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Plagiate von Politologin Ulrike GuérotGuérots Kündigung war rechtens

Die Politologin Ulrike Guérot scheitert mit einer Klage gegen ihre Kündigung durch die Uni Bonn. Sie war mit Kritik an den Coronaregeln bekannt geworden.

Die Politologin Ulrike Guérot scheitert mit einer Klage gegen ihre Kündigung durch die Uni Bonn Foto: Oliver Berg/dpa

dpa | Die Kündigung der umstrittenen Politologin Ulrike Guérot durch die Universität Bonn ist nach einem Gerichtsurteil rechtmäßig gewesen. Das Arbeitsgericht Bonn wies am Mittwoch eine Klage der 60 Jahre alten Wissenschaftlerin gegen die Kündigung ab. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Die Universität hatte die Kündigung mit Plagiatsvorwürfen begründet. Das Gericht folgte dem und stellte eine „Pflichtverletzung der Klägerin durch Täuschung“ fest. Ausschlaggebend für das Gericht war dabei Guérots Buch „Warum Europa eine Republik werden muss“. In diesem Buch habe sie an mehreren Stellen Aussagen anderer zitiert und dies nicht richtig kenntlich gemacht, was einem wissenschaftlichen Fehlverhalten und auch einem Plagiat entspreche.

Den Täuschungsversuch sieht das Gericht darin begründet, dass sich Guérot unter anderem mit diesem Buch um die Professur in Bonn beworben hatte. Da sie keine wissenschaftliche Anfängerin sei, sondern sich auf höchstem akademischen Niveau bewege, sei dies als besonders schwerwiegend zu werten und rechtfertige eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung.

Guérot – Verfasserin des Bestsellers „Wer schweigt, stimmt zu“ – hatte während der Corona-Pandemie mit scharfer Kritik gegen die staatlichen Schutzmaßnahmen auf sich aufmerksam gemacht. Umstritten ist sie auch aufgrund ihrer Äußerungen zum Ukraine-Krieg. Seit Beginn des russischen Angriffs fordert sie sofortige Friedensverhandlungen. Kritiker werfen ihr vor, das Verhältnis von Angreifer und Angegriffenem dabei teilweise umzukehren.

Die Gerichtsverhandlung am Mittwoch zog Dutzende Unterstützer und Unterstützerinnen der Autorin an. Sie forderten auf Transparenten Wissenschaftsfreiheit. Das Urteil wurde von ihnen mit Missbilligung aufgenommen.

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4 Kommentare

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  • Wissenschaftsfreiheit und die Freiheit des Plagiierens sind aber zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe. Da scheint mir Unterscheidungsvermögen abhanden gekommen zu sein.

  • Bitte keine "Politiologin", liebe taz.



    Guérot war früher eine gute Analytikerin der europäischen und deutsch-französischen Politik. Doch war sie auch eine Professorin oder hatte man die Professur eher für Lehrbereitschaft und Prominenz ausgeteilt? Zitate sauber prüfen wird von Studis inzwischen sehr scharf abverlangt, da sollten Profs besser vorbildlich sein (eine andere Meinung als ich dürfen sie ansonsten haben).

  • Justiz wie gewünscht und bestellt.

    • @Rolf B.:

      Wer als Professor plagiiert fliegt raus, das ist verpflichtend sonst macht sich die uni unglaubwürdig wenn sie atudenten wegen demselben bestraft. Und Plagiat lag ganz definitiv vor.