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Nach Brandanschlag in BerlinEine Million Euro Belohnung auf Vulkangruppe

Nach dem Stromausfall in Berlin setzt der Bund eine Belohnung auf die Täter aus. Senat und Grüne wollen vorstellen, wie sich das Stromnetz schützen lässt.

Polizei und Behörden wollen Licht ins Dunkel bringen Foto: dpa

Aus Berlin

Stefan Alberti

Die schwarz-rote Landesregierung will zeitnah Konsequenzen aus dem Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar ziehen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) wollen offenbar am Dienstagmittag nach der Senatssitzung ein Maßnahmenpaket zur Sicherung der kritischen Infrastruktur in Berlin vorstellen. Schon vorher will die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus ihre Vorstellungen dazu präsentieren.

Am 3. Januar hatten nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal in Lichterfelde auf einen Schlag rund 45.000 Haushalte in Zehlendorf, Wannsee, Nikolassee und Lichterfelde keinen Strom und auch bald keine funktionierende Heizung mehr. Für etwa 25.000 davon hielt dieser Zustand an, bis nach einer früher als erwartet erfolgten Notreparatur vier Tage später am 7. Januar der Strom wieder floss.

Die inzwischen mit den Ermittlungen betraute Bundesanwaltschaft geht von einem linksterroristischen Hintergrund aus. Das legen mehrere Bekennerschreiben nahe, die von einer sogenannten Vulkangruppe oder mehreren Gruppen dieses Namens kommen sollen. Ermittlungserfolge sind bislang nicht bekannt. Eine Reaktion darauf war nun, einen Betrag von einer Million Euro als Belohnung für Hinweise auszusetzen, die zur Ermittlung der Täter führen. Das bestätigte am Dienstagmorgen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor Journalisten. Das Geld kommt demnach aus Mitteln des Bundes.

Grüne stellen Positionspapier vor

Der Senat hatte schon kurz nach dem Anschlag angekündigt, sensible Punkte der Stromversorgung künftig besser zu schützen, dabei auch auf Videoüberwachung im öffentlichen Raum zu setzen und dafür den Datenschutz hintanzustellen. Gleiches soll für das Thema Transparenz gelten: Daten zu eben jenen Standorten sollen künftig weniger zugänglich sein.

Auch die Grünen-Fraktion drängt auf Konsequenzen. Der Brandanschlag auf die Stromversorgung „hat wiederholt vor Augen geführt, wie verletzlich Berlin ist und wie gravierend die direkten Folgen für die Menschen in unserer Stadt sind“, heißt es von ihr. Die Fraktion erinnert damit daran, dass es bereits im September im Bezirk Köpenick einen Anschlag auf das Stromnetz gab. Sie hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten ein Positionspapier für eine krisenfeste Hauptstadt erarbeitet.

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19 Kommentare

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  • Gilt die Million auch für diejenigen, die den vergleichbaren Anschlag im letzten September in Ostberlin verübt haben?

    Damals saßen mindestens genauso viele Leute in Altglienicke, Adlershof, Schöneweide und ein paar angrenzenden Gebieten im Dunkeln, fast eine Woche lang. Immerhin war kein Winter. Interessiert hat es keine Sau, waren ja nur Ostberliner, die wohnen ja sowieso noch in Höhlen.

    Aber sobald ein derartiger Anschlag in Zehlendorf oder Lichterfelde passiert, wo viele Entscheidungsträger wohnen, wird ein Politikum draus gemacht.

    Es kann kommen, was will, aber DORT darf so etwas nicht passieren! Plötzlich sind alle aufgescheucht, überall Vorwürfe, was versäumt wurde, um all die wichtigen Villenbesitzer zu schützen, kluge Ratschläge, wie man mit viel Geld Redundanz schaffen kann, Hotelaufenthalte wurden bezahlt, usw., usf. Im September kam nichts von alldem; die Leute sollten sich nicht so anstellen, gegen solche Extremisten könne man nun mal nichts machen und totale Sicherheit gebe es nicht.

    Also, Herr Dobrindt: Eine Million auch für die Ergreifung DIESER Täter (sofern es andere waren)?

    • @Debaser:

      Grundsatzlich ist erhöhter fahndungsdruck nach dem zweiten Anschlag dieser Art ja zu begrüßen, nur die Festlegung auf linksterrorsimus trotz sich teils widersprechender "Bekennerschreiben" finde ich bemerkenswert. Mich würde es nicht wundern, wenn sich auch das als Putins hybride Kriegsführung herausstellt.

  • Muss erst die Wut auf die Politik so groß sein, das die Grünen anfangen zu arbeiten?

  • Es fehlt eine wichtige Information zur Belohnung - darauf hätte Autor Stefan Alberti kommen müssen: Muss auf eine derartige Belohnung Steuer gezahlt werden? Das heißt, gibt der Staat mit der einen und holt es sich mit der anderen Hand zurück? Und wenn ja, wie hoch ist der Prozentsatz?

    Das muss man sich leider nach dem Fall Genditzki und dessen Haftentschädigung nach einem Justizirrtum fragen, bei dem sich der bayerische Staat die Verpflegungskosten wieder zurückholen wollte. Im speziellen Fall geschah dies nicht, doch gilt diese Regelung in Bayern nach wie vor und ist nicht außer Kraft gesetzt.

    Solches Staatsverhalten dient nicht der Rechtssicherheit und dem Vertrauen in staatliche Stellen, sondern offenbart eine fehlerhafte Fehlerkultur - und das strahlt eben ab, so dass man sich derartige Fragen stellt.

  • Sehr imposant die Belohnung, die aber niemand bekommen wird.



    Ich gehe davon aus, dass „bis zu“ 1 Millionen Euro ausgelobt wurden.



