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Neue Musik aus BerlinAnziehendes Gegengift

Das Magnetic Ghost Orchestra legt sein neues Album „Holding On To Wonder“ vor – eine vergnüglich schroffe Mischung aus Jazz, Soul und Indietronic.

D as Singen im Chor ist wieder en vogue – es gilt als Antidot gegen Vereinzelung. Kurzum: Es macht glücklich. Gleiches könnte auch für das Musizieren im Orchester oder einer Bigband gelten – und doch eilt solchen Ensembles ein angestaubtes Image voraus. Dabei gibt es gerade in dieser Stadt diverse Gegenbeispiele, die für einen avancierten bis avantgardistischen Sound stehen: vom Andromeda Mega Express Orchestra bis zum Splitterorchester. Dem Spirit einer Bigband am nächsten kommt Moritz Sembritzkis Magnetic Ghost Orchestra. Mit mit „Holding On To Wonder“ ist der Band ein Album gelungen, das tatsächlich – getreu dem Titel – zum Staunen auffordert.

Die Songs irrlichtern aufs Vergnüglichste zwischen sprödem Gegenwarts-Jazz und verspielter Indietronic, während sich schroffe Kratzigkeit an schwelgerischem Soul a la Minnie Riperton reibt. Trotz der fast musicalhaften Anmutung des Sounds hat das Ensemble eine doppelbödige Wundertüte gepackt, in der reichlich Unerwartetes steckt.

Schließlich geht es in den Songs darum, unterschiedliche, oft widerstreitende Gefühlslagen zu illustrieren. Die Rahmenhandlung, von der Librettistin Alexia Penigue in einen gesungenen Text verwandelt, erzählt vom Austausch zwischen einer jungen Schriftstellerin und einer ältere Malerin – und den Freuden und Fallstricken, die mit kreativer Arbeit einhergehen: Wie man seinen „Sweet Spot“ findet. Aber auch, wie man mit Neid umgeht.

Das Album

Magnetic Ghost Orchestra: Holding on to Wonder (Fun in the church/ Bertus/ Zebralution), 2 x live: Am 12. Oktober im House Of Music, am 7. Dezember im b-flat

Die munter mäandernden Tracks sind klanggewordenes Plädoyer fürs menschliche Kunstschaffen – mit all dem Stolpersteinen, die damit einhergehen.

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