiter an unserer Unabhängigkeit arbeiten und unsere Kampagne für die Mitgliedschaft im Freundeskreis von Corax aufbauen.

Sie funktioniert aktuell sehr gut. Anfang des Jahres sind wir bei rund 200 Mitgliedern gestartet, mittlerweile sind es rund 850. Das ist ein unglaublicher Zuwachs und ein großartiges Zeichen aktiver Solidarität! Es ist dieser Zuspruch, der uns gerade Mut macht. Auf dieser Grundlage erlauben wir uns eine gewisse Zuversicht, dass Radio Corax auch trotz der eher düsteren mittleren Zukunft in Sachsen-Anhalt als guter und solidarischer Ort erhalten bleibt. Timur Vorkul

Elias Zarrad, CSD-Organisator, Wittenberg

Im Juni haben wir beim CSD in Wittenberg schon zum zweiten Mal in der Lutherstadt gefeiert und demonstriert für die Themen und die Rechte von queeren Menschen. Gleich beim nächsten Treffen im Stadtlabor Wittenberg werden wir als Organisationsteam über die Wahl reden und reden müssen. Und ich gehe stark davon aus und hoffe, dass die Angebote, die es für queere Menschen schon gibt, jetzt noch mehr genutzt werden.

Ich bin auch in der Linkspartei aktiv. Und da müssen wir das jetzt erst mal sacken lassen. Wir wussten ja eigentlich alle, dass es AfD-mäßig beschissen wird, dass wir als Partei aber so abkacken bei der Wahl, das hätten wir alle nicht erwartet.

Da werden wir in den nächsten Wochen erst einmal drüber sprechen müssen, was das Wahlergebnis für die Strukturen der Linken bedeutet. Aber wir haben jetzt schon allein in Halle 30 neue Parteieintritte. Das ist in anderen Orten auch so, weil natürlich Leute gefrustet sind, aber Hoffnung in die Linke stecken und sich dort engagieren wollen. Und das gilt es jetzt zu organisieren. Stefan Hunglinger

Mitarbeiter des Kulturzentrums Reichenstraße, Quedlinburg

Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich seit gestern die Welt nicht mehr. Klar, es hat sich abgezeichnet, dass die AfD gewinnt. Aber als ich die Triumphstimmung bei denen gesehen habe, die jubelnden Leute, die Deutschlandfahnen, ist mir schlecht geworden. Ich mache mir Sorgen um meine Freund*innen. Vielen von ihnen sieht man an, dass sie Linke sind oder Queers.

Ich mache mir auch Sorgen um die „Reiche“, unser Kulturzentrum. Hier gibt es Kino, Lesungen, politische Diskussionen, eine Bar und einen Kinder- und Jugendclub, den Kinderladen. Zu uns kommen Kinder zwischen 5 und 13 Jahren, viele stammen aus benachteiligten Familien. Einmal in der Woche kochen wir mit ihnen, für manche ist das die erste Mahlzeit am Tag. Es bricht mir das Herz, wenn sie hier ganz hungrig ankommen.

Wir versuchen, den Kids gute Werte mitzugeben, dass Menschenrechte für alle gelten, dass alle Kinder miteinander spielen dürfen, egal, welche Hautfarbe sie haben. Die AfD hat uns schon öfter angegriffen und versucht, uns das Geld zu entziehen. Ich gehe davon aus, dass das zunehmen wird. Wenn wir kein Geld mehr bekommen, ist der Kinderladen tot. Dann können wir weder die zwei Mitarbeiter hier bezahlen noch die Bastelmaterialen und Spielgeräte noch die Snacks. Das wäre bitter, der Kinderladen ist für Quedlinburg so wichtig.

Ich habe Angst, dass die Gewalt hier wieder zunimmt. Deswegen will ich auch nicht meinen Namen nennen. In den 90er Jahren gab es mehrere Angriffe von Neonazis auf die „Reiche“. Ich war damals nicht dabei, aber wenn andere Leute davon erzählen, kriege ich Angst. Ich bin komplett hoffnungslos nach den Wahlen. Ich habe das Gefühl, dass all unser Engagement in den letzten Wochen umsonst war. Das Einzige, was mir Kraft gibt weiterzumachen, sind die Kids, die zu uns kommen, und die Gemeinschaft in der Reiche. Anne Fromm

Zissi Sauermann, Mobile Opferberatung, Magdeburg

Schon vor dem Wahlsieg der AfD am Sonntag ist die Gefahr durch rechte Gewalt immer größer geworden. Die Täter fühlen sich durch die Mehrheitsverhältnisse und die offen rassistische Programmatik der AfD ermutigt und legitimiert. Wir haben im Wahlkampf gesehen, dass sich ein AfD-Europaabgeordneter mit einem bewaffneten Angriff auf Minderjährige gebrüstet hat und tausende auf Facebook dieser rechtswidrigen Selbstjustiz applaudiert haben. Am Montagabend wurde ein Teilnehmender einer Protestdemonstration gegen die AfD durch einen Schuss aus einem Luftdruckgewehr im Gesicht verletzt.

Viele, die von Rassismus und Antisemitismus betroffen sind, aber auch diejenigen, die der AfD sonst wie als Gegner gelten, machen sich jetzt große Sorgen um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder. Viele überlegen zu gehen. Aber was passiert mit denen, die nicht wegziehen können oder wollen?

Es besteht die Gefahr, dass völkisches Denken, Rassismus, Sozialdarwinismus oder Queerfeindlichkeit jetzt noch weiter zunehmen. Und wir haben Sorge vor vorauseilendem Gehorsam und Mittläufertum. Mehr denn je braucht es Solidarität. Alle sollten sich jetzt fragen: Wie geht es den fast 60 Prozent, die nicht die AfD gewählt haben, die die demokratische Mehrheit sind? Welche Unterstützung braucht die demokratische Zivilgesellschaft? Und wie können vulnerable Gruppen vor rassistischem Hass, vor queerfeindlicher Gewalt oder vor antisemitischer Diffamierung geschützt werden?

Wir können und werden Solidarität und Menschenrechte verteidigen. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Aber damit wir allen Drohungen der AfD zum Trotz weiter solidarisch an der Seite der Angegriffenen und der demokratischen Zivilgesellschaft bleiben können, sind wir jetzt selbst auf Unterstützung angewiesen. AfD-Funktionären bedrohen immer wieder Nichtregierungsorganisationen, das trifft auch unseren Trägerverein Miteinander e.V. Jetzt droht der worst case: AfD-Politiker*innen, die in öffentliche Ämter kommen und die Drohungen in die Tat umzusetzen, zum Beispiel indem sie die Fördermittel des Landes für die Opferberatung komplett streichen. Deshalb haben wir eine Spendenkampagne gestartet. Frederik Eikmanns

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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