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Peter Thiel erhält Axel Springer AwardEin Preis für den Antichristen

Der einflussreiche Tech-Apokalyptiker Peter Thiel wird vom Axel-Springer-Verlag ausgezeichnet. Dessen CEO Döpfner will endlich bei den großen Tech-Bros mitspielen.

„Die Apokalypse ist das friedlichste Mittel, den Krieg der alten Mächte gegen das Internet zu beenden – einen Krieg, den das Internet gewonnen hat.“ Das schrieb im November 2024 US-Tech-Milliardär Peter Thiel in der Financial Times. Mittlerweile wissen wir, dass Organisationen wie die UNO für den deutschstämmigen Big-Tech-Guru und -Investor den „Antichristen“ darstellen und er sich bzw. die USA als „Katechon“ sieht. Als „Aufhalter“ also, der sich in den Weg stellt und den Weltuntergang wenigstens ein bisschen hinauszögert.

So weit, so biblisch. Und dafür bekommt Peter Thiel jetzt den Axel Springer Award. Wir könnten uns damit trösten, dass der echte Axel Springer himself ja auch immer ein bisschen wunderlich war und auf Astrolog*innen, Wahr­sa­ge­r*in­nen oder gleich Manfred Köhnlechner setzte. Doch das springt zu kurz. Denn für Thiel sind die erklärten Gegner auch kritischer Journalismus und die klassischen Medien.

Denn sie gehören zu dem, was Thiels Freund und Co-Investor Eric Weinstein als „Distributed Idea Suppression Complex“ (DISC) bezeichnet. Zu diesem „Ideen-Unterdrückungsapparat“ gehören neben Medien, Hochschulen und Behörden auch suprastaatliche Institutionen wie eben die UNO. Also alle Linkswokeversifften, die bislang wenigstens noch teilweise was dagegen haben, dass Überwachungsfirmen wie Palantir völlig ungebremst agieren, in den USA Millionen Menschen um ihr Wahlrecht gebracht werden oder Big Tech die Demokratie gleich ganz abschafft.

In Deutschland gehört neuerdings sogar die CDU zum DISC, jedenfalls unter Friedrich Merz. Die Berichte der vergangenen Tage über die „Zerrüttung“ zwischen dem Kanzler und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sprechen da Bände. Wobei es Döpfner hier wahrscheinlich wirklich nicht um die AfD geht. Dafür ist ihm die Partei viel zu unintellektuell, taugt aber als Mittel zum Zweck.

Döpfner will bei Big Tech mitspielen

Von Zerrüttungen zwischen Döpfner und Peter Thiel, Elon Musk & Co. ist dagegen nichts bekannt. Im Gegenteil, nach Informationen des US-Mediendienstes Status soll niemand Geringeres als CBS-News-Chefin Bari Weiss am 24. September in Berlin die Laudatio auf Thiel halten. Weiss baut gerade CBS im Sinne von Thiel und Trump um, dabei hätte Döpfner sie laut Status gern längst in den eigenen Reihen. Springer weist Letzteres offiziell als Gerücht und olle Kamelle zurück.

Nun geht der Axel Springer Award schon seit Jahren an die von Döpfner verehrten Big-Tech-Apokalyptiker, bei denen er endlich mitspielen möchte. 2016 war Mark Zuckerberg dran, 2018 Jeff Bezos, 2020 Elon Musk, vergangenes Jahr Open AI-Gründer Sam Altman. Die Entscheidung für Peter Thiel, der „wegen seiner Thesen angegriffen und diskreditiert“ wird (Springer-Pressemitteilung), ist da so konsequent wie gefährlich. „Axel Springer steht für Meinungsfreiheit und eine offene Diskussionskultur“, heißt es weiter. „Wenn jemand solche Meinungen offen haben kann und dafür einen Preis bekommt, wird es auch nur Scheiße“, meint die Mitbewohnerin.

Hier geht Springer mit Bild und Welt letztlich genauso dialektisch vor wie die AfD. Auch die nutzt die verhassten klassischen Medien, um Destruktion zu verbreiten, auf dass die Apokalypse komme. Nur dass bei ihr das Ziel nicht Tech-Faschismus à la Peter Thiel heißt, sondern „bloß“: Faschismus.

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18 Kommentare

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  • Die Preisverleihung des Axel-Springer-Verlags an den Tech-Milliardär Peter Thiel ist eine moralische Bankrotterklärung mit Ansage. Dass ein deutscher Medienkonzern, der sich stets als Hüter der Freiheit und Demokratie inszeniert, ausgerechnet einen Mann auf den Schild hebt, der die Demokratie öffentlich für „unvereinbar mit Freiheit“ erklärt hat, spottet jeder Beschreibung. Thiel ist kein Visionär, sondern der Chefarchitekt eines digitalen Überwachungskapitalismus und ein prominenter Geldgeber des radikalen, autoritären Flügels der US-Rechten.



    ​Wer Datenkraken wie Palantir baut und Bewegungen finanziert, die den Rechtsstaat gezielt zersetzen, verdient keinen Preis für Werte – er verdient scharfe gesellschaftliche Ächtung. Springer rollt hier einem Technokraten den roten Teppich aus, der Macht, Algorithmen und Kapital über die Würde des Menschen stellt. Das ist kein Bekenntnis zu Innovation, sondern die feige Anbiederung an das Geld und der blanke Zynismus eines Verlags, der seine eigenen Werte für ein bisschen Nähe zur Macht verschleudert.

  • Erschreckend, wie weit einer aufsteigen konnte, dessen erstes "großes Werk" es war in der Wendezeit eine weithin beliebte ostdeutsche Wochenzeitschrift, die als dauerhafte Bückware galt, als Chef durch beschleunigte "Anpassung an den deutschen Zeitschriftenmarkt" in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen...



