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Prozess um Auto-Anschlag in MünchenAnklage fordert Maximalstrafe

Zwei Menschen starben, als ein Islamist 2025 mit dem Auto in einen Demonstrationszug in München raste. Jetzt geht der Prozess gegen ihn zu Ende.

Dominik Baur

Aus München

Dominik Baur

Farhad N. soll zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt werden. Das zumindest fordert die Bundesanwaltschaft im Münchner Terrorprozess wegen des Anschlags auf eine Verdi-Demonstration im Februar 2025. Außerdem verlangte sie in ihrem Schlussvortrag am Dienstagvormittag die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Das würde eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausschließen.

Auch wenn es für die Beurteilung der Tat durch das Gericht natürlich keine Rolle spielt, hat der Prozess gegen Farhad N. für die Beobachter eine neue Aktualität erfahren. Freilich dachte man sofort auch an das Attentat auf den Berliner CSD vom Wochenende, als die Bundesanwaltschaft im Gerichtssaal der Justizvollzugsanstalt Stadelheim ihr Plädoyer hielt. Ein Auto rast in eine Menschenmenge, es gibt eine Tote, Dutzende Verletzte, der Hintergrund ist vermutlich ein islamistischer: Die Parallelen sind zu augenfällig.

„Die Tathandlung war, man muss es so deutlich sagen, auf die Vernichtung von Menschenleben angelegt“, sagte zum Anschlag in München einer der beiden Vertreter der Bundesanwaltschaft. Es bestehe kein Zweifel daran, dass der Angeklagte das Auto bewusst in die Menschenmenge gesteuert habe.

Mutter und zweijährige Tochter getötet

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem zweifachen Mord und 22-fachen Mordversuch vor. Dazu kommt – überwiegend gefährliche – Körperverletzung in 22 weiteren Fällen. Auch an dem Motiv haben die Ankläger keine Zweifel: islamistischer Terror. N. steht seit Januar wegen des Anschlags auf die Verdi-Kundgebung in der Münchner Innenstadt vor Gericht. Am 13. Februar 2025 hatte er sein Auto, einen Mini, von hinten ungebremst in den Demonstrationszug gesteuert.

Zunächst überholte er die Polizeifahrzeuge, die den Demonstrierenden in Schrittgeschwindigkeit folgten, dann trat er aufs Gas und raste direkt in die Menschenmenge. Nachdem das Auto sein erstes Opfer erfasst hatte, fuhr N. noch 23 Meter weiter. Zum Stehen kam er nur, weil die Vorderräder in der Luft hingen – wegen der unter und vor dem Auto liegenden Menschen.

Amel S., eine Bedienstete der Stadt München, und ihre Tochter Hafsa wurden bei dem Anschlag frontal von dem Auto erfasst, rund zehn Meter weit durch die Luft geschleudert und so stark verletzt, dass sie kurz darauf im Krankenhaus starben. Amel S. war 37 Jahre, ihre Tochter zwei Jahre alt. 44 Menschen wurden verletzt – zum Teil schwer bis lebensgefährlich. Auf den Bildern vom Tatort, die später in den Nachrichten gezeigt wurden, sah man häufig die Überreste des Kinderwagens, in dem Amel S. ihre Tochter auf der Kundgebung vor sich schob.

In der Wahrnehmung des Angeklagten habe die Attacke dem Willen Allahs entsprochen und sei eine gebotene Reaktion auf das Handeln der USA und anderer westlicher Staaten in Gaza und Afghanistan gewesen, so die Ankläger in ihrem fast zweistündigen Plädoyer. Auch persönliche Gefühlsregungen hätten eine Rolle gespielt: „Der Angeklagte hat Menschen zum Objekt seiner Wut, Enttäuschung und Verbitterung gemacht, obwohl diese am Entstehen seiner Stimmungslage keinerlei Anteil hatten.“

Erst kurz vor Tat radikalisiert

N. selbst hatte unmittelbar nach der Tat in einer Vernehmung durch die Polizei angegeben, er sei am Steuer eingeschlafen. N. habe die Polizeiautos bei der Demo gesehen „und gedacht, ich lebe nicht mehr in dieser Welt. So war es in meinem Kopf.“ Warum er in die Menge gefahren sei? Er wisse es nicht. „Mir ist schlecht geworden und ich wusste nicht, was ich tue. Es war ein Fehler, ich entschuldige mich bei allen Leuten.“

N. war 2016 als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen, galt lange als unauffällig. Er widmete einen großen Teil seiner Freizeit dem Bodybuilding, hatte einen Job als Sicherheitskraft und eine eigene Wohnung. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft radikalisierte er sich erst kurz vor dem Anschlag. Den entscheidenden Schub gaben wohl Hasspredigten afghanischer Geistlicher auf sogenannten sozialen Medien.

