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Reaktion des Westens auf Lage im IranSchweigen und Brüllen

Andreas Fanizadeh

Kommentar von

Andreas Fanizadeh

Das Teheraner Regime massakrierte Tausende Demonstrierende. Doch Europäer und Superlinke reagieren verhalten. Und Trump?

Die „Eskalation in Nahost“ findet längst statt, Teheran, 8. Januar 2026 Foto: SalamPix/ABACA/imago

D ie Hamas hat es geschafft, am 7. Oktober 2023 an einem einzigen Tag 1.200 Menschen in Israel zu massakrieren. Ihr Hauptsponsor, das Teheraner Terrorregime, ging nun noch einen Schritt weiter: Es ließ im Januar binnen weniger Tage Zehntausende Zivilisten abschlachten, schwer verletzen, in Foltergefängnisse verschleppen. Es ist das Massaker an einer ganzen Generation, die sich friedlich gegen die Wirtschaftsmisere und das islamistische Staatssystem erhob.

Die wenigen Fotos und Videos, die trotz Internetsperre den Weg in die Öffentlichkeit fanden, sind erschütternd. Kaum auszuhalten dokumentieren sie einen auch für Iran bislang kaum vorstellbaren Exzess der Gewalt, der in den Städten des Landes stattfand. Islamische Revolutionsgarde, Basidsch-Miliz und Polizei wüteten (unterstützt von Söldnern aus Irak) mit Schusswaffen und geplanter Systematik.

Irans greiser Islamistenführer Ali Chamenei und andere Spitzenkräfte des Regimes wie der Oberste Richter Gholamhossein Mohseni-Esche’i brüsten sich mit den Morden und sprechen von den getöteten Demonstrierenden als „ausländische Agenten“. Und sie drohen weiter, um den vom Glauben abgefallenen Teil der Bevölkerung einzuschüchtern.

taz-talk über Iran am 8.2. in Berlin

Iran – Was hat das mit uns zu tun?

Die Massaker in Iran, ihre Folgen und die Chancen auf einen Regimewechsel für Nahost. Eine gemeinsame Veranstaltung von taz, taz Panter Stiftung und Deutsches Theater Berlin.

Mit Amir Gudarzi (Schriftsteller, Wien), Mahtab Qolizadeh (Journalistin, Berlin), Ali Sadrzadeh (Khamenei-Biograph, Frankfurt/M.), Daniela Sepehri (Autorin, Berlin) Andreas Fanizadeh (Redaktion taz, Berlin) und N.N. (Mitglied Deutscher Bundestag, angefragt)

Wann: So., 08.02.2026, 17 Uhr

Einlass: 16.30 Uhr

Wo: Deutsches Theater, Rangfoyer

Schumannstraße 13A

10117 Berlin

Eintritt frei. Platzreservierung erforderlich: https://pretix.eu/panter/iran/

Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.

US-Präsident Trump hatte den Protestierenden im Iran zunächst Hilfe versprochen. Doch die kam nicht. Mittlerweile sind starke US-amerikanische Militärverbände in der Region zusammengezogen. Wieder hat Trump Mullahs und Garde gedroht. Es sieht so aus, als hätte Teheran endgültig überzogen. Ob Trump wegen der vom Islamistenregime begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit reagiert oder ob er nur sein Gesicht wahren will – den Menschen in Iran wird es egal sein.

Laut gegen USA, leise bei Iran

Die Europäer prangern zu Recht die gefährliche Entwicklung unter Präsident Trump in den USA an. ICE-Agenten erschossen in Minneapolis Alex Pretti. Und ganz offenkundig log danach Trumps Heimatschutzministerin, um den Tathergang zu vertuschen.

Doch diese, wie auch im Falle Grönlands, wichtige und lautstark geäußerte Kritik an Trumps Regierung sollte nicht dazu missbraucht werden, über die Massentötungen in Iran den Mantel des Schweigens zu breiten.

Die Vorgänge in Iran können nicht hingenommen werden. Das Ausmaß der Verbrechen ist so gravierend, dass sie nach einer Reaktion verlangen, die über bloße verbale Beteuerungen hinausreicht.

