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Neuer britischer Premierminister Hört auf die Bürgermeister!

Kommentar von

und Gunnar Hinck

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham macht mit handfester, konkreter Politik auf sich aufmerksam. Sie könnte sich zum Vorbild für linke Regierungspolitik entwickeln.

G roßbritanniens neuer Labour-Premierminister Andy Burnham lässt aufhorchen mit seiner Art der Politik. An seinem ersten Arbeitstag verkündete er, dass Privathaushalte ab Oktober keine Mehrwertsteuer auf Strom mehr zahlen müssen, um jenen, die unter der Inflation besonders leiden, „Luft zum Atmen zu geben“, wie er sich ausdrückte.

Und weiter: Eine einfache Busfahrt im Nahverkehr soll auf 2 Pfund gedeckelt werden, nachdem sein Vorgänger, Keir Starmer, die Obergrenze noch auf 3 Pfund angehoben hatte. Burnhams Ankündigung beschränkt sich aus rechtlichen Gründen auf den Landesteil England, aber immerhin.

Schließlich wird seine Regierung die Gewerbesteuer für Konzertlokale und Pubs um 20 Prozent senken, was das Leben der britischen Arbeiterschicht in ihrem zweiten Wohnzimmer, eben dem Pub, weniger teuer macht.

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Die Finanzierung dieser drei Vorhaben ist teilweise noch nicht gesichert, auch mögen sie kleinteilig wirken – und doch könnte sich aus der Burnham'schen Politik ein Erfolgsmodell für sozialistische und sozialdemokratische Parteien über Großbritannien hinaus entwickeln: Handfeste, konkrete Politik, die die Kernzielgruppe zügig auf dem Konto merkt.

Auch bei einem anderen Projekt ist die Handschrift des Ex-Kommunalpolitikers erkennbar: Burnham plant eine dezentralisierte Politik, die er „Place First“ nennt: Die einzelnen Politikbereiche – Gesundheit, Verkehr, Bildung – sollen aus dem Silodenken heraus. Denn was in der jeweiligen Logik der Einzelbereiche sinnvoll erscheint, widerspricht sich oft vor Ort und ergibt kein schlüssiges Ganzes. Einer seiner Vorgänger als Labour-Chef, der aus der linken Theorie-Ecke stammende Jeremy Corbyn, wollte das ganz große Rad drehen – und scheiterte damit schon in der eigenen Partei.

Und bei uns? Die SPD steht nicht im Verdacht, von TheoretikerInnen dominiert zu werden, bei ihnen herrscht der Technokrat Lars Klingbeil. Aber sie sollte mehr auf ihre BürgermeisterInnen hören.

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Gunnar Hinck

ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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5 Kommentare

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  • Regional sozial-ökologisch mit Donutr Ökonomie denken kann Lösungen siuchtbar machen, die Technokraten nicht erkennbar sind, aber für Zukunft Modelle schaffen, an denen die Theorie sich praktisch zeigt.Z.B. Donut Ökonomie und Wertschöpfungs+Energie Kreisläufe: Zukunft ist bunt!



    Meck-Pom mit zu vernässenden Mooren, Küste wo Meerwasser entsaltzt und das Na Salz für Natrium Ionen Elektrospeicher genutzt werden könnte,um die Einspeisung von nachaltige,m Strom vor Ort in Netzen zu ermöglichen, statt die Börse zu pampern, ev, auch vor Ort Wasserstoff draus gewinnen,m wenn zu viel da ist für eine Mobilitäts Wende auch mit IGM Gewerkschaft als ÖPN-V-W Hilfe + Mobilität für alle in der Fläche bezahlbar und elektrisch & Barrierefrei machen +sozial-ökoloisches Jahr statt Wehrpflicht: Moore vernässen (CO2 Gutschrift ?-Finanzierung ?) mit den Bauern & Fischern reden um zusammen Fossile Dünger rück und Meeresschutz hoch zu setzen, Fische erhalten, Meergrasweisen setzen. Ausrechnen, wieviel Folgekosten aus solchen Kreisläufen gespart werden und als Potenzial Gutschrift politisch einsetzen, um ein nachhaltiges BIP durch zu setzen ! Donut Ökonomie einfordern terrestrisch #debt4climate !

