Rattenplage in Berlin: Sabotierte Rattenbekämpfung
Mit Giftködern und Fallen geht Neukölln gegen einen massiven Rattenbefall am Reuterplatz vor. Doch die Maßnahmen wurden wohl von Tierschützern sabotiert.
Berlin ist in weiten Teilen von einer Rattenplage betroffen. Der Bezirk Neukölln hat deshalb Maßnahmen „gegen einen massiven Rattenbefall“ am Reuterplatz ergriffen und dazu Flächen in der Grünanlage eingezäunt, Sträucher fachgerecht schneiden und Rattenfallen und Giftköder aufstellen lassen.
Doch „die Rattenbekämpfung wurde wiederholt sabotiert“, sagt Hannes Rehfeldt (CDU), Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit, der taz. Die Fallen riefen vermeintliche Tierschützer auf den Plan. Rattenfallen seien ausgegraben und zerstört worden, indem man Bauschaum in die Fallen sprühte und damit unbrauchbar machte. Mitarbeitende der Schädlingsbekämpfungsfirma und auch des Grünflächenamtes wären beschimpft, Schlösser an Absperrungen beschädigt worden. Dabei sind die Ratten in „hoher Anzahl ein Risiko für die öffentliche Gesundheit“, sie würden sich unkontrolliert vermehren, die Grünanlage nachhaltig schädigen, ihre Höhlen und Gänge Schäden an der Infrastruktur verursachen, so der CDU-Politiker.
Bei den Sachbeschädigungen handelt es sich um „erhebliche Straftaten“, sagt Rehfeldt. Und die Maßnahmen des Gesundheitsamtes zu behindern würden eine Ordnungswidrigkeit darstellen. Doch darum geht es Rehfeldt nicht in erster Linie: „Ich will Verständnis für die Rattenbekämpfung entwickeln, damit so ein Befall nicht mehr vorkommt und Menschen auf die Idee kommen, diese Schädlinge irgendwie schützen zu müssen.“ Deshalb hatte Rehfeldt zusammen mit Jochen Biedermann (Grüne), Bezirksrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, zu einer öffentlichen Sprechstunde auf dem Reuterplatz eingeladen.
Die Resonanz, wie in einem „Abendschau“-Bericht im RBB zu sehen war, lässt sich als mäßig beschreiben. „Ich wollte versuchen, für diese Maßnahmen zu werben“, sagt Rehfeldt, „auch wenn die Bekämpfung von Ratten mit Gift und deren Vernichtung nicht die schönste Maßnahme ist, die man sich wünschen würde. Das Ganze ist schlicht notwendig, solange die Bedingungen am Reuterplatz so sind, wie sie sind.“
Präventionsmaßnahmen ergreifen
Menschen verhalten sich oft so, dass sie beste Lebensumgebung für Ratten schaffen – das gilt ja berlinweit –, indem sie ihren Müll und damit oft genug Essensreste nicht richtig entsorgen. So gesehen geht es beim Thema auch um „Prävention, um die Situation vor Ort nachhaltig zu verbessern“, sagt Rehfeldt.
Seiner Einschätzung nach waren die Menschen, die die Maßnahmen sabotiert haben, nicht vor Ort. Sie dürften an einem Dialog auch nicht interessiert sein. „Alle, die da waren, haben das Bezirksamt und mich bekräftigt darin“, sagt Rehfeldt, „dass es richtig ist, gegen Ratten vorzugehen und auch allgemein gegen die Vermüllung.“ Das Bezirksamt befindet sich dazu in Abstimmung mit der BSR, um die Reinigung und Müllentsorgung in der Grünanlage zu verbessern.
Der Mensch ist also das Hauptproblem? „Das menschliche Verhalten ist der Auslöser“, bestätigt der Bezirksstadtrat und hat ein einfaches, eindrückliches Beispiel parat: „Da lag in der Grünanlage ein angeknabbertes Brötchen – das ist eine hervorragende Einladung für Ratten. Genauso wie das sehr oft in den frühen Morgenstunden verteilte Vogelfutter in großen Mengen, offensichtlich für Vögel, insbesondere Tauben gedacht, aber das interessiert die Ratte nicht. Lebensmittel gehören in den Müll, wenn man sie nicht mehr essen möchte und nicht auf die Straße und übrigens auch nicht in die Kanalisation.“
Und weil mit dem Problem fast alle Bezirke zu kämpfen haben, war die Rattenplage Ende April Thema im Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses, sagt Rehfeldt, der dabei war: „Alle Zuhörenden waren sich einig, das es berlinweit eine Kampagne braucht, um bei diesem Thema auf die Verantwortung jedes Einzelnen aufmerksam zu machen.“
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