piwik no script img

Perfider ErpressungsversuchRattengift in Babynahrung

Unter anderem in Österreich wurden manipulierte Hipp-Produkte aus dem Verkehr gezogen. Hinter der Aktion stecken mutmaßlich kriminelle Erpresser.

Positiv auf Rattengift getestet: Hipp Babynahrung in Österreich Foto: Tobias Steinmaurer/imago
Florian Bayer

Aus Wien

Florian Bayer

Ein perfider Erpressungsversuch beschäftigt derzeit Österreich: Mehrere Babynahrungsgläser des Herstellers Hipp wurden gezielt mit Rattengift versetzt. Nicht nur in Österreich, auch in Ungarn, Tschechien und der Slowakei könnten die betroffenen Gläser verkauft worden sein. Mittlerweile wurden sie aus dem Handel genommen.

Konkret handelt es sich um das Produkt „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“ in der 190-Gramm-Variante. Ausgangspunkt ist eine Spar-Filiale im ostösterreichischen Burgenland, wo am Samstag ein vergiftetes Glas Babynahrung sichergestellt wurde. Die Landespolizeidirektion Burgenland bestätigte: Tests am sichergestellten Glas verliefen positiv auf Rattengift. Insgesamt könnten bis zu zwölf verkaufte Gläser betroffen sein.

Hinter der Aktion steckt mutmaßlich ein kriminelles Erpressungsschema. Laut einem Bericht der österreichischen Zeitung Die Presse soll bereits am 27. März eine E-Mail bei Hipp in Deutschland eingegangen sein, in der 2 Millionen Euro bis zum 2. April gefordert wurden. Gleichzeitig drohte der oder die Unbekannte, vergiftete Produkte in Filialen in Tschechien, der Slowakei und im Burgenland zu platzieren. Der Hersteller soll das Schreiben jedoch erst am 16. April gelesen haben, zwei Wochen nach Ablauf des genannten Ultimatums.

Hipp hält sich bedeckt

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe zeigte sich die Firma wenig auskunftsfreudig: Die deutsche Pressestelle war telefonisch nicht erreichbar, Medienanfragen blieben unbeantwortet. Der Hipp-Elternservice war zudem nach Bekanntwerden der Angelegenheit nicht erreichbar, wie der Standard berichtete. Hipp-Sprecher Clemens Preysing sprach später von einem „externen kriminellen Eingriff“, ohne weitere Details zu nennen. Eine Anfrage der taz zu offenen Fragen ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Die Ermittlungen haben mittlerweile internationale Dimensionen angenommen. In Tschechien und der Slowakei wurden betroffene Gläser polizeilich sichergestellt, auch die ungarischen Behörden sind informiert. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt leitete ein Verfahren wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung ein. Über die konkrete Menge des enthaltenen Gifts ist bislang nichts bekannt. Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung werden gegen Ende der Woche erwartet.

Österreichs Gesundheitsministerin Korinna Schumann mahnte zur Vorsicht und wies darauf hin, dass nicht nur Kinder diese Gläser nutzen. Als Vorsichtsmaßnahme wurden Krankenhäuser, Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie Kinderbetreuungsstätten im Burgenland informiert.

In Deutschland haben unterdessen mehrere Handelsketten reagiert: Sowohl dm als auch Rewe haben Hipp-Glasprodukte vorsorglich aus dem Verkauf genommen. Bisher gibt es jedoch keine konkreten Verdachtsmomente in deutschen Märkten. Wer ein verdächtiges Glas entdeckt, sollte es keinesfalls öffnen oder verwenden, heißt es von den Behörden in Österreich. Betroffene Gläser sind an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Boden erkennbar; zudem fehlt beim Öffnen das typische Knackgeräusch.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare