Ostern in Jerusalem: Tausende feiern orthodoxe Feuer-Liturgie in Jerusalem
Nach der Aufhebung von Versammlungsbeschränkungen kommt wieder Leben in die Altstadt. Zusammenstöße mit der israelischen Polizei trüben die Stimmung.
kna/taz | Nach der Aufhebung der Versammlungsbeschränkungen feiern orthodoxe Christen wie gewohnt Ostern in Jerusalem. Zur Feier des „Heiligen Feuers“ am orthodoxen Karsamstag kamen Tausende Besucher zusammen. Etwa 2.500 von ihnen durften nach Polizeiangaben die Grabeskirche betreten, mehrere hundert Menschen waren auf dem Vorplatz. Weitere hielten sich in der gesamten Altstadt auf.
Die über 1.200 Jahre alte Liturgie des „Heiligen Feuers“ am Samstagmittag gilt als Höhepunkt der ostkirchlichen Feiern in Jerusalem. Nach orthodoxem Volksglauben entzündet sich auf wundersame Weise eine Flamme an der als Grab Christi verehrten Kapelle. Das Feuer wird anschließend weitergereicht.
Die Polizei hatte Straßensperrungen ab den frühen Morgenstunden angekündigt. Im gesamten Bereich der Altstadt sollen demnach Hunderte Beamte im Einsatz sein. Die Kapazitätsgrenze für das Kirchengelände sei „in Übereinstimmung mit der Bewertung eines Sicherheitsingenieurs“ unter Berücksichtigung von Faktoren wie Personendichte und Notausgängen festgelegt worden, „um eine gefährliche Überfüllung zu verhindern“, so die Polizei.
Bilder und Videos in den Sozialen Medien zeigen wohl, dass die israelische Polizei gegen einige Gläubige am Samstag mit Gewalt vorging und sie festnahm. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa hatte die Polizei unter anderem den palästinensischen Pfadfindern – deren Parade zu den Feierlichkeiten gehört – die palästinensische Flagge entzogen. Die Außenministerin der Palästinensischen Autonomiebehörde Varsen Aghabekian Shahin erklärte: Die Angriffe auf christliche Gläubige am Samstag seien „ein direkter Angriff auf die Glaubensfreiheit“. Den Zugang zur Grabeskirche zu blockieren, sei eine Verletzung internationalen Rechts und des Status Quo.
Kirchliche Kritik an Begrenzungen
Polizeiliche Begrenzungen der Teilnehmerzahlen hatten in vergangenen Jahren zu Protesten einheimischer Christen sowie der Kirchenführer geführt. So hatte die Polizei 2022 zunächst eine Beschränkung auf höchstens 1.000 Menschen angekündigt, wogegen sich Vertreter der Christen Jerusalems sowie mehrerer orthodoxer Organisationen juristisch gewehrt hatten. Im vergangenen Jahr waren 2.750 Menschen in der Kirche sowie 4.200 Personen im unmittelbaren Gebiet um die Grabeskirche und auf den Dächern zugelassen.
In den Jahren vor der Pandemie hatte die Polizei die Zahl der Teilnehmer an den Feiern wegen der beengten Verhältnisse sowie fehlender Notausgänge auf 10.000 Personen beschränkt.
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