Nachwehen des Kommunalwahlkampfs: Loser takes it all
Fast hätte es in Hannover ganz langweilige Koalitionsverhandlungen gegeben. Zum Glück sind noch nicht alle persönlichen Beleidigungen ausgeheilt.
Foto: Moritz Frankenberg/dpa
D as ist ja gerade noch mal gut gegangen. Ich hatte schon Angst, die raufen sich jetzt einfach so wieder zusammen da im Rathaus, die Grünen und die Roten. Das wäre ja fatal für den Unterhaltungswert dieser Kolumne. Aber nein, das „House of Cards“-Drama in der Hannover-Variante ist noch nicht zu Ende.
In der Rolle des Problembären erster Güte findet sich nun Kämmerer Axel von der Ohe wieder – gestern noch SPD-Spitzenkandidat und heißer Anwärter auf das Oberbürgermeisteramt. Aber so ist das wohl mit den Helden von gestern.
Der findet offensichtlich, so eine Niederlage muss man halt sportlich nehmen. Die gehört im demokratischen Wettbewerb halt dazu. Und nur weil er seinem Chef, Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne), im Wahlkampf ein paar Mal ans Bein gepinkelt hat, heißt das doch nicht, dass man jetzt nicht wieder vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Immerhin läuft sein Vertrag ja noch bis 2029.
Das sehen die Grünen natürlich ein bisschen anders. Von der Ohe habe den Bogen überspannt, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Er habe seine Position im Rathaus gnadenlos ausgenutzt, Interna durchgestochen, den OB sabotiert, ihn bei einer Wahlkampfdebatte gar der Lüge bezichtigt. Da könne man sich jetzt nicht hinstellen und so tun; als wäre nix gewesen.
Geschenkt haben sich beide nichts
Wobei zur Wahrheit natürlich auch gehört: Die Zerwürfnisse und Kränkungen sind schon ein bisschen älter als der Wahlkampf. Viele Grüne glauben, dass auch das Zerbrechen der grün-roten Koalition im Herbst 2023 zumindest teilweise auf von der Ohes Mist gewachsen ist. Dabei sei es – so lautet zumindest die gängige Erzählung – gar nicht wirklich um die Verkehrswende und Onays Pläne für eine autoarme Innenstadt gegangen, sondern bloß um parteipolitisches Kalkül.
Die SPD habe damals geglaubt, „ihr“ Rathaus nur dann zurückerobern zu können, wenn sie sich von den Grünen abgrenzt und auf Onays Kosten profiliert. Diese Strategie sei nun endgültig und eindeutig gescheitert – und damit sollten bitteschön auch ihre Befürworter nach Hause gehen, und zwar alle.
Allerdings waren auch die Grünen oft nicht zimperlich, wenn es darum ging, die diversen Skandale und Affären der SPD in den letzten Monaten und Jahren medial am Köcheln zu halten. Mancher Sozi findet deshalb, man sei doch einigermaßen quitt und könnte es jetzt auch mal gut sein lassen. Immerhin hat sich die SPD auch große Mühe gegeben, frisches, unbelastetes Personal in den Fraktionsvorstand zu hieven und damit Signale für einen Neuanfang zu senden.
Manchen Beobachter wundert es nun allerdings, dass man sich dabei über die „Anschlussverwendung“ des Kämmerers nicht auch gleich Gedanken gemacht. Aber auch das ist ja kein ganz neues Phänomen, man denke nur an den Bundestagswahlkampf mit dem erst schwer gehypten und dann tief gefallenen Martin Schulz. Irgendwie steht man diesen Wahlkampfquatsch wohl nicht durch, wenn man von vorneherein einen Plan B in der Tasche hat.
Angeblich – so kolportieren es verschiedene Medien – wollte Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hier nun helfend eingreifen. Sein Jobangebot als Geschäftsführer der Metropolregion-Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg GmbH soll von der Ohe aber ausgeschlagen haben.
Was natürlich verständlich ist, weil ja schon der Name wie ein Witz klingt. Was kommt denn da als nächstes, die Megacity Lüneburg? Das schreit ja geradezu „Versorgungsposten“. Auch mit der Aussicht, nach der nächsten Landtagswahl vielleicht Staatssekretär werden zu können, soll sich von der Ohe nicht trösten lassen wollen. Wobei die große Frage natürlich bleibt, welcher Sauhund das jetzt eigentlich wieder durchgestochen hat.
Aber vielleicht sollte sich von der Ohe einfach mit der schönen 80er-Jahre-Weisheit „Man trifft sich immer zweimal“ trösten. Die hat er vielleicht nicht immer beherzigt. Die anderen aber auch nicht. Und karma is a bitch.
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