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Podcast „Kaff Crimes“Die besten Verbrechen schreibt immer noch der Vorort

Was sind die Eigenheiten von Verbrechen, die in Dörfern geschehen, wo etwa alle sich untereinander kennen? „Kaff Crimes“ liefert die Antworten.

An einem Herbstnachmittag, es muss etwa 2012 gewesen sein, standen wir auf der Auffahrt einer Freundin meiner Eltern und stießen mit Sekt an. Darauf, dass die Einfahrt, die das Haus der Freundin und das eines Nachbarn verband, zaunfrei bleiben würde. Der Nachbar hatte dort ein Metallgitter hingestellt, weil er die Freundin und ihre Kinder nicht mochte und nicht wollte, dass sie an seinem Haus vorbeifahren. Vor Gericht hatte er verloren. Wir sangen Lieder und lachten über den Blödian nebenan. Er ließ sich aber leider nicht blicken. Eine abstruse Geschichte, die sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat und bei der ich mir sicher bin, dass sie so passiert ist, weil ihre Kulisse der Stadtrand war.

In weniger belebten Gegenden, wo alle immer ein Auge auf alles haben, verhalten sich die Menschen sonderbar und somit passieren auch die skurrilsten Verbrechen. Über diese Fälle hosten die Journalistin Anna Dushime und die Schauspielerin Katjana Gerz den Podcast „Kaff Crimes“. Und ja, es gibt so viele Fälle, dass jede Woche eine neue Folge herauskommt.

Kaff Crimes, ARD Sounds mit Journalistin Anna Dushime und Schauspielerin Katjana Gerz

Was sind die Eigenheiten von Verbrechen, die in Käffern geschehen, wo etwa alle sich untereinander kennen und beim Vertuschen von Straftaten vielleicht sogar mit eingespannt werden? Wo man spezifisches Wissen etwa über Kuhzucht hat? Oder Themen, die im Schützenverein aufkommen, niemals aber auf dem Ku’damm in Berlin?

In einer Folge des Podcasts beschäftigen sich die beiden Hosts etwa mit Uwe, dessen Traum, einmal in seinem Leben Pflaumenkönig mit allen Vorzügen in einer brandenburgischen Kleinstadt zu sein, in einem jahrelangen Gerichtsstreit ausartet. Oder in einer anderen Folge damit, wie es dazu kam, dass ein berühmter Ex-Fußballspieler wegen des Ausblicks auf den Starnberger See in seiner Fünf-Millionen-Euro-Villa plötzlich die Garage seines Nachbarn demolierte.

„Egal wie viel Geld du hast, am Gartenzaun sind alle gleich“, kommentiert Katjana Gerz dazu in der Folge „Mein Nachbar mit der Kettensäge“. In der aktuellsten Folge „Die perfekte Partnerin“ geht es um Klaus, der denkt, er könnte mit Violetta eine Familie gründen inklusive eines eigenen Streichelzoos, aber am Ende kommt alles ganz anders.

Mord und skurrile Verbrechen

Manchmal geht es auch um Mord in den Folgen, aber die besten sind die, in denen skurrile Verbrechen passieren. Klar, manchmal machen sich Dushime und Gerz auch über die „Dorftrottel“ und die Verbrechen lustig, aber was den Podcast stark macht, ist, dass sich die beiden nicht über die Menschen erheben, sondern mit Empathie über sie sprechen. Mit Klaus haben sie Mitgefühl, weil er auf eine Hochstaplerin hereingefallen ist. Aber auch Violetta geben sie Raum und fragen, warum sie gleich eine Zwillingsschwangerschaft und ein 40-Millionen-Erbe vortäuscht, und ob manche Menschen leider gar nicht anders können als zu lügen.

Es geht im Podcast auch nicht darum, die schlimmsten Gewalttäter und ihre schlimmsten Taten zu analysieren, sondern die Eigenheiten von Verbrechen zu finden, die so nur stattfinden können, weil Menschen zusammenleben an Orten, wo es sonst vielleicht nicht so viel gibt. So ist „Kaff Crimes“ erfrischend anzuhören und wirkt im Gegensatz zu anderen True-Crime-Podcasts nicht allzu voyeuristisch. Und wir, die nicht in der Großstadt aufgewachsen sind – kennen solche Fälle. Nach diesen suchen die beiden auch immer noch für weitere Folgen.

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