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Nach Vorwurf der VergewaltigungDemokrat Platner kandidiert nicht mehr für US-Senat

Er war kurzzeitig die Hoffnung des linken Flügels der Demokraten. Nun gibt Graham Platner, der die Vorwürfe gegen sich bestreitet, seine Kandidatur auf.

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Er ist Ex-Soldat und Austernzüchter, sprach offen über seinen Kampf mit posttraumatischer Belastungsstörung und Alkoholmissbrauch. Und er versprach eine Politik, die sich für die Menschen einsetzt und nicht für irgendwelche Interessensgruppen oder große Geldgeber.

Mit alldem konnte Graham Platner Wäh­le­r:in­nen im Bundesstaat Maine für sich gewinnen. Doch nun endet seine politische Karriere, bevor sie richtig begonnen hat. Der Grund sind Vorwürfe mehrerer Frauen, Platner sei in der Vergangenheit sexuell übergriffig geworden. Eine Frau wirft ihm vor, sie vergewaltigt zu haben.

Platner hatte im Juni die demokratische Vorwahl in Maine für den US-Senat gewonnen. Er bestreitet alle Vorwürfe, erklärte am Mittwochabend jedoch in einem Video in den sozialen Netzwerken, dass er trotzdem seine Kandidatur zurückziehen werde.

„Wir sind der Ansicht, dass die Bewegung nicht von meiner Person abhängen darf, wenn sie fortbestehen soll. Aus diesem Grund setzen wir die Wahlkampfaktivitäten aus“, sagte Platner.

Bedenken gegen Platner gab es von Beginn an

Anzeichen, dass sich Platners Vergangenheit negativ auf den Wahlkampf auswirken könnte, gab es von Beginn an. Doch Demokraten und vor allem Teile des progressiven linken Flügels der Partei unterstützten den 41-jährigen Politneuling, der versuchen sollte, Maines langjährige republikanische Senatorin Susan Collins bei den Kongresswahlen im November zu besiegen. Nun müssen die Demokraten schnell einen Ersatz finden.

Bereits vor seinem Sieg in der parteiinternen Vorwahl gab es offene Kritik an Platners Kandidatur, vor allem von der Parteiführung und moderaten Demokraten. Mehrere Skandale, angefangen von einem Totenkopf-Tattoo, dass an Tattoos der SS in Nazi-Deutschland erinnerte, über kontroverse Onlineposts und sexuell explizite SMS-Nachrichten des Verheirateten an Frauen bis hin zu seinem unberechenbaren Verhalten in Beziehungen überschatteten die Kandidatur.

Trotzdem gewann Platner die Vorwahl auch mit Unterstützung von Politikern wie dem unabhängigen Senator Bernie Sanders. Doch als in dieser Woche mehrere Frauen ihn der sexuellen Übergriffe beschuldigten, verlor er auch den Rückhalt seiner größten Unterstützer in der Partei.

Jenny Racicot, die Platner 2019 über eine Dating-App kennengelernt hatte, erklärte in Interviews mit Politico und CNN am Montag, dass dieser sie 2021 vergewaltigt hätte. Laut ihrer Erzählung ist Platner „sehr betrunken gewesen und habe kein Nein akzeptiert“, obwohl sie verbal deutlich gemacht habe, dass sie keinen Sex wolle.

Platner reagiert mit Trotz

Spätestens diese Anschuldigung sowie weitere in den Folgetagen besiegelten Platners politisches Ende. In der 11-minütigen Videobotschaft, in der er seinen Rückzug verkündete, zeigte er sich trotzig. Er wiederholte, dass die Anschuldigungen gegen ihn falsch seien, und machte klar, dass das politische System und die Parteiführung gegen ihn seien. „Wir leben in einem politischen System, das nicht für normale Menschen gemacht ist“, sagte er.

Für Demokraten ist Maine ein wichtiger Bundesstaat, um die Mehrheit im US-Senat zurückzugewinnen. Mit Platners Rückzug ist diese Mission nun deutlich schwerer geworden. Immerhin hatte dieser die parteiinternen Vorwahlen klar mit 72 Prozent der Stimmen für sich entschieden.

Die Demokraten müssen sich nun fragen, warum Platner – trotz seiner problembehafteten Vergangenheit – der beste Kandidat der Partei war.

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2 Kommentare

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  • Eins ist klar, in den USA muss man schon Trump heißen, um durchzukommen. Es gibt genügend Leute mit genügend Geld und Möglichkeiten, um Unangenehmes zum Vorschein zu bringen. Und die werden das womöglich bei aus US-Sicht linken Hoffnungsträgers besonders gerne tun. Dominique Strauss-Kahn hatte seinen (verdienten) Sexskandal pünktlich erst so, dass der Dollar-Leitwährungs-Kritiker nichts wurde.

    Irgendetwas mag es geben, denn die paar Moralin-Engels allein können keine politische Bühne bestücken und sollten da auch nicht alleine stehen.

    An mehreren Ecken ansetzen:



    Professionelle Unterstützung bei Krisen-PR ist leider heute Pflicht, zumindest auf Parteienebene. Cf. Peter Schröder (FDP), wie mensch mit unfairen Methoden jemanden schützen kann, doch es geht viel auch fair.



    Dann zum Screening: Wenn jemand mit Vergangenem abschließen kann, eine ehrliche 'Beichte' und Verhaltensänderung, um es abzuhaken. Wenn es nicht stimmt, zeitnah richtigstellen lassen und Rückendeckung organisieren.

    Zum Abschluss ähnlich dem Vorredner: gar nicht erst die süße Droge des Personenkults einsetzen. Menschen sind Menschen. Amaih!

    ... kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun, siehe ein gewisses linkes Lied.

  • So ist das leider. Auch wenn jemand ein linker Hoffnungsträger ist, ist er nicht automatisch gefeit davor, privat vielleicht ein richtiger Schmutzbuckel zu sein. Das gilt freilich für rechte Hoffnungsträger genauso. Oder liberale. Oder weibliche.

    In meiner Erfahrung ist es häufig auch die blinde Verehrung, die solchen "Hoffnungsträgern" seitens ihrer Blase entgegengebracht wird, die derartiges Verhalten, gemeinsam mit einer Machtstellung begünstigt. Im Übrigen nicht nur in sexueller Hinsicht, sondern auch in finanzieller.

    Wie sagte doch Trump: Er würde keine Wähler verlieren, selbst wenn er mitten auf der Fifth Avenue jemanden erschösse? Das ist genau diese Mentalität von "mir kann keiner".