  • Ein kleiner Anfang wäre es ja, wenn gerade die Kosten der vernachlässigten 'kleinen Leute' in den Blick genommen werden. Die 'Wirtschaftspolitik' , die davon ausgeht, das Unternehmertum zu unterstützen, damit sie für Arbeit und Auskommen sorgen dürfen, ist gescheitert, nicht nur bei VW oder Porsche, sondern auch bei den 'nur' Strom-fressenden Techgiganten, die auf eine ständig ärmer werdende und trotzdem mit (sinnloser) Werbung, die eigentlich alles finanzieren sollte. zu geschüttete Klientel trifft. Mehr als Zuviel geht so -leider?- nicht. Wenn Pensionäre, die auf einen Zuwachs ihres Anlagevermögen gewettet haben, gleichzeitg kalte Füsse bekommen, weil sie merken, dass alles Spekulieren mit Aktien nur ein fauler Zauber ist, ist alles ganz schnell vorbei und fast alle stehen plötzlich 'arm' da, es ist nur 'nur' eine Frage von Zeit, Verstand und Einsicht: Spiegel-online warnte ja heute schon davor, dass die US-Altersversorgung kollabieren könnte. Bei uns klagen ja auch schon Ärzte und Apotheker über mangelnde Rentabilität der Anlagen ihrer Versorgungskassen, was sollen denn die Skandinavier erst sagen? Lieber 'unten' kleinere Brötchen backen. (neu anfangen?) Und die Politik?...

  • Ja, Andy Burnham bringt frischen Wind mit.



    Das ist sehr erfreulich.



    Populäre Entscheidungen sorgen für gute Stimmung und das ist eine gute Grundlage für eine Gesellschaft.



    Der Tankrabatt hierzulande war eine ähnliche populäre Entscheidung, der schlechte Stimmung dämpfte.



    Dennoch sind nicht alle Probleme universell und übertragbar.



    Insbesondere sind in Deutschland viele ländliche Bereiche sehr konservativ regiert.



    Diesen Bürgermeister*Innen mehr Möglichkeiten zu geben sorgt nicht unbedingt für Fortschritt.



    Kompetenz kommt nicht von alleine.



    Wenn Burnhams populäre Ideen noch nicht refinanziert sind, zeigt sich, dass dieser Stil auch Grenzen hat.



    Positiv ist allerdings schon mal, dass Labour in einer linken Zeitung gute Presse erhält.



    Das ist auch notwendig, wenn linke Bürger*Innen wieder einen linkeren Politikstil wollen.



    Gräben im linken Lager zu vertiefen ist da zerstörerisch.



    Wer im linken Lager gegen Sozialdemokratie hetzt stärkt keine linken Positionen, sondern bringt das ganze Lager in Verruf.



    Es war folgerichtig, dass sich linke Kräfte zur progressiven Allianz zusammengeschlossen haben. "Sozialismus" ist nicht zwangsläufig progressiv.

  • Könnte Vorbild für diverse Parteien sein. Aber nicht für die SPD, die fest in der Hand des rechten Flügels aka Seeheimer ist.

  • Populismus muss ab und an sein. Dabei stehen bleiben - besser nicht. Es gibt so ein paar Tricks, um sich Handlungsspielraum zu schaffen. Reiche auch wieder heranziehen, Energieraushauen und Umweltschädigen besteuern. Wer die Zuckersteuer hinbekam, wird auch da einiges hinbekommen. Burnham kann argumentieren, dass Starmer sich (unnötig) die Hände band bei Steuern, nicht er, Burnham.