Einige warnen dennoch weiterhin vor einer „Eskalation in Nahost“. Sie ignorieren hierbei geflissentlich, dass diese Eskalation längst stattfindet. Sie richtet sich gegen sämtliche demokratischen Kräfte in der Region. Sie geht von Islamisten und Diktaturstaaten aus, siehe die jüngsten Massaker an der iranischen Bevölkerung.

Schlaft gut im Hilton

Auch wenn die Europäer sich jetzt endlich zu weiteren Sanktionen und einer Terrorlistung der Islamischen Revolutionsgarde durchringen konnten, reicht das alles nicht. Längst überfällig ist es, die Vermögen von Mullahs, Revolutionsgarden und ihrer Verbündeten, ihre im Ausland heimlich deponierten Milliarden einzuziehen.

Die <i>FAZ</i> berichtete unlängst, gestützt auf eine Recherche der englischen Financial Times, wie Ali Aliakbar Ansari, regimenaher iranischer Bankier, in EU und Deutschland Immobiliengeschäfte betreibt.

Sein Immobilienvermögen soll sich demnach in der EU auf 400 Millionen Euro belaufen – dazu zählen das Hotel Hilton Frankfurt City Centre, das Hilton Frankfurt Gravenbruch oder das Bero-Zentrum Oberhausen, ein Einkaufszentrum, auf Mallorca das Steigenberger Golfhotel Camp de Mar sowie das Schlosshotel im österreichischen Kitzbühel. In Großbritannien wurden bereits Vermögenswerte von 150 Millionen Pfund eingefroren.

Pali-Tücher statt Solidarität

So groß die Solidarität mit Irans Linken in den westdeutschen Szenen bis zum Sturz des Schahs 1979 war, so ruhig ist es seit der Machtübernahme der Islamisten 1979 geblieben. Ein Paradoxon. Anscheinend tun sich viele Linke hierzulande schwer, sich mit Demokratiebewegungen zu solidarisieren.

Radikal zu sein, hieße heute aber, sich auch die Islamisten und ihre weitverzweigten Geschäftsnetzwerke vorzuknöpfen.

So markieren Kufijas, arabische Beduinentücher, die sich derzeit viele junge Menschen im Westen umhängen, keine coole oder romantische Idee. In Bahram Moradis autobiografisch angehauchten Roman „Das Gewicht der anderen“ (Wallstein Verlag, 2025) tragen sie die Folterer im iranischen Gefängnis.

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Andreas Fanizadeh
Chefkorrespondent Kultur
Andreas Fanizadeh, geb. 1963 in St.Johann i.Pg. (Österreich). Kulturpolitischer Chefkorrespondent der taz. Von Oktober 2007 bis August 2024 Leiter des Kulturressorts der taz. War von 2000 bis 2007 Auslandsredakteur von „Die Wochenzeitung“ in Zürich. Arbeitete in den 1990ern in Berlin für den ID Verlag und die Edition ID-Archiv, gab dort u.a. die Zeitschrift "Die Beute" mit heraus. Studierte in Frankfurt/M. Germanistik und Politikwissenschaften.
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31 Kommentare

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  • Na ja, möglicherweise resultiert die vom Autor kritisierte Zurückhaltung eben aus dem Verdacht (und dem daraus resultierenden moralischen Zwiespalt), dass das, was wir sehen und hören - neben der Hoffnung auf ein Selbst-Befreien der Iraner:innen von Ihrem Regime – eben auch das Ergebnis eines US-Israelischen Versuchs zum Regime-Change sein könnte, dem die Opfer aber ziemlich Wurscht sind.

    • @EffeJoSiebenZwo:

      Netanyahu will einen Regime-Change??? Der lebt doch ganz gut mit einem Feindbild und ständig von ihm angefachten Dauerkrieg.



      Sonst wäre er doch wohl längst (zurecht) im Knast.

      Er versuchte vermutlich mit der Gefängnisattacke ja schon den Todeskuss an die Opposition, vergeblich.

