Siedlergewalt im Westjordanland: Erneut Palästinenser von mutmaßlichem Siedler getötet
Israels Militärchef hatte die anhaltenden Angriffe jüngst verurteilt. Doch die Gewalt hält an, Konsequenzen für die mutmaßlichen Täter gibt es kaum.
dpa/taz | Bei Konfrontationen mit israelischen Siedlern im besetzten Westjordanland ist nach palästinensischen Angaben erneut ein Palästinenser getötet worden. Das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah bestätigte den Tod eines 24-Jährigen bei einem gewaltsamen Vorfall in dem Dorf Tajasir im Norden des Westjordanlands.
Nach palästinensischen Medienberichten wurde der Mann am Mittwochabend von einem israelischen Soldaten erschossen, nachdem Siedler das Dorf überfallen und Einwohner sich verteidigt hatten. Nach Angaben des palästinensischen Rettungsdienstes Roter Halbmond hinderten Soldaten Rettungskräfte daran, zu dem Verletzten zu gelangen.
In einer Mitteilung der Armee hieß es, israelische Soldaten seien nach Berichten über Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Zivilisten in das Gebiet gekommen. Während der Konfrontationen seien Steine geworfen worden. Dabei seien ein israelischer und ein palästinensischer Zivilist verletzt worden. Ein Soldat außer Dienst habe auf einen Palästinenser geschossen, nachdem dieser die israelischen Zivilisten mit Steinen beworfen habe. Der Vorfall werde untersucht.
Israelische Medien sprechen von „jüdischem Terror“
Seit Beginn des Gazakriegs vor mehr als zweieinhalb Jahren ist es auch im besetzten Westjordanland zu einem deutlichen Anstieg von Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser und ihren Besitz gekommen. Es ist auch in israelischen Medien immer häufiger die Rede von „jüdischem Terror“. Im Jahr 2025 gab es allein nach Zählung des israelischen Militärs 2,4 Angriffe pro Tag. Die Vereinten Nationen zählen sogar mehr als das Doppelte.
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte die Angriffe radikaler Siedler auf Palästinenser im März als „moralisch und ethisch inakzeptabel“ verurteilt.
Den israelischen Sicherheitskräften wird immer wieder vorgeworfen, sie gingen nicht entschlossen genug gegen das Phänomen vor oder stellten sich sogar auf die Seite der aggressiven Siedler. Hinzu kommen sogenannte Siedler-Soldaten, die vom Militär bezahlt und bewaffnet werden und eigentlich zum Schutz ihrer eigenen Siedlungen abgestellt sind. Sie treten also wie das Militär auf, unterstehen aber kaum Kontrollen.
Hinzu kommt, dass der Staat Israel weiterhin hohe Beträge in seinem Staatshaushalt für die Siedlungen vorsieht – auch, wenn diese für extremistische Bewohner bereits bekannt sind. So erhielt das Siedlungsministerium unter der rechtsextremen Orit Strock in den jüngsten Haushaltsverhandlungen umgerechnet etwa 84 Millionen Euro. Sogar selbst unter israelischem Recht illegale Siedler-Außenposten erhalten staatliche Gelder. Im Westjordanland und Ost-Jerusalem, das Israel im Sechstagekrieg 1967 eroberte, leben heute neben etwa 3 Millionen Palästinensern mindestens 700.000 israelische Siedler, Tendenz steigend.
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