    Schätze: Auch das war bereits eine gut bezahlte "Auftragsarbeit" von Herrn Döpfner. Jetzt ist er ein Player, der in größerem Rahmen denkt.

  • Springer ist einfrig dabei, Schwarz-Blau herbeizuschreiben, wer Welt TV schaut sieht immer die gleichen rechten "Meinungsmacher", so gesehen passt da Thiel ins Bild.



    Da muss man ausnahmsweise Merz loben, dass er diesen Wahnsinn, der natürlich in der Spaltung und Zerstörung der CDU enden muss, bis dato verhindert.



    Dass Irre wie Musk und Thiel diesen Einfluss haben sagt viel über unsere Zeit aus, leider nichts Gutes.

  • Hier ist deutlich zu sehen, was da abläuft: ein "verdeckter Putsch" nach rechts. Die Springer-Medien eilen der Gleichstellung schon mal voraus und fördern faschistische Tendenzen. Thiel ist längst auf dieser Linie. Das Erschreckende ist jedoch, dass sich die csdU hier nicht deutlicher positioniert. Der -dem Himmel sein Dank- geschasste Spahn wollte gar die Zusammenarbeit mit dieser Clique....

    • @Perkele:

      Ist die Position der Union wirklich so undeutlich?



      Spahn tritt zwar von seinem Posten zurück, bleibt mit seiner wirtschaftsliberal-elitären Grundhaltung aber im (dann eher unauffälligen) Zentrum eines Grundwerte- und Demokratie-verachtenden, skrupellosen, machthungrigen Klüngels innerhalb der Union, der wiederum zumindest ideologisch Teil des weltweiten (Atlas-)Netzwerks ist, zu dem auch Thiel, Milei, usw. gehören.



      Wohlgemerkt: ein Netzwerk ist keine feste Struktur mit Statuten, Kassenwart und Mitgliedsbeiträgen. Man bezieht sich inhaltlich, nicht formal aufeinander, und da finde ich die Union (im Verbund mit FDP, SPD-Führung, bestimmten Medien- und Wirtschaftslenkern) erschreckend eindeutig.



      Ein Großteil des Volkes fühlt das vielleicht, ohne es zu verstehen. (womit das Thema „gewollte Bildungsmisere" erreicht wäre, aber das führt dann wirklich zu weit weg ...)

  • Diese Tech Spinner setzen die Persönlichkeitsrechte auf Null um ihre eigenen Interessen an erster Stelle zu setzen. Das Problem zeigt KI und Soziale Medie. Hass und Lügen lassen sich am besten verkaufen

  • Ich könnte mir vorstellen, das Axel Springer im Grab rotiert

  • Würde mich mal interessieren, wo er den Preis entgegennimmt: Deutschland, USA, Argentinien, Neuseeland, Malta oder Prospera?

  • Historisch lässt sich beobachten, dass Medienkonzerne politische Randfiguren oder radikale Akteure „hoffähig" gemacht haben, z.B. durch



    1. Strukturelle Nähe durch Kapital; als Investor oder über persönliche Beziehungen zur Eigentümerfamilie.



    2. Der Medidnkonzern muss den radikalen Akteur nicht unbedingt selbst vollständig befürworten. Es reicht ein taktisches Kalkül – etwa die Hoffnung, über Nähe Einfluss zu behalten, eine gemeinsame Gegnerschaft zu bündeln oder wirtschaftliche Vorteile zu sichern.



    3. Normalisierung durch mediale Präsenz. Regelmäßige, unkritische oder wohlwollende Berichterstattung verschafft Legitimität, unabhängig davon, ob explizit Position bezogen wird. Bloße Sichtbarkeit ohne Einordnung wirkt bereits als Aufwertung.

  • "Biblisch" ist, was in der Bibel steht. Um das zu wissen müsste man sie lesen ...

    • @Christ:

      💯 Das dachte ich mir auch, als ich den Passus las 😉

    • @Christ:

      Was willst du der Welt damit sagen? Sowohl vom Antichristen als auch vom Katechon ist darin die Rede...

  • Amen.

  • Bei Springer wundert mich nichts mehr .



    Das passt zu dem " Verlag ".



    Mit Journalismus hat das Alles überhaupt nichts zu tun . Es wird nur auf das Übelste



    aus der rechten Ecke gehetzt .



    " Springerpresse ist Mörderpresse " , so war es



    und so ist es auch heute noch !

  • Einen die Demokratie verachtenden Verleger gab es vor hundert Jahren schon einmal, wohin das geführt hat, wissen wir. Man fragt sich, welche Antidemokratin / welcher Antidemokrat noch auf der Vorschlagsliste stand? Weidel, Trump, Meloni?

    1968 war eine Forderung der Studentenbewegung die Enteignung Springers, selten war diese Forderung so gerechtfertigt wie heute, der Verlag muss zum Schutz der Demokratie vergesellschaftet werden, bevor es zu spät ist.

  • In einem Hamburger Nachrichtenmagazin konnte man lesen, dass Peter Thiel 50 Mio. € in Döpfner jr.‘s Startup investiert hat. Da hat er sich den Preis doch redlich verdient oder nicht?

    • @Grenzgänger:

      50 Millionen halte ich für unrealistisch:

      "Das Vermögen von Mathias Döpfner wird auf etwa 2,5 bis 3,8 Milliarden Euro geschätzt."

      Was soll der mit 50 Millionen anfangen? Das würde ihn ratlos zurücklassen.

      • @Josef 123:

        Döpfner juhuhunior.