  • "Das Teheraner Regime massakrierte Tausende Demonstrierende. Doch Europäer und Superlinke reagieren verhalten."



    Wen interessiert was Europäer und Superlinke denken🤷



    Despoten und Gewaltregime lassen sich von Worten nicht beeinflussen - darum sind es ja Despoten und Gewaltregime...



    Ja, die Feder ist mächtiger als das Schwert - das setzt aber voraus, dass diese Feder auch etwas zu bieten hat...



    Europa und Superlinke haben nur Mitbestimmung und soziale Absicherung zu bieten. Das ist nichts, was Despoten oder Gewaltregime interessiert.



    Früher hatte Europa Technologie zu bieten. Wirtschaftliche Erzeugnisse, technisches Know-how, das es so nirgends in der Welt gab. DAS interessierte Despoten und Gewaltregime...



    So hatte die Feder dem Schwert etwas zu bieten und konnte Druck ausüben.



    Längst hat aber China diese Rolle übernommen. Und die verkaufen an jeden.



    Auf diesen Shift haben Europäer und Superlinke keine Antwort bisher gefunden. Beide sind weltpolitisch obsolet geworden.

  • "... Radikal zu sein, hieße heute aber, sich auch die Islamisten und ihre weitverzweigten Geschäftsnetzwerke vorzuknöpfen. ..."



    Ein guter Ansatz und dann vielleicht auch gleich mal unterbinden, dass über Offshore Firmen und andere Verschleierungen schmutziges Geld hier investiert und gewaschen wird.



    Welche Behörden sollte man jetzt mal wecken und was sollte boykottiert werden.

  • Rechte, linke, liberale, gemäßigte, extremistische oder sonstige Blindheit, es gibt ein einfaches Gegenrezept:

    Die universelle Gültigkeit der Menschenrechte.

    (Und weniger primitives Denken in Gruppen-/ Lagerzugehörigkeiten.)

    • @Stavros:

      Die wenigsten islamischen Staaten erkennen die allgemeinen Menschenrechte in der originalen Form (mit Religionsfreiheit etc.) an. Da wird man Ihnen ganz schnell weißen kolonialen Eurozentrismus vorwerfen.

      • @TheBox:

        Wer versucht, universale Rechte nur zur Abwertung von z.B. Muslimen einzusetzen, hat sie weder verstanden noch redlich gebraucht.



        Scheint mir ein recht lösbares Thema zu sein.

        • @Janix:

          Die Feststellung, dass der universelle Gültigkeitsanspruch europäischer Werte oder Vorstellungen oft als weißer Kolonialismus verstanden wird, enthält keine Abwertung.

          Das Narrativ Menschenrechte taugt als Gegenrezept nicht.

  • Meint der Kommentar, "die Linke" sei ruhig, weil es keine 100.000er Demo wie zu Gaza gibt und diverse neue Solidaritätsgruppen? Diverse Linke Orgas von Linkspartei über trotzkistische Gruppen, Ökologische Linke, MLPD, KP bis zu Interventionistischen Linken haben ihre Solidarität ausgesprochen und zu Demostrationen aufgerufen. Fabian Lehr und 99zu1 haben die Situation in Podcasts besprochen. Nur eine Minderheit vor allem dogmatischer Gruppen z.B. KO, DKP hat sich auf Geopolitik gegen USA und Israel statt auf Solidarität mit den Menschen und ihrem Wunsch nach Befreiung konzentriert. Auch die Behauptung, dass es keine linke Unterstützung der Frauen, Leben, Freiheit Protesten 2022 gab, ist falsch.



    Die Behauptung Linke wären nur verhalten dazu aktiv, ignoriert, dass Linke aktuell diversen Proteste mit der kurdischen Community auf die Beine stellt, zu einer Zeit, wo die Bundesregierung den syrischen Staatschef einlädt, statt solidarisch mit den Angegriffenen zu sein. Aber spannend, dass der taz-Autor im letzten Abschnitt eine Forderung der dogmatischen Antiimperialist*innen übernimmt: Wenn es für Linke repräsentativ ist Kufija zu tragen, dann sind Antideutsche keine Linken (mehr).

