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Antifa im TVSelten mehr als ein Klischee

Wenn An­ti­fa­schis­t*in­nen in Fernsehkrimis zu sehen sind, dann ist das Ergebnis oft cringe. Doch ein Film zeigt, dass es auch anders geht.

Eines kann man dem deutschen Fernsehkrimi der Gegenwart nicht vorwerfen: Er versucht immer wieder, sich auf die Geschehnisse da draußen in der Welt einzulassen.

Etwa mit rechtsextremistischen Gruppen oder Parteien – wie im Köln-Klassiker „Odins Rache“ von 2004, für den der Autor bei Aussteigerprogrammen recherchierte, oder „Dunkle Zeit“ mit Wotan Wilke Möhrings raubeinigem Kommissar Thorsten Falke von 2017, in dessen Zentrum eine „euroskeptische Professorenpartei“ steht, die sich zu einem rechten Sammelbecken entwickelt hat. Kommt einem irgendwie bekannt vor.

Die Welt im Fernsehkrimi bleibt dabei aber meistens schön und geordnet: Ja, es gibt sie, die Bösewichte, aber nach plus/minus neunzig Minuten ist das Gleichgewicht der Welt zumindest weitestgehend wiederhergestellt. Natürlich floss vermutlich ein bisschen unschuldiges Blut, aber der gute Herr Wachtmeister kommt, klärt und räumt dann auch auf. Und zum Schluss können wir alle wieder in Sicherheit und Ruhe leben.

Nur: Die Welt da draußen ist nicht so einfach wieder ins Lot zu bringen wie im Fernsehkrimi

Nur: Die Welt da draußen ist nicht so einfach wieder ins Lot zu bringen wie im Fernsehkrimi. Das zeigt sich etwa darin, wie sehr es sich die Programmverantwortlichen bei der ARD dann doch zu Herzen nehmen, wenn sich reale rechtsextremistische Akteure über „Tatorte“ und „Polizeirufe“ echauffieren.

Etwa, weil sie sich in Narrativen über fiktionale rechtsextremistische und korrupte Parteien überraschend wiedererkennen (huch!), oder weil mal für Sekunden im Post-DDR-„Polizeiruf“ „Für Janina“ (2018) ein Antifasymbol und Sticker mit der Aufschrift „FCK NZS“ und „FCK AFD“ zu sehen sind. Die Konsequenzen? Neben den typischen „Staatsfunk“-Vorwürfen sorgte die Stickeraffäre für Anfragen im sächsischen Landtag und natürlich dafür, dass der NDR einknickte und eine retuschierte Version des Films ins Netz stellte.

Sicherlich gut gemeint

Cringe. Aber mit Cringe kennt sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen ja ganz gut aus. Zum Beispiel immer wieder dann, wenn An­ti­fa­schis­t*in­nen in Fernsehkrimis auftreten. Wenn in besetzten Häusern und linken Milieus recherchiert wird und dafür die ganze Palette der Klischees von „ACAB“-Graffiti bis radikalisierte Flinta*-WG ausgepackt wird, wie etwa in einem anderen Möhring-„Tatort“, „Schattenleben“ von 2022.

Aber wir wollen mal nicht zu streng sein mit Thorsten Falke, der dann doch meist irgendwo das Gute in linken Ak­ti­vis­t*in­nen findet. Auch international läuft es selten besser, denkt man an Filme wie das wohlmeinende, aber konfuse „Battle in Seattle“ von 2007. Der Film handelt von den Protesten gegen die Konferenz der Welthandelsorganisation 1999, die für eine Renaissance der anarchistischen und linksautonomen Bewegung in den USA gesorgt hatten. Gedreht wurde er von dem mittlerweile in der Versenkung verschwundenen irischen Schauspieler Stuart Townsend.

Charlize Theron, Andrew 3000, Channing Tatum und Woody Harrelson schlüpften in die Rollen verschiedener Protagonist*innen. Alles irgendwie sicherlich gut gemeint, aber holzschnittartig ausgeführt. An­ti­fa­schis­t*in­nen als ganze Menschen mit Tiefe begreifen? Daran scheinen Fil­me­ma­che­r*in­nen immer wieder zu scheitern.

Aber es geht! Der Beweis lief bis vor Kurzem in der Mediathek von Arte: Rossellinis „Rom, offene Stadt“ von 1945. Eine neorealistische Elegie über Widerstand gegen den Faschismus, Solidarität, Liebe und Verrat. Dem deutschen Publikum war der Film über italienische Wi­der­stands­kämp­fe­r*in­nen und folternde SS-Soldaten lange nicht zugänglich – man befürchtete nichts Geringeres als „völkerverhetzende Wirkungen“ und hatte Sorge um die europäische Völkerverständigung.

Oder vielleicht eher: die Gefühle des deutschen Publikums. Erst 2024 erschien eine ungekürzte und unzensierte Version des Films in Deutschland. Man möchte ihn deutschen Fern­seh­kri­mi­au­to­r*in­nen zur Pflichtschau aufzwingen.

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