    Selten bekommt eine einzelne Person eine solche Belohnung für einen Hinweis, auch nicht für mehrere Hinweise, außerdem muss sie versteuert werden. Es liegt im Ermessen des Auslobenden, wieviel Geld er dann tatsächlich wofür zahlt. Also ist das nichts weiter als ein Spektakel mit dem jemand Tatendrang und Entschlossenheit dick unterstreichen will: “Seht her, ich tue was..!“ Hat das gar nichts mit irgendwelchem Wahlkampf zu tun? In Bayern etwa?



    Ich hoffe, die Täter werden gefasst und bestraft, durch gute und fleißige Ermittlungen. Noch mehr hoffe ich, dass solche Ereignisse sich nicht wiederholen können, weil die Infrastruktur besser aufgestellt ist.

  • Allein mit Kopfgeldprämien und Strafverfolgung wird man insgesamt, der ungehemmt zunehmenden Gewalt und Kriminalität nicht mehr Herr der Lage!



    Es ist die Wut-Grundstimmung insgesamt in unserer Gesellschaft! Die Wut auf Steuergeldverschwendung, Korruption in Politik und Wirtschaft, sozialer Kälte und Ungerechtigkeit! Heuchlerischer Doppelmoral usw. alles zusammen erzeugt eine hochexplosive Anarchiemischung!



    So lange es weder in Politik, Wirtschaft, Justiz und Kirche zu keinen Vorbildfunktionen kommt, wird dies bei den Bürgern ebenso vernachlässigend gehandhabt!

    • @Harald Eberhard:

      Sicherlich hat die (schlecht) gemachte Politik der letzten Jahre mit einen Anteil an der Stimmung in Deutschland, aber genauso der sich immer weiter aufschaukelnde Egoismus von Personen/Gruppen. Sehr viele sehen sich selber als Fixpunkt, nur ihre Einstellung, Meinung ist richtig und nach der haben sich die Parteien zu richten sonst wähle ich radikale Parteien von Rechts oder Links, ganz egal ob die es anders machen könnten. Andere gehen noch weiter und sehen in ihren Zielen eine Ersatz Religion mit der einzigen Wahrheit der sich alle unterzuordnen haben und das auch mit Gewalt. Aber was ist das Ende vom Lied ? die Gräben zwischen den einzelnen Personen/Gruppen werden immer größer und am Ende blockieren sich alle gegenseitig ohne einen Erfolg für keinen.

    • @Harald Eberhard:

      Gut, eine Jeremiade macht auch mir ab und an Freude.



      Und vielleicht können wir uns über halbwegs ähnliche Dinge aufregen.

      Aber womit begründen Sie allgemeine und dramatisierende Ausdrücke wie "ungehemmt zunehmenden Gewalt und Kriminalität" etc. etc. Die Statistik o.ä. ist mir noch nicht bekannt.

    • @Harald Eberhard:

      Ich freue mich, dass Problemlösungen nicht nur punktuell betrachtet werden. Neben der Vorbildfunktion der genannten Instanzen sehe ich jeden einzelnen und jede einzelne als Möglichkeit der allgemein angespannten Stimmung durch Reflexion entgegenzuwirken. Mut und Mitwirkung für den Schutz des öffentlichen Lebens gehören m. E. auch dazu.

    • @Harald Eberhard:

      Ich würde Ihnen gerne zustimmen. Sie haben ja recht mit Ihren Punkten. Aber sind diese Punkte, diese Wut-Grundstimmung nicht alle eher "links angehaucht". Was hier ja auch nicht wundert. Aber die Stimmung allgemein in der Gesellschaft kocht auch zu anderen Themen hoch. Weniger zu Korruption, aber mehr zum "Stadtbild" des Kanzlers. Weniger zu Doppelmoral, aber mehr zu übertriebenem Gutmenschentum und Umweltschutz.



      es ist nämlich zu befürchten, das die Wut der Mitte und Rechts schneller den Siedepunkt erreicht, als die linke Wut.

      • @Oleg Fedotov:

        Das sehen viele genau anders herum! Den viele sagen die linke sind die die momentan über alles am meckern sind und mit irgendwelchen anderen Aussagen andere verletzten oder ähnliches

  • Klar, dass mal wieder die Grünen die konzeptionelle Arbeit machen.



    Wegner-Stop-Countdown läuft.

    • @Janix:

      Ich verstehe Ihren Kommentar nicht.

      • @Flocke:

        Die Grünen-Fraktion:

        „Sie hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten ein Positionspapier für eine krisenfeste Hauptstadt erarbeitet."

      • @Flocke:

        Berlin muss ja Wegner womöglich nicht mehr so lange aushalten. In 236 Tagen ist Wahl zum Abgeordnetenhaus. Das ist der Countdown. Jetzt muss nur die SPD denselben Fehler kein zweites Mal machen. Berlin ist einer der nicht so häufigen Ecken Deutschlands mit auch heute noch denkbarer rein linker Mehrheit.



        Dann ist Stop mit dem arg unglücklichen Irrläufer im Roten Rathaus.

      • @Flocke:

        Nix verstehen? Nochmal den Artikel lesen.



        „Sie hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten ein Positionspapier für eine krisenfeste Hauptstadt erarbeitet." (Die Fraktion von B90/Die Grünen)



        Wegner und Dobrindt sabbeln nur - und drohen mit Millionen.

  • „Das Geld kommt demnach aus Mitteln des Bundes."



    Würde kommen...

    • @Mondschaf26:

      Hat Berlin schon jemals für irgendwas selber bezahlt ?

      • @Günter Witte:

        Oh doch. Berlin hat bezahlt. Einen sehr hohen Preis. Für den Wahnsinn ganz Deutschlands. - Und darum haben die bis heute keine ordentlichen Stromleitungen.