  • Das war die Kriegserklärung ans eigene Volk, und langfristig verliert das Regime so etwas. Und wird dann zur Rechenschaft gezogen wie die Schergen des Schahs einst. Nur wie lange dauert es dann noch? Wochen oder Generationen?



    Wie wär's, über Aserbeidschan nicht Tötungs- und Militärkommandos in den Iran zu schmuggeln, sondern mal Starlink-Stationen in derart großer Zahl, dass die Basidschis nicht mehr nachkommen. Von außen klarzumachen, dass jeder, der noch mitwirkt und nicht die Seiten wechselt, irgendwann ein Problem haben wird.

    NB: Palästinensertücher als Abschluss des Artikels dürften hierzulande aber genau das sein und nichts anderes. Die Palästinenser wissen auch genau, wie es unter (sogar gleich zwei) repressiven Regimen ist.

    • @Janix:

      „Die Palästinenser“ sind auch jene, die gerne die Unterstützung aus Teheran und von Assad in Anspruch genommen haben. Da war von Solidarität mir der iranischen oder syrischen Bevölkerung auch keine Rede, um den eigenen Vorteil nicht zu gefährden. Und seit wann setzen Sie auf Musks Wohlwollen? Das erstaunt mich jetzt doch sehr…

  • Starker Artikel von A. Fanizadeh, eine klare Ansage an die deutsche Außenpolitik und deutliche Worte, gerichtet an die Linke in diesem Land. Danke dafür!



    M. Medler, Frankfurt

  • Danke für diesen wichtigen Artikel! Es ist immer wieder erschütternd, die Grausamkeit der islamischen Regime im Iran und anderswo vor Augen geführt zu bekommen. Erschreckend ist aber auch die von Ihnen sehr richtig aufgezeigte Ignoranz vieler sich selbst als links oder progressiv verstehenden Menschen. Es wäre schön, wenn sich da was bewegt, die Menschen im Iran hätten echte Solidarität mehr als verdient.

  • “Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, verführt viele Linke schon seit Lenins Zeiten oftmals zu merkwürdigem Schweigen gegenüber autoritären Regimen. Da agiert auch dieser Teil des politischen Spektrums leider seit jeher nicht wirklich überzeugender als andere.

    • @vieldenker:

      Und da unterdrückt man dann gehorsam auch die Erinnerung an die Geschichte speziell im Iran - die Linken waren dort die ersten, die nach der islamistischen Machtübernahme massakriert wurden. Diese Opfer unter den Islamisten spielen überhaupt keine Rolle mehr, ganz im Gegensatz genau zu den gleichen Opfern unter dem Schah, an die zur Zeit immer wieder erinnert wird, selbst wenn der Schahsohn nur als konstitutioneller Monarch eine zukünftige Rolle spielen sollte.

      • @TheBox:

        Die Tudeh wurde bis auf eine kurze Zeit in denselben Gefängnissen und mit denselben Methoden gefoltert. Ich vermute, sie haben weder auf Schah/US II noch auf Ayatollahs oder Basidschis große Lust.



        Kader Abdollah hat sein Leben als linker politisch sehr aktiver Student damals in lesbaren Romanen aufgearbeitet. Er lebt schon lange als Flüchtling in den Niederlanden.

    • @vieldenker:

      Sämtliche relevanten linken Organisationen in Deutschland haben sich mit den Protesten solidarisiert und die linke Zeitung, in der Sie kommentieren, veröffentlicht täglich Berichte zu diesem Thema. Soviel zum Thema Schweigen...

      • @O.F.:

        Die TAZ ist in der Tat die rühmliche Ausnahme im linken Spektrum. Das sollten Sie auch würdigen und nicht missbrauchen.

        • @vieldenker:

          Sie können gerne auch andere linke Medien lesen - alle haben über die Proteste im Iran berichtet und alle haben sich mit den Protestierenden solidarisiert (lediglich in der Bewertung des angedrohten militärischen Eingreifens gingen die Meinungen auseinander - das ist aber eine andere Frage: man muss kein Sympathisant der IR sein, um Bomben auf Teheran für eine katastrophale Idee zu halten).

