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Neue Kennzeichnung von süßen AufstrichenMehr Ehrlichkeit im Supermarktregal

Marmelade oder Fruchtgelee? Im Segment der süßen Brotaufstriche gibt es etwas Neues. Zeit, auch woanders der Verwirrung entgegenzuwirken.

M armelade darf nun endlich Marmelade heißen. Verwirrt? Ja, das ist auch kein Wunder. Denn wer bislang meinte, Marmelade zu kaufen, hat in vielen Fällen eigentlich ein Glas mit Fruchtaufstrich, Konfitüre oder Gelee aus dem Regal geholt.

Zumindest dann, wenn es sich bei der Fruchtkomponente um so etwas wie Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Aprikose, Hagebutte, Sanddorn-Holunder, Pfirsich-Maracuja, Kirsche, Johannisbeere oder Rhabarber handelt, also praktisch alles und noch mehr, aus dem man selbst Marmelade einkochen würde.

Fast alles. Denn der Begriff Marmelade ist laut der gerade noch geltenden europäischen Konfitüre-Verordnung dem süßen Matsch aus Zitrusfrüchten vorbehalten. Also: Blutorangen-Marmelade ja, Kirschmarmelade nein. Ausnahmen gab es nur für den Direktvertrieb.

Ab Mitte Juni darf nun im Supermarktregal auch Erdbeer- oder Pfirsich-Maracuja-Marmelade stehen. Ein großer Schritt für das süße Brotaufstrichsegment, ein kleiner hin zu weniger Verwirrung? Definitiv. Denn auch andernorts ließe sich mit ein paar kleinen Umbenennungen mehr Klarheit schaffen.

Milch und Drinks

Zum Beispiel bei pflanzlichen Milchprodukten. Hat irgendjemand eine Ahnung, was „Hafer Cuisine“ sein soll? Nein, das ist keine Küchenfront in braun-beige. Sondern ein Produkt, das in Konsistenz und Kocheigenschaften Sahne ähnelt und aus Hafer besteht. Nur darf nicht Hafersahne draufstehen, weil das zwar für mehr Durchblick am Supermarktregal sorgen würde, aber eben auch für Klagen aus der Kuhmilchindustrie.

An anderer Stelle setzen Produzenten und Händler dagegen freiwillig auf mehr Intransparenz, zum Beispiel bei Desserts oder Eis. Oder hat jemand schon mal einen Vanillearoma-Pudding gesehen? Oder ein Himbeeraroma-Eis?

Aber auch anderswo könnte eine ehrliche Bezeichnung ein realistisches Erwartungsmanagement ermöglichen. Wer statt eines KI-Chatbots einen Wörterwahrscheinlichkeitsraten-Chatbot befragt, wundert sich gar nicht mehr, wenn der einen fiktiven Urlaubsort samt ausgedachter Bahnverbindung vorschlägt. Und die Ver­tre­te­r:in­nen von EU und USA hätten sich viele Verrenkungen sparen und den „Data Privacy Framework“, also etwa „Datenschutzrahmen“, einfach Daten-Weitergabe-ohne-Schutz-Rahmen nennen können.

Auch die Bundesregierung könnte profitieren. Angesichts ihrer beharrlichen Weigerung, die großen Probleme wie Klimakrise, Abhängigkeit von Öl und Gas oder die wachsende wirtschaftliche Kluft ernsthaft anzugehen, könnte sie sich einfach umtaufen in Bundesnichtregierung. Und zack wäre Flaute in den Segeln der Kritiker:innen.

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Eine Erdbeer-, Himbeer- oder Johannisbeer-noch-nicht-Marmelade übrigens enthält manchmal mehr Zucker als Frucht. Doch auf den Tag, an dem ein Hersteller ehrlicherweise Zuckermarmelade draufschreibt, werden wir wohl leider vergeblich warten.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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