Am Dienstagnachmittag sollten noch die Nebenklägervertreter zu Wort kommen. Am Mittwoch wird die Verteidigung ihr Plädoyer halten, der Angeklagte erhält die Gelegenheit zum letzten Wort. Das Urteil fällt voraussichtlich am 6. August.

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6 Kommentare

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  • "Hasspredigten afghanischer Geistlicher auf sogenannten sozialen Medien"



    Dort sollte man ansetzen Accounts und Chats zu sperren.

  • Was mir bei all diesen Taten zu kurz kommt ist, dass viel zu wenig über die Persönlichkeit der Täter geschrieben wird. Immer geht es sofort auf die Schiene "Islamismus". Wer aber waren die Täter, wie verlief ihr bisheriges Leben vor den Taten. Sind sie "tiefreligiös" aufgewachsen, waren sie integriert, hatten sie Freunde, wie haben sie sich im "fremden Land" gefühlt. Was hat sie letztlich zur fürchterlichen Tat getrieben. Manchmal schießt mir der Gedanke durch den Kopf, dass es vielleicht einfach nur "arme Würstchen" waren, die einmal im Leben ganz im Mittelpunkt stehen wollten, einmal beachtet werden wollten, voller Wut darüber, dass ihr Leben so klein und "unbedeutend" war. Zur politischen oder religiösen Überzeugung sind sind sie, und das ist auffällig, recht spät gelangt. Diese Überzeugungen erscheinen mir aufgepfropft und nicht "echt".

    • @Il_Leopardo:

      "Immer geht es sofort auf die Schiene "Islamismus"...den Kopf, dass es vielleicht einfach nur "arme Würstchen" waren..."

      Es gibt arme agnostiker Würstchen, arme katholische Würstchen, arme buddhistische Würstchen, arme atheistische Würstchen usw usw...



      Diese verübeln aber nicht wiederkehrende Weltweit die schlimmsten Anschläge auf die freie westliche Gesellschaft. Die Top 10 Terrorgruppen sind ausnahmslos islamistisch. Daher denke ich schon, dass man den Islam ruhig kritisch bettachten kann.

      (Folgendes bezieht sich nicht auf Ihren Kommemtar, aber zur Sache)



      Die am schlimmsten verfolgte Religionsgemeinschaft sind weltweit die Christen (nicht zuletzt durch Islamisten), und doch, egal wie viele Gräuel im Namem des Islam geschehen (IS, Terroranschläge) versucht man es gerade in Deutschland (und allzu oft in linken Kreisen) wegzurelativieren.

      • @Pawel_ko:

        Nun ja, vielleicht denken diese Irregeleiteten, dass ihr Gott diese Taten gutheißt. Das behaupten die Vertreter des Islamismus und bedienen sich bei ihren Plänen der "armen Würstchen". Insofern haben Sie recht: Es gibt den Islamismus - aber ohne "arme Würstchen" könnten die ihre Pläne nicht umsetzen. Ich habe während meiner Arbeit als Sozialarbeiter sehr viele junge Männer betreut, die dem Islam angehörten, aber wenig Ahnung hatten, was dies bedeutet. Ich wusste weitaus mehr über ihre Religion als sie selbst. Mit ihnen über Islam zu reden, machte also wenig Sinn. Sinn machte es dagegen, mit ihnen über ihre Wut zu reden, über Vertreibung und (oft lange) Flucht, über ihre Enttäuschung in der neuen Heimat und was sie tun können, um hier Fuß zu fassen.

    • @Il_Leopardo:

      Würde das „Warum“ etwas an der Bewertung solcher Taten ändern?

      • @Ahnungsloser:

        Täter ist Täter - und er muss bestraft werden. Aber denken Sie mal an die Amokläufer hier bei uns und vermehrt in den USA. Da gerät wegen solch einer Tat auch nicht gleich eine ganze Gruppe in Generalverdacht. Dies geschieht aber hier, sobald es sich herausstellt, dass der Täter "fremder" Herkunft ist. Islamist = Islam = Migrant. Und schon richtet sich die Wut gegen Migranten insgesamt.