  • Vielen Dank für die offenen und treffenden Worte und gut recherchierten Fakten an den Autor. Vielen Dank an die Taz diesen ungewöhnlichen Artikel zu publizieren.

  • Im Jahre 1978, also in den Anfangswehen der islamischen Revolution im Iran, hörte ich, 14-jährig, eine Bemerkung eines Moderators bei SWF 3, also einem Popmusik-Sender: Die große Stärke (im Sinne einer guten Eigenschaft) des Islam sei die Einheit von Politik und Religion.



    Die Bemerkung ist bei mir hängengeblieben, weil sofort dachte: stimmt das nun, oder stimmt es nicht? Ich bin seither zu dem Schluss gekommen, dass die von Jesus Christus vertretene Lösung einer Trennung von Religion und Staat die weitaus bessere ist. Viele Linke scheinen aber nach wie vor im politischen Islam einen Verbündeten im Kampf gegen den Kapitalismus zu sehen.

    • @Breitmaulfrosch:

      Hier taz.de/Islamwissen...ber-Iran/!6146715/ erläutert die Islamwissenschaftlerin Pistor-Hatman diese "Einheit von Politik und Religion" konktet für den Iran:



      .



      》taz: Frau Pistor-Hatam, hat sich die Frage der Menschenrechte und Menschenwürde in derIslamischen Republik Iranin den letzten Wochen für Sie grundsätzlich geändert?



      .



      Anja Pistor-Hatam:Nein, denn daran lässt sich erklären, mit welchen Argumenten die geistlichen Führer dieses Systems ihre Position verteidigen und wie sie begründen, dass sie Menschen, die sich gegen sie auflehnen, auch töten dürfen. Nach der Auffassung hochrangiger schiitischer Rechtsgelehrter, die das System unterstützen, kann man seine Würde erwerben oder verlieren. Wenn man ein frommer Mensch ist und im Staat ein rechtschaffenes Leben führt, hat man eine Würde. Wenn man aber gegen diesen Staat kämpft, verliert man seine Würde. Dies widerspricht eindeutig der Auffassung, die die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von Menschenwürde vertritt.《



      .



      Das ist eine prinzipielle Unterscheidung, zu der auch militante Linke gelegentlich neigen, etwa wenn es um Gewalt gegen Neonazis geht - Art. 1 GG aber ist eindeutig: "Unantastbar"!

  • Ihre sehr berechtigten Fragen, Herr Fanizadeh, lassen sich in der folgenden, zynischen Frage stellvertretend zusammenfassen: Hat Steinmeier den Mullahs schon gratuliert?

    • @araldo:

      Nun hat Steinmeier nie "den Mullahs" gratuliert, sondern die BRD gratuliert routinemäßig allen Staaten, mit denen sie diplomatische Beziehungen unterhält, zum Nationalfeiertag. Dass diese von der Springer-Presse losgetretene Diffamierungskampagne bis heute zieht, ist eigentlich blamabel.

      • @O.F.:

        Ich brauche keine Springerpresse, um Steinmeier zu kritisieren. Ich habe von diesem Typen genug gesehen.

  • Ich bin ungern polemisch – gerade weil zu dem Thema Iran allzu viel polemisches geschrieben wird – aber der Artikel illustriert ungewollt alles, was an der deutschen Iran-Berichterstattung falsch läuft: kontrafaktische Behauptungen (der Hauptsponsor von Hamas ist Katar), fragwürdige Zahlen (Belege dafür, dass die offiziellen Opferzahlen falsch sind, fehlen), dazu das vereinfachende Regime vs. Volk-Narrativ (die gar nicht so wenigen Anhänger der Islamischen Republik sind auch Teil des Volkes, das man mit der (Exil-)Opposition identifizieren kann), die Ignorieren der Tatsache, dass nicht wenige Opfer Sicherheitskräfte waren, die von bewaffneten Demonstranten getötet wurden… man könnte die Liste ewig fortsetzen. Und wenn man der Linken Schweigen zum Iran vorwirft, sollte man das nicht unbedingt in einer linken Zeitung machen, die jeden Tag über dieses Thema berichtet. Das alles könnte man als schlechten Meinungsbeitrag abtun, würde es nicht auf so verhängnisvolle Weise an das publizistische Vorspiel anderer Kriege erinnern. Keiner davon hat ein gutes Ende genommen. Daran sollte man sich vielleicht erinnern, bevor man fuer US-Bomben auf Teheran trommelt.

    • @O.F.:

      "man könnte die Liste ewig fortsetzen"

      ....und landet damit exakt bei der Version des Mullah Regimes. Das geht sogar noch deutlich über die vom Autor beschriebene "verhaltene Kritik der Linken" hinaus. Warum gibt es denn keine verlässlichen Zahlen? Weil das Regime alles dafür tut, dass die Wahrheit innerhalb der Grenzen bleibt und Kritiker verschwinden.



      Und der Verweis darauf, dass brutale Diktatoren ja auch ihre Anhänger haben ist genau wie Rest dieser dreisten Täter/Opfer Umkehr nicht polemisch, das ist zynisch. Und es ist der beste Beweis, dass der Autor in genau die richtige Kerbe schlägt.

      • @Deep South:

        Nicht bei der Version des "Regimes", sondern bei einer Version, die Komplexitäten zulässt (etwas, wenn es um das inneriranischen Stimmungsbild geht) und die Fakten nicht der Gefälligkeit unterordnet (wenn man offizielle Zahlen anzweifelt, braucht man dafür Belege -"die Mullahs lügen sowieso" ist nicht genug, sondern öffnet das Tor zur Beliebigkeit. Wenn Sie belegen können, dass ich mich in irgendeinem Punkt irre, freue ich mich über Korrekturen - andernfalls verstricken Sie sich genau in die Deutungsmuster, die ich oben kritisiert habe.

    • @O.F.:

      Selten habe ich einen solch empahtiefreien und faktenfreien "Beitrag" hier gesehen: die Masse der angeblichen Regimetoten wurden statistisch erpresst; ansonsten hätten die Hinterbliebenen ihre Angehörigen nicht bekommen. Und die Toten waren Demonstranten! Das erinnert mich an die Trotzkisten die das faschistische Regime1979 begrüßten und die eigenen Toten der Tudeh Partei weglächelten.



      Und: dem Autor vorzuwerfen, dass er verzweifelt ist, ist unterirdisch...

  • Herr Fanizadeh legt den Finger in die Wunde linken Versagens.

    Empathie und Solidarität wird sehr selektiv gewählt.

    • @rero:

      "Empathie und Solidarität wird sehr selektiv gewählt":



      .



      Für insbesondere "palästinasolidarische" Linke dürfte diese Forderung Trumps hier Ursache für ihre Inertia sein:



      .



      》Darüber hinaus soll das Mullah-Regime [seine] Unterstützung für Stellvertretergruppen im Nahen Osten einstellen, einschließlich Hamas, Hisbollah und der Huthi-Rebellen im Jemen.《 www.fr.de/politik/...h-zr-94147347.html



      - "demokratisch" in Kombination mit "Menschenrechte" ist wohl eh bei "Free Palestine", "From the River to the Sea" eher nicht mitgedacht.



      .



      In Minneapolis gehen gerade 1000nde auf die Straßen, auch Republikanern geht ICE zu weit, ein Shutdown wurde nach Zugeständnissen gerade mit den Stimmen der Democrats abgewehrt, Internet ist auch an - eigentlich funktioniert die Demokratie in den USA aktuell (vergleichsweise) gut.



      .



      Für große Teile der Linken aber ist die Priorität klar: Trumps Unterstützung für den Iran wegen werden die Iraner*innen weitgehend im Stich gelassen - der Antifaschismus (= 'gegen Trump') hat Vorrang - so lässt sich fehlende Solidarität für die Iraner*innen auch noch nobel begründen.



      .



      Sogar